Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Vom Aussterben bedrohter Albatros fliegt 4.800 Kilometer von seiner Heimat: Forschende rätseln

Ein von Melody Baran bereitgestelltes Foto zeigt einen seltenen Wellenalbatros, gesichtet am Freitag, 23. Januar 2026, vor der Küste von Point Piedras Blancas, Kalifornien.
Foto von Melody Baran: Ein seltener Wellenalbatros, gesichtet vor der Küste bei Point Piedras Blancas in Kalifornien am Freitag, 23. Januar 2026. Copyright  Melody Baran/ University of California, San Diego-Scripps Institution of Oceanography via AP
Copyright Melody Baran/ University of California, San Diego-Scripps Institution of Oceanography via AP
Von MICHAEL R. BLOOD mit AP
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Naturschützer sind ratlos wegen der seltsamen Bewegungen des Vogels. Sie befürchten, Umwelteinflüsse könnten das Verhalten ausgelöst haben.

Wissenschaftler an Bord eines Forschungsschiffs vor der Zentralküste Kaliforniens haben einen Wellenalbatros gesichtet. Es ist erst der zweite dokumentierte Nachweis dieser Art nördlich von Mittelamerika.

Der gelbschnäblige Vogel mit knopfschwarzen Augen kann bis zu 2,4 Meter Spannweite erreichen und verbringt einen Großteil seines Lebens in der Luft über dem Ozean. Sein Auftauchen wirft Fragen auf. Forschende rätseln, wie und warum eine Art, die auf den Galápagos-Inseln brütet, rund 4.800 Kilometer entfernt, so weit nach Norden gelangte.

Für Forschende gilt er als „Irrgast“, also ein Vogel weit außerhalb seines üblichen Verbreitungsgebiets. Gesichtet wurde er 37 Kilometer vor der Küste von Point Piedras Blancas, etwa auf halber Strecke zwischen San Francisco und Los Angeles.

Der ausgewachsene Vogel „scheint es nicht eilig zu haben, wieder nach Süden zu fliegen“, sagt die Meeresornithologin Tammy Russell, die an Bord war und festhielt, dass offenbar derselbe Vogel schon im Oktober vor der Küste Nordkaliforniens gesehen wurde.

Forschende sind noch immer „unter Schock“

„Ich kann kaum glauben, was ich gesehen habe“, schreibt Russell auf Facebook. „Ich stehe immer noch unter Schock.“

Russell ist Vertragswissenschaftlerin am Farallon Institute und Postdoktorandin an der University of California, San Diego, Scripps Institution of Oceanography. Warum der Vogel so weit von seiner Heimat landete, lässt sich kaum erklären.

Ein Sturm könnte ihn nach Norden getrieben haben. Manche Vögel sind einfach wanderlustiger als andere.

„Vermutlich hat er letzte Saison nicht gebrütet. Ausgewachsene Tiere legen ihr Ei im Frühjahr, die Küken verlassen die Nester bis Januar“, schreibt Russell per E‑Mail. „Vielleicht war er in seinem freien Jahr auf Wanderschaft und kehrt bald zu den Galápagos-Inseln zurück, um zur nächsten Saison wieder mit seinem Partner zusammenzufinden?“

„Wer weiß, wie lange er bleibt oder ob er je zurückkehrt? Genau das macht solche Sichtungen so besonders.“

Steckt der Klimawandel hinter dem umherstreifenden Albatros?

Marshall Iliff, Projektleiter von eBird am Lab of Ornithology der Cornell University, sagt, Seevögel wie Albatrosse legten auf der Suche nach Nahrung enorme Distanzen zurück.

„Vereinzelt tauchen Individuen weit weg von zu Hause auf, mitunter sogar in der falschen Hemisphäre oder ausnahmsweise im falschen Ozean“, so Iliff per E‑Mail. „Nahrungsmangel kann zum Umherirren führen, es kann aber auch schlicht ein Zufall sein. Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass es mehr als ein Ausreißer ist.“

Die International Union for Conservation of Nature stuft den Vogel, den größten der Galápagos, als vom Aussterben bedroht ein. Laut der American Bird Conservancy ist sein Verbreitungsgebiet auf die Tropen beschränkt. Er nistet auf Lavafeldern zwischen verstreuten Felsbrocken und spärlicher Vegetation.

Wellenalbatrosse können bis zu 45 Jahre alt werden. Sie ernähren sich vor allem von Fischen, Tintenfischen und Krebstieren.

Russell betont: Würden in Kalifornien mehrere Tiere gesichtet, könnte das darauf hinweisen, dass Umweltfaktoren sie nach Norden treiben. Zuvor hat sie über fünf Tölpelarten geschrieben, die wegen steigender Temperaturen und mariner Hitzewellen inzwischen vor Kalifornien häufig sind.

Zum einzelnen Albatros sagt sie: „Falls das ein Zeichen dafür ist, dass sich diese Art nach Norden verlagert, haben wir nun einen ersten Referenzpunkt: den Zeitpunkt der ersten Entdeckung hier.“

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Monarchfalter stehen vor 3.000-Kilometer-Wanderung: Überleben sie bei knappem Nektar?

Neue Fressgewohnheiten, Blasentricks, Teilen lernen: So passen sich Wale dem Klimawandel an

Pinguine brüten früher: Warum sind Forschende so besorgt?