Eine der weltweit bekanntesten Wanderungen gerät in Gefahr. Steigende Temperaturen verändern die Qualität des lebenswichtigen Blütennektars.
Jeden Herbst machen sich Millionen Monarchfalter auf eine beschwerliche Reise. Sie fliegen mehr als 3.000 Kilometer von Kanadas Feldern bis in Mexikos Bergwälder, um dort zu überwintern.
Diese Wanderung zieht Scharen von Touristinnen und Touristen an. Überall in Amerika versammeln sich Menschen und bestaunen die charakteristisch orangefarbenen Insekten. Sie füllen den Himmel. Am Ende des Winters fliegen die Falter nach Norden in die USA und legen ihre Eier auf Seidenpflanzen.
Seit Jahren zeigen Monarchfalter Widerstandskraft trotz der wachsenden Bedrohung durch den Klimawandel. Obwohl sie nur so groß sind wie eine große Büroklammer, überstehen sie Lebensraumverlust, extremes Wetter und den zunehmenden Einsatz von Pestiziden.
Doch jetzt droht ihrer epischen Reise ein neues Hindernis: Schuld ist der Blütennektar.
Wie der Klimawandel den Blütennektar verändert
Im Sommer 2023 untersuchte ein Forschungsteam der Universität Ottawa die Pflanzen, auf die Monarchfalter während ihrer Wanderung angewiesen sind.
Die in der Fachzeitschrift Global Change Biology Communications veröffentlichte Studie zeigt: Schon ein minimaler Temperaturanstieg um null Komma sechs Grad reicht aus, um die Nektarqualität dieser Pflanzen zu senken. Monarchfalter, die sich von solchen „erwärmten“ Blüten ernährten, legten rund ein Viertel weniger Körperfett an als ihre Artgenossen.
„Die Erwärmung macht den Nektar weniger nahrhaft“, sagt Professorin Heather Kharouba, die das Experiment leitete.
„Auch wenn die Falter so viel fressen konnten, wie sie wollten, konnten sie die geringere Nektarqualität nicht ausgleichen.“
Die Studie ergab: Steigt die Temperatur, produzieren späte Blüten der Saison weniger Nektar, und der ist zudem zuckerärmer.
Ein Weckruf zum Schutz des Monarchfalters
Forschende und Naturschützer schlagen seit Langem Alarm. Diese Studie zeigt eine subtilere Gefahr.
„Wir sehen, dass der Klimawandel Bestäuber auch indirekt trifft, indem er ihre Ressourcen verschlechtert“, ergänzt Kharouba.
„Die Ergebnisse sind aus meiner Sicht ein Weckruf – für alle, die diese Falter schützen, und für alle, die einen Garten anlegen oder einen Park pflegen, während sich der Planet weiter aufheizt.“
Die Studie bildet den Kern einer neuen Ausstellung mit dem Titel Flutterings: Monarchs and Climate Change.
Kuratiert von der kanadischen Bildkünstlerin Valérie Chartrand, soll sie neue Gespräche darüber anstoßen, wie wir mit den Lebewesen um uns umgehen, und zeigen, wie Kooperationen zwischen Kunst und Wissenschaft das öffentliche Verständnis für komplexe Umweltfragen vertiefen können.