Wie Gustavo Dudamel die Zukunft der Pariser Oper gestaltet

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Von Katharina Rabillon
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Dirigent Gustavo Dudamel möchte die Pariser Oper für neue Generationen öffnen und junge Künstler:innen fördern.

Gustavo Dudamel in Paris! Der venezolanische Dirigent hat eine Vision: "Ich glaube wirklich, dass Musik und Kultur die Macht haben, Menschen zu verändern.

Dudamel möchte die Pariser Oper für neue Generationen öffnen und junge Künstler:innen unterstützen. "Wenn wir der jungen Generation den Zugang ermöglichen, können wir eine freiere Gesellschaft aufbauen", sagt der Komponist.

Mit Gustavo Dudamel aufzutreten ist der Traum eines jeden jungen Künstlers. Für Marine Chagnon, Stipendiatin an der Pariser Opéra-Akademie, wird dieser Wunsch Wirklichkeit. Es ist eine entscheidende Zeit für junge aufstrebende Künstlerin, die am Anfang ihrer Karriere steht.

Wenn ich an ihn denke, denke ich an Feuer. Ich denke an etwas, das explodiert und gleichzeitig sinnlich ist.
Marine Chagnon
Französische Mezzosopranistin

Die französische Mezzosopranistin Marine Chagnon bereitet sich seit Wochen auf ein einzigartiges Konzert vor, das von dem charismatischen Dirigenten geleitet wird.

"Ich fühle mich sehr, sehr, sehr geehrt, mit einem solchen Künstler arbeiten zu dürfen. Ich habe ihn schon oft dirigieren sehen, aber ich habe noch nie mit ihm gearbeitet. Ich freue mich sehr darauf, aber es bedeutet auch eine Menge Druck. Wenn ich an ihn denke, denke ich an Feuer. Ich denke an etwas, das explodiert und gleichzeitig sinnlich ist. Und ich kann es kaum erwarten, zu sehen, wie er das rüberbringt." 

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Die französische Mezzosopranistin Marine Chagnon (Mitte)euronews

Marine besucht die erste Probe mit Gustavo Dudamel. Der Musikdirektor der Pariser Oper möchte die neue Generation von Künstlern wie Marine zum Star machen und lädt sie ein, mit ihm auf der großen Bühne aufzutreten.

"Obwohl sie Studenten sind, sind sie auch Künstler, und wenn sie das Gefühl haben, in das höchste Niveau des musikalischen Schaffens einbezogen zu sein, denke ich, dass das gut für sie ist, inspiriert zu werden und weiter an dem zu arbeiten, was sie gerne tun", so Dudamel.

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Gustavo Dudameleuronews

"In einer Institution wie dieser, mit einer langen Geschichte, einem legendären Ort, ist es schön, dass es ein großartiger Ort für diese jungen Leute ist, die in Zukunft die großen Stars sein werden." 

Um ihrem Auftritt den letzten Schliff zu geben, probt Marine mit ihrem Kommilitonen François López-Ferrer. Der Dirigent ist seit Jahren ein enger Vertrauter seines Mentors Gustavo Dudamel.

"Meine Aufgabe hier ist es, sie so vorzubereiten, dass sie, wenn sie mit Maestro Dudamel vor dem Orchester stehen, eine flüssigere Kommunikation und Verbindung haben, die von Anfang an funktioniert", so López-Ferrer. 

"Ich habe eine lange Liste von Dingen, die er sagt, wie er sie sagt und wie er das Ergebnis bekommt, das er vom Orchester erwartet." 

Es war wie Liebe auf den ersten Blick. Er will uns mehr auf der Bühne zeigen.
Frédéric Laroque
Orchesterdirektor des Orchesters der Pariser Oper

Der Konzertabend findet im prächtigen Palais Garnier statt. Auf dem Programm stehen die Rhythmen und Farben Lateinamerikas, die den Geist Dudamels widerspiegeln. "Darin spiegelt sich natürlich meine lateinamerikanische Seele wider, aber auch die Freude daran, denn ich glaube, dass es eine Musik ist, die bewegt, und zwar auf eine ganz besondere Weise", betont Dudamel.

Vom Orchestergraben auf die Bühne: Gustavo Dudamel will auch das Orchester der Pariser Oper Mehr ins Scheinwerferlicht rücken. "Es war wie Liebe auf den ersten Blick. Er will uns mehr auf der Bühne zeigen", so Orchesterdirektor Frédéric Laroque. 

Gustavo Dudamel hat das Orchester zum ersten Mal 2017 für eine Produktion von "La Boheme" dirigiert.

Frischer Wind: "Nixon in China" von John Adams

Gustavo Dudamel bringt frischen Wind in das Repertoire der Pariser Oper. Ein neues Stücke ist das bahnbrechende "Nixon in China" des visionären amerikanischen Komponisten John Adams - ein Freund von Dudamel.

"Wir werden John Adams aufführen: Es wird das erste Mal in der Geschichte sein, dass seine Musik an der Pariser Oper aufgeführt wird. Ich denke, das ist sehr wichtig. Er gehört schon jetzt zu den größten Komponisten der Geschichte. Er ist ein Genie in der Art und Weise, wie er kreiert, die Vorstellungskraft, die er hat, ist so stark", schwärmt Dudamel.

Die Oper erzählt die Geschichte des realen Besuchs von Nixon in China im Jahr 1972, um die Probleme zwischen den beiden Ländern zu lösen.

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Gustavo Dudamel während einer Probeeuronews

Valentina Carrasco ist die Regisseurin von "Nixon in China" und erklärt das Konzept, das sie für das Bühnenbild ausgearbeitet hat: "Ich habe an Tischtennis gedacht, weil ich die Metapher eines Feldes mag, das durch eine Art Vorhang in zwei Hälften geteilt ist, mit einem Netz dazwischen", so Carrasco.

"Die Menschen werfen sich gegenseitig Verantwortung zu, wie Bälle, wie Tischtennisbälle. Das hat mich auf den Gedanken gebracht, dass das ein gutes Bild für die Welt zur Zeit des Kalten Krieges ist."

Tausende günstige Karten für junge Leute

Eine wichtige Aufgabe ist die Suche nach neuen Opernbesucher:innen. Gustavo Dudamel und die Opéra National de Paris wollen Brücken bauen und Türen für die nächste Generation von Opernfans öffnen. Der Generaldirektor der Opéra National de Paris, Alexander Need, sagt: "Ich denke, dass man generell immer versuchen muss, neues Publikum zu gewinnen. Es gibt immer so viele Menschen, die noch nie hier waren, und die Überlegung, wie man sie anlocken kann, ist entscheidend dafür, dass dieses Theater in der Mitte der Gesellschaft bleibt".

Kultur ist Identität. (...) Man gibt ihnen das Gefühl, dass das, was sie hören, ihr Leben bereichert, und das ist so etwas wie eine Mission.
Gustavo Dudamel
Dirigent

Tausende von erschwinglichen Eintrittskarten sind in jeder Spielzeit für junge Zuschauer:innen reserviert, und zwar ausschließlich für diese. 

Die Mezzosopranistin Marine Chagnon erinnert sich an mehrere dieser Vorpremieren. "Die Energie ist anders. Junge Leute hören es nicht auf die gleiche Weise. Sie sind nicht daran gewöhnt. Es gibt also ein Erstaunen, einen kleinen Schock, was die Oper beim Publikum auslöst. Das liebe ich."

"Es gibt keinen Grund, warum junge Menschen nicht von der Oper fasziniert sein sollten", meint Thomas Hampson, Bariton von "Nixon in China". "Sie ist Teil unserer DNA. Man kann die Musik nicht aus dem Menschsein herausnehmen", fügt er hinzu.

"Diese künstlerischen Orte müssen wieder zu Orten der Menschen werden. Kultur ist Identität", erinnert uns Dudamel. "Es sind nicht nur die Menschen, die zu dir kommen. Man geht auch zu ihnen. Man gibt ihnen etwas. Man stellt eine Verbindung her. Man gibt ihnen das Gefühl, dass das, was sie hören, ihr Leben bereichert, und das ist so etwas wie eine Mission."

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