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Energie-Abhängigkeit von Russland beenden: Was tut die EU?

Von Naomi Lloyd  & Sabine sans
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Energie-Abhängigkeit von Russland beenden: Was tut die EU?
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Der Druck ist groß, Europas Abhängigkeit von Russlands fossilen Brennstoffen zu beenden. In dieser Real-Economy-Folge geht es um die Pläne und Maßnahmen, die die EU zu dieser Thematik ergreift. Ist der Plan Europas, die Abhängigkeit von Russlands fossilen Brennstoffen bis 2027 zu beenden, realistisch und bezahlbar? Wir fragen die EU-Energiekommissarin. Und wir recherchieren, warum Solarenergie in Spanien Investoren anlockt.

Energie-Abhängigkeit von Russland beenden

Europa plant, seine Abhängigkeit von Russlands fossilen Brennstoffen bis 2027 zu beenden und erneuerbare Energien auszubauen - auch als Teil des Ziels, bis 2050 klimaneutral zu sein. Ist das realistisch? Kann sich Europa das leisten? Darüber spricht euronews-Reporterin Naomi Lloyd mit der EU-Kommissarin für Energie. Euronews-Reporter Guillaume Desjardins findet heraus, warum Investoren ihr Geld in Solarenergie in Spanien stecken. 

Überblick über die Kosten

Europa muss seine Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen verringern und den Klimawandel bekämpfen.

Der Aktionsplan der Europäische Kommission - REPower EU – zielt darauf ab, die Abhängigkeit bis 2027 zu beenden. Er sieht auch den Ausbau und die Förderung erneuerbarer Energien vor.

Das wird 210 Milliarden Euro kosten, es sind umfangreiche Investitionen erforderlich. Hier setzt InvestEU an, das Vorzeige-Investitionsprogramm der EU.

Zusammen mit der Europäischen Investitionsbank bietet es eine EU-Garantie in Höhe von 26 Milliarden Euro, was Investoren beruhigt und mehr als 370 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Finanzmitteln einbringen soll.

Investiert wird schwerpunktmäßig in vier Bereichen: nachhaltige Investitionen, Innovation, soziale Eingliederung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Und mindestens 30 Prozent müssen dazu beitragen, Europa CO₂-neutral zu machen.

Warum lockt Solarenergie in Spanien Investoren an?

Teil des REPowerEU-Plans ist die Verdopplung der europäischen Solarkapazität in den nächsten zweieinhalb Jahren. Guillaume Desjardins hat in Spanien recherchiert, wie InvestEU die Finanzierung von Solaranlagen dort unterstützt.

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Silvia Alonso Guijarro, Leiterin der Kommunikationsabteilung von Solaria, mit Guillaume Desjardins im Solarparkeuronews

Zwischen Valladolid und Salamanca gibt es Sonnenkollektoren, so weit das Auge reicht. Ein Solaria-Solarpark ist Teil eines Projekts mit 7 Standorten, die seit 2020 gebaut werden, zum Teil dank InvestEU.

"Spanien ist bestens geeignet für Solarpaneele und Solaranlagen, denn wir sind eines der Länder mit vielen Sonnenstunden pro Jahr", meint Silvia Alonso Guijarro, Leiterin der Kommunikationsabteilung von Solaria. "Diese sieben Fotovoltaikanlagen haben eine Kapazität von 261 Megawatt, das heißt, sie produzieren 477 Gigawatt/Stunde Energie pro Jahr."

Genug, um mehr als 120.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Dieses Projekt wurde mit öffentlichen und privaten Geldern finanziert.

Die Europäische Investitionsbank hat bei der Projektfinanzierung eine entscheidende Rolle gespielt. Von 189 Millionen Euro hat sie 54 in Form von Vorschüssen oder Garantien zur Verfügung gestellt und weitere 14 Millionen als Vermittler bereitgestellt.

Damit waren mehr als ein Drittel der Gesamtkosten bereits gedeckt. Genug, um private Investoren zu überzeugen, mit den restlichen 89 Millionen Euro einzuspringen.

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Fernando Torija, spanischer Büroleiter der Europäischen Investitionsbankeuronews

"Wir sind von der Zukunft dieser Unternehmen überzeugt", erklärt Fernando Torija, spanischer Büroleiter der Europäischen Investitionsbank . "Das ist ein Signal für Anleger, die überlegen, in das Unternehmen zu investieren, ob sie nun Finanziers oder Anteilseigner sind. Der Qualitätsstempel der Europäischen Investitionsbank macht das Unternehmen interessant."

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Solar- und Windkraftanlagen in Spanieneuronews

Eine grüne und digitale Zukunft

Das ursprüngliche Ziel von InvestEU war die Finanzierung eines grünen und digitalen Wandels. Doch angesichts des Ukrainekrieges und der Sanktionen gegen Russland kann dieses Programm auch zu den europäischen Emanzipationsbemühungen von Gas und Öl aus Russland beitragen.

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Solaria-Generaldirektor Darío López Clemente im euronews-Gesprächeuronews

"Wir werden weitere Projekte entwickeln. Wir arbeiten auch mit der Europäischen Investitionsbank zusammen, um ein größeres Projekt-Paket zu finanzieren", sagt Darío López Clemente, Generaldirektor, leitender Geschäftsführer von Solaria. "Die Krise in der Ukraine hat die wahren Bedürfnisse Europas auf den Tisch gebracht. Wir sind abhängig von anderen Energiequellen, die wir in Europa nicht haben."

"Uns muss bewusst werden, wie wichtig Energie für uns ist. Der einzige Weg, diese Situation zu lösen, ist die Nutzung erneuerbarer Energien. Denn das ist ein Notfall. Es darf nicht in vier oder fünf Jahren geschehen - dann ist es zu spät, um diese Energieformen zu entwickeln, es muss in ein, maximal zwei Jahren sein."
Darío López Clemente

Im Mai hat die Europäische Kommission ihren Plan " REPowerEU " vorgestellt, der auch nicht-finanzielle Hürden wie Verwaltungsgenehmigungen angeht. 

Die EU-Energie-Kommissarin erklärt die EU-Pläne

Euronews-Reporterin Naomy Lloyd hat in Brüssel EU-Energiekommissarin Kadri Simpson zu Gast gehabt. Im Interview erläutert sie die Zukunftspläne der Europäischen Kommission zu dieser Frage.

Naomi Lloyd, Euronews-Reporterin: Ist es realistisch, dass Sie die Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen bis 2027 beenden können?

**Kadri Simson, EU-Energiekommissarin:**Wir tun unser Möglichstes, um diese Abhängigkeit noch schneller zu beenden, so schnell wie wir können. REPowerEU ist der Plan, wie wir die russischen Importe durch Alternativen ersetzen können. Wir haben uns an mehrere vertrauenswürdige Handelspartner gewandt. Aber das ist nicht genug. Wir wollen fossile Brennstoffe nicht zu 100 Prozent durch andere fossile Brennstoffe ersetzen. Das bedeutet, dass wir, wo immer es möglich ist, Erdgas durch erneuerbare Energien ersetzen werden. Wir werden der Elektrifizierung im Gebäudesektor, aber auch im Verkehrswesen Vorrang einräumen. Darüber hinaus werden wir Einsparungen priorisieren.

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EU-Energiekommissarin Kadri Simson im Real-Economy-Intervieweuronews

Euronews: Sie sprechen davon, die Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen zu beenden, aber Sie wollen Öl und Gas aus anderen Ländern importieren. Führt uns das nicht in neue Abhängigkeiten?

Kadri Simson: Wir planen, nur ein Drittel der russischen Importe durch andere fossile Brennstoffe zu ersetzen. Also ja, wir werden unsere Versorgungswege diversifizieren. Aber parallel dazu beschleunigen wir auch unseren grünen Wandel. Wo wir fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energien ersetzen können, werden wir das tun.

Euronews: Können Sie uns die Pläne zur Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien im Rahmen von REPowerEU erläutern?

Kadri Simson: Es gibt einige Möglichkeiten, wie wir erneuerbare Energien sehr schnell fördern können, zum Beispiel auf Dächern. Unserem Vorschlag zufolge sollten alle neu errichteten Gebäude Solar auf dem Dach haben. Der größte Engpass sind die Genehmigungen. Im Moment kann es bis zu sieben Jahre dauern, um eine Genehmigung für einen Offshore-Windpark zu erhalten. Aber die Europäische Kommission hat einen Vorschlag gemacht, das Recht, das wir 'übergeordnetes öffentliches Interesse' nennen. Das verkürzt die Genehmigungsdauer erheblich.

**Euronews:**Laut Ihren Berechnungen wird es 210 Milliarden Euro kosten, die Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen zu beenden. Kann sich Europa das leisten?

Kadri Simson: Wenn man bedenkt, dass wir in den vergangenen Jahren jedes Jahr etwa 100 Milliarden Euro für Öl-, Gas- und Kohleimporte an Russland gezahlt haben, dann macht es Sinn, diese Abhängigkeit zu ersetzen. Wir wissen, dass die Mitgliedstaaten noch über ungenutzte Konjunkturmittel verfügen, es gibt Darlehen im Wert von 225 Milliarden Euro, die die Mitgliedstaaten für grüne Projekte verwenden können. Die Finanzierung ist ein Schlüssel. InvestEU ist ein sehr nützliches Instrument, das uns zur Verfügung steht, denn im Zeitraum von 2020 bis 27 werden wir in der Lage sein, etwa 372 Milliarden Euro zu mobilisieren.