Auch im kommenden Jahr geht es mit der Wirtschaft nur schleppend voran. Die Bundesregierung hat die Konjunkturprognose im Vergleich zu früheren Erwartungen für dieses Jahr gesenkt.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat seine Prognose für das Bruttoinlandsprodukt für 2026 herunterkorrigiert. Ein spürbarer wirtschaftlicher Aufschwung in Deutschland lässt weiter auf sich warten.
Erwartet wird nun nur noch ein Wachstum von 1,0 Prozent, wie Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts sagte. Im vergangenen Herbst nahm die Bundesregierung noch an, das ein Plus von 1,3 Prozent möglich wäre. Dieses Plus wird nun für 2027 erwartet.
Jahreswirtschaftbericht: Wachstum durch Investitionen
Das Ministerium stellte am Mittwoch seinen Jahreswirtschaftsbericht vor. Zur Stärkung des Wachstumspotenzials und der Resilienz will die Bundesregierung auf sechs angebotspolitische Handlungs- und Reformfelder setzen.
Nach zwei Jahren in Folge ohne Wachstum hat Deutschland im Jahr 2025 eine Steigerung von 0,2 Prozent zu verzeichnen. Die Bundesregierung spricht im Jahreswirtschaftsbericht von einer Stabilisierung. Andere große Industrienationen können bessere Wachstumsraten verzeichnen.
Insbesondere die Rolle der Industrie in Deutschland steht vor Problemen. "Wir wollen nicht auf Industrie verzichten", erklärte Katherina Reiche. Die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Tanja Gönner, sagte: "Die erwartete wirtschaftliche Erholung ist gering und bleibt brüchig." Auch die DIHK-Geschäftsführerin Helena Melnikov mahnte, das Wachstum in Deutschland sei "viel zu langsam".
Die Wirtschaftsweisen rechnen für 2026 mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Sie gehen von einer etwas schwächeren Entwicklung des Staatskonsums wie auch niedrigeren öffentlichen und privaten Investitionen aus.
Reiche: "Sondervermögen müssen zügig investiert werden"
Milliarden-Ausgaben des Staates zur Modernisierung der Infrastruktur, für Klimaschutz sowie für eine Stärkung der Bundeswehr langsamer als erhofft. Bei der Umsetzung der staatlichen Investitionen sei mehr Tempo notwendig, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).
Das Sondervermögen der Bundeswehr soll fristgerecht investiert werden, sowohl in Plattformtechnologie als auch in neue Technologie. Im Rüstungssektor sei deshalb mit 1,5 Prozent Wachstum zu rechnen, wie das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IW) für die Bundesregierung berechnet hat.
Die schuldenfinanzierten Sondervermögen sind demnach wesentlicher Treiber des Wirtschaftswachstums. Diese staatlichen Investitionen dürften laut Regierung rund zwei Drittelprozentpunkte zum BIP-Zuwachs 2026 beitragen. Davon soll etwa die Bauindustrie und die Rüstungsindustrie profitieren.
Darüber hinaus sieht die Bundesregierung sechs Handlungsfelder für Reformen und neue Strukturen. So soll Bürokratie zurückgebaut werden, indem Überregulierung aus dem Weg geräumt wird. Dazu soll Deutschland als Standort wieder attraktiver gemacht werden, Energiekosten gesenkt und Versorgungssicherheit gewährleistet werden.
Geplant sind außerdem Reformen in den Bereichen Innovation und beim Arbeitsangebot. Dazu sollen sowohl die Sozialsysteme als auch Anreizsysteme verbessert werden. Auch die Wochenarbeitszeit könnte nochmals in den Fokus geraten.