"Die Lufthansa ist wieder da", sagt ihr Chef. Aber wie rosig sieht die Zukunft wirklich aus?

Ein Lufthansa-Flugzeug rollt zur Startposition auf dem Flughafen in Frankfurt, Deutschland.
Ein Lufthansa-Flugzeug rollt zur Startposition auf dem Flughafen in Frankfurt, Deutschland. Copyright AP Photo/Michael Probst
Von Rosie Frost
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IT-Versagen, Streiks, Personalmangel: womit der deutsche Flag Carrier zu kämpfen hat.

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2023 begann für die deutsche Lufthansa Group turbulent.

Im Februar wurde sie von einem katastrophalen IT-Ausfall getroffen, der zu zahlreichen Ausfällen bei den sechs Fluggesellschaften des Unternehmens führte. Bei Bauarbeiten waren Telekommunikationskabel in Frankfurt beschädigt worden, was zu einem Zusammenbruch des Unternehmensnetzes führte.

Nur wenige Tage später führten anhaltende Streiks an Flughäfen in ganz Deutschland dazu, dass weitere Tausende von Flügen gestrichen wurden.

Und dann ist da noch der pandemiebedingte Personalmangel, der Lufthansa nach Angaben der deutschen Wirtschaftszeitung WirtshaftsWoche gezwungen hat, in diesem Sommer mehr als 30 000 Flüge aus dem Flugplan zu streichen.

Kann die deutsche Fluggesellschaft angesichts der anhaltenden Auswirkungen von COVID-19 weiteres Chaos im Jahr 2023 vermeiden?

2022: “Finanzielle Wende" zum Besseren

Lufthansa sagt, dass sie im vergangenen Jahr eine "finanzielle Wende" geschafft hat, nachdem das Unternehmen vor zwei Jahren fast bankrott gegangen wäre.

Im Jahr 2022 flogen 102 Millionen Passagiere mit der Fluggesellschaft - mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Dank der starken Nachfrage nach Flugreisen verdoppelte sich der Umsatz des Unternehmens auf fast 33 Milliarden Euro.

Auch 2023 will das Unternehmen weiter wachsen: "Lufthansa ist wieder da", sagte Konzernchef Carsten Spohr kürzlich.

"In nur einem Jahr haben wir einen beispiellosen finanziellen Turnaround geschafft. Mit einem operativen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro hat die Lufthansa Group ein deutlich besseres Ergebnis erzielt als erwartet", fügte er hinzu.

Die Zahlen bleiben jedoch immer noch hinter dem zurück, was sie vor der Pandemie waren, und die gestiegenen Gewinne sind ein schwacher Trost für die Passagiere, die sich Sorgen über weitere Störungen ihrer Urlaubspläne in diesem Sommer machen.

Michael Probst/Copyright 2022 The AP. All rights reserved
Fluggäste stehen an den Abfertigungsschaltern des internationalen Flughafens in Frankfurt an.Michael Probst/Copyright 2022 The AP. All rights reserved

Fallen in diesem Sommer noch mehr Lufthansa-Flüge aus?

Während der COVID-19-Pandemie wurden Personalabbau und andere Sparmaßnahmen schnell aktiviert, um die Krise zu bewältigen.

Spohr sagte bereits im Jahr 2020, dass die Fluggesellschaft rund 27.000 Vollzeitbeschäftigte zu viel habe. Nachdem sie von der deutschen Regierung ein Pandemie-Rettungspaket in Höhe von 9 Milliarden Euro erhalten hatte, führte sie Massenentlassungen durch. Mindestens 10.000 Menschen wurden zwischen 2020 und 2022 entlassen.

Doch die Rückkehr des Flugverkehrs kam schnell, und wie viele andere Fluggesellschaften war auch die Lufthansa nicht darauf vorbereitet, was prompt zu Personalproblemen führte. Im Sommer letzten Jahres musste sie deswegen Tausende von Flügen streichen, was zu massiven Beeinträchtigungen für die Passagiere führte.

Noch immer kämpft sie mit den anhaltenden Auswirkungen des Personalmangels, der die gesamte Branche betrifft. Um weiteres Chaos und kurzfristige Annullierungen im Jahr 2023 zu vermeiden, hat Lufthansa Berichten zufolge mindestens 34.000 Flüge aus ihrem Sommerflugplan gestrichen.

Theoretisch bleibt den Fluggästen so mehr Zeit, um Alternativen zu finden und Störungen ihrer Reisepläne in letzter Minute zu vermeiden.

Spohr sagte auf einer Pressekonferenz Anfang März, dass die Möglichkeit weiterer Flugstreichungen in diesem Sommer von den Flughäfen und nicht von den Fluggesellschaften abhängen würde. Er warnte, dass die Gefahr bestehe, dass die Kapazitäten aufgrund der hohen Nachfrage begrenzt sein könnten.

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Fluggäste stehen an den Abfertigungsschaltern des internationalen Flughafens in Frankfurt an.Michael Probst/Copyright 2022 The AP. All rights reserved

Kann die Lufthansa ihr Personalproblem lösen?

Gegen Ende des vergangenen Jahres startete die deutsche Fluggesellschaft eine massive Einstellungsoffensive, um bis Ende 2023 20.000 neue Mitarbeiter einzustellen.

Es wurden mehr als 45 verschiedene Arten von Stellen ausgeschrieben, von Piloten und Flugbegleitern bis hin zu IT-Spezialisten und Juristen.

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Doch die Personalprobleme bereiten der Fluggesellschaft nach wie vor Probleme und liegen manchmal außerhalb ihrer Kontrolle.

Jüngste Streiks führten zur Streichung von mehr als 1.000 Flügen, da das Bodenpersonal an mehreren Flughäfen, darunter Frankfurt, München und Hamburg, aus Protest gegen unzureichende Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen die Arbeit niederlegte.

Obwohl das Problem eher bei den Arbeitgebern der Flughäfen als bei der Lufthansa selbst liegt, veranschaulicht es die Situation, in der sich die Beschäftigten in der Luftfahrtindustrie derzeit befinden.

Die Mitglieder der Gewerkschaft Ver.di fordern eine Erhöhung ihrer Löhne um 10,5 Prozent, und sie verweisen darauf, dass es schwierig werden wird, neue Mitarbeiter:innen zu finden, wenn die Bezahlung nicht attraktiv ist.

"Es herrscht nach wie vor ein katastrophaler Arbeitskräftemangel bei der Bodenabfertigung - das haben die Reisenden im vergangenen Sommer deutlich zu spüren bekommen", sagt die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Christine Behle.

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"Um das zu ändern, muss es für sie eine attraktive Lohnerhöhung geben. Und auch die Beschäftigten der Luftsicherheit haben Anspruch auf eine Erhöhung der tariflichen Zuschläge."

Die Gewerkschaft hat auch darauf hingewiesen, dass derzeit viele erfahrene Beschäftigte darüber nachdenken, ob sie kündigen oder in den Vorruhestand gehen sollen.

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