Die Woche in Europa - Heldenempfang für Selenskyj in Brüssel

Präsident Wolodymyr Selenskyj verlässt den Brüsseler Gipfel
Präsident Wolodymyr Selenskyj verlässt den Brüsseler Gipfel Copyright Yves Herman/AP
Von Stefan Grobe
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Die Ukraine wehrt sich gegen russische Eindringlinge, um den europäischen „way of life“ zu bewahren. Das war, kurz gesagt, die Kernbotschaft, die der ukrainische Präsident diese Woche in zwei Tagen auf einer Blitz-Tour durch drei europäische Hauptstädte aussandte.

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Die Ukraine wehrt sich gegen russische Eindringlinge, um den europäischen „way of life“ zu bewahren.

Das war, kurz gesagt, die Kernbotschaft, die der ukrainische Präsident diese Woche in zwei Tagen auf einer Blitz-Tour durch drei europäische Hauptstädte aussandte.

Es war das erste Mal seit Kriegsbeginn vor fast einem Jahr, dass Wolodymyr Selenskyj nach Europa reiste – und seine zweite Auslandsvisite seit seinem Besuch in Washington im Dezember.

Nach einem Tag in London und einem Abend und einer Übernachtung in Paris kam der ukrainische Staatschef nach Brüssel, wohl der Höhepunkt seiner Reise.

In der EU-Hauptstadt bereiteten ihm die europäischen Institutionen einen Heldenempfang - und im Parlament überschütteten ihn die Abgeordneten mit Standing Ovations.

Und hier wollte Selenskyj der Ukraine ein neues Zuhause geben: „Europa! Wir sind das Bollwerk gegen die anti-europäischste Macht der modernen Welt – wir verteidigen uns selbst, wir Ukrainer auf dem Schlachtfeld, zusammen mit Euch.“

Die Ukraine und the EU teilen nicht nur gemeinsame Werte, sondern auch eine gemeinsame Zukunft, sagte Selenskyj. Eine Zukunft, in der sein Land Mitglied der Europäischen Union sein wird.

Stunden später, auf dem EU-Gipfel, wurde Selenskyj deutlicher. Angesichts einer befürchteten russischen Frühjahrsoffensive bat er die EU-Regierungen um mehr Hilfe - und zwar schnell:

„Wir brauchen Artilleriegeschütze, Granaten dafür, moderne Panzer, Langstreckenraketen, moderne Kampfjets. Ich bin jedem dankbar, der solche Hilfe leistet. Wir müssen die Dynamik unserer Zusammenarbeit verbessern, wir müssen es schneller tun als der Aggressor."

Eindeutige Worte. Doch bei beiden Themen, EU-Erweiterung und modernen Waffen, hielten sich die EU-Spitzen zurück.

Das stärkte nur das Argument derer, die die EU-Politik schon länger kritisieren.

Dazu ein Interview mit Bill Durodié, Professor für Internationale Beziehungen an der Bath University in Großbritannien.

Euronews: Sie erforschen Sicherheitspolitik in historischer Perspektive, wie würden sie die Antwort der EU auf den Krieg in der Ukraine bewerten, die Unterstützung, die Waffenlieferungen, die Sanktionen - ist diese Antwort angemessen oder zu wenig?

Durodié: Ich glaube nicht, dass es eine kohärente EU-Antwort gibt. Ich denke, wenn man sich die Waffenlieferungen anschaut, sind das in erster Linie Entscheidungen der einzelnen Länder. Wenn wir uns die Art der humanitären Hilfe ansehen, begannen die Menschen, ukrainische Flüchtlinge als Einzelpersonen aufzunehmen, bevor Staaten und die EU sich einmischten. Und leider denke ich, dass viele der Sanktionen von der EU nicht durchgesetzt werden, und wir wissen, dass es Regierungen gibt, die sie nicht besonders anwenden. Ich denke, was die EU auszeichnet, ist, viel zu sagen - aber dann ist wenig dahinter.

Euronews: Sie erforschen Sicherheitspolitik in historischer Perspektive, wie würden sie die Antwort der EU auf den Krieg in der Ukraine bewerten, die Unterstützung, die Waffenlieferungen, die Sanktionen - ist diese Antwort angemessen oder zu wenig?

Durodié: Ich glaube nicht, dass es eine kohärente EU-Antwort gibt. Ich denke, wenn man sich die Waffenlieferungen anschaut, sind das in erster Linie Entscheidungen der einzelnen Länder. Wenn wir uns die Art der humanitären Hilfe ansehen, begannen die Menschen, ukrainische Flüchtlinge als Einzelpersonen aufzunehmen, bevor Staaten und die EU sich einmischten. Und leider denke ich, dass viele der Sanktionen von der EU nicht durchgesetzt werden, und wir wissen, dass es Regierungen gibt, die sie nicht besonders anwenden. Ich denke, was die EU auszeichnet, ist, viel zu sagen - aber dann ist wenig dahinter.

Euronews: In Ihrem jüngsten Forschungspapier beklagen Sie das Fehlen von strategischem Denken in der EU-Politik. Was genau fehlt hier und wie kann es erreicht werden?

Durodié: Was der EU fehlt, ist eine Strategie. Was für die Zukunft wirklich gebraucht wird, ist die Fähigkeit, die Öffentlichkeit einzubeziehen. Was wir in der Ukraine sehen, ist, dass echte Sicherheit von gewöhnlichen Menschen geboten wird, von Männern und Frauen, die ihre Hauptbeschäftigung aufgeben und bereit sind, für ihr Land zu kämpfen und es zu verteidigen. Denn sie haben ein Gefühl, ein emotionales Gefühl der Verbundenheit und des Engagements für dieses Land. Die EU ist dafür bekannt, dass sie viele Menschen nicht dazu inspiriert, sich als Europäer zu sehen. Wir sehen uns zuerst als nationale Bürger. Und dann kommt vielleicht die EU-Bürokratie ins Spiel, um unser Leben ein bisschen leichter zu machen.

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