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Valencias tödliche Flut: Hätte sie in einer Welt ohne fossile Brennstoffe stattgefunden?

Bewohnerinnen und Bewohner betrachten in Valencia, Spanien, aufeinandergestapelte Autos, die die Überschwemmung am Mittwoch, 30. Oktober 2024, mitgerissen hat.
Anwohner in Valencia, Spanien, betrachten am Mittwoch, dem 30. Oktober 2024, übereinandergestapelte Autos nach schweren Überschwemmungen. Copyright  Copyright 2024 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Eine umfassende Studie zeigt: Menschengemachter Klimawandel hat die Sturzfluten, die Valencia 2024 verwüsteten, zusätzlich angeheizt.

Spanien versucht noch immer verzweifelt, die Wunden zu heilen und zu verstehen, was genau schiefgelaufen ist – fast zwei Jahre nach einer der schlimmsten Überschwemmungen seiner Geschichte.

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Am 29. Oktober 2024 traf eine besonders heftige DANA (Depresión Aislada en Niveles Altos) die Stadt Valencia. Dieses spezielle Wettersystem entsteht, wenn sich ein Kaltluftpaket vom polaren Jetstream löst und sich über dem warmen Mittelmeer festsetzt.

Die Folge waren katastrophale Sturzfluten. Straßen verwandelten sich in reißende Flüsse, die Infrastruktur brach zusammen, Häuser wurden beschädigt, ein Zug entgleiste.

Mindestens 230 Menschen kamen in dem unablässigen Regen ums Leben. Fachleute schätzen den Schaden auf 29 Milliarden Euro. Die Katastrophe löste landesweite Empörung aus, weil die Behörden die Lage kaum in den Griff bekamen.

Wie der Klimawandel die Fluten von Valencia angeheizt hat

Eine neue Studie in der Fachzeitschrift Nature Communications (Quelle auf Englisch) kommt nun zu dem Schluss: Der menschengemachte Klimawandel durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe hat die Überschwemmungen in Valencia deutlich verschärft.

Die Forschenden nutzten Simulationsmodelle. Sie verglichen Niederschlagsmenge und -ausdehnung in einer wärmeren Welt mit einem hypothetischen kühleren Szenario, in dem menschliche Aktivitäten die Erde seit der Industriellen Revolution nicht aufgeheizt hätten.

Ihr Ergebnis: Der Regen fiel in einem kritischen Zeitraum von sechs Stunden um 21 Prozent intensiver. Die Fläche, auf der mehr als 180 Millimeter Niederschlag fielen, war um 56 Prozent größer. Insgesamt stieg die Regenmenge im Einzugsgebiet des Júcar um 19 Prozent.

Mit jedem um ein Grad Celsius höheren Anstieg der Lufttemperatur kann die Atmosphäre rund sieben Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Das kann deutlich heftigere Regenfälle auslösen.

Das Mittelmeer und der Nordatlantik verzeichneten im Sommer 2024 Rekordtemperaturen – kurz bevor die DANA Spanien traf. Dadurch gelangte mehr Wasserdampf in die Atmosphäre, was die Wucht des Sturms zusätzlich verstärkte.

„Es ist zwar weiterhin unklar, ob und wie sich die Häufigkeit solcher Wettersysteme in einem wärmeren Klima verändert. Der Vergleich derselben Wetterlage unter kühleren und wärmeren Bedingungen ermöglicht jedoch eine Abschätzung, in welchem Ausmaß der Sturm nach seiner Entstehung verstärkt wurde“, sagt der Klimaforscher Markus Donat, der nicht an der Studie mitgeschrieben hat.

„Insgesamt leistet diese Studie einen sehr wichtigen Beitrag zum Verständnis der Prozesse, die Starkregenereignisse in einem wärmeren Klima verstärken – und sie über die Schwelle eines ‚gewöhnlichen‘ Extremereignisses hinaus in den Bereich einer Katastrophe treiben.“

Anpassung an den Klimawandel in Spanien

Die Forschenden betonen, die Ergebnisse zeigten den „dringenden Bedarf“, die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu beschleunigen und Städte widerstandsfähiger zu machen. Hintergrund ist die „wachsende Bedrohung“ durch Überschwemmungen im westlichen Mittelmeerraum.

Spanien hat bereits Pläne angekündigt, in öffentlichen Gebäuden ein landesweites Netz von Klimaschutzräumen einzurichten. Menschen sollen dort in Phasen extremer Hitze Schutz finden, noch bevor der Sommer beginnt.

Die Regierung finanziert diese Schutzräume in Regionen, in denen brütende Temperaturen das Land besonders hart treffen, unter anderem in Katalonien, im Baskenland und in Murcia.

Außerdem hat die Regierung zugesagt, Hochwasserschutzpläne in kleineren Städten zu finanzieren. Zusätzlich stellt sie 20 Millionen Euro für Maßnahmen zur Brandprävention bereit, nachdem im vergangenen Jahr rekordverdächtige Waldbrände große Waldflächen zerstört haben.

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