Erotische Keramiken in Brüssel. Das British Museum in London zeigt eine bahnbrechende Hawai'i-Schau. In „Primate“ randaliert ein tollwütiger Affe. Europas Kulturwoche im Überblick.
Heute ist Blue Monday, angeblich der deprimierendste Tag des Jahres. Aber keine Sorge: Wenn dich die dunklen Tage und das klamme Portemonnaie nach Weihnachten drücken, haben wir ein paar Tipps, die die Laune heben.
Überall auf dem Kontinent laufen bunte Veranstaltungen an, vom Göteborg Film Festival in Schweden bis zum Patras-Karneval in Griechenland.
Zugleich stehen neue Ausstellungen und Aufführungen bereit, die die kulturellen und historischen Jahrestage des Jahres 2026 markieren. Darunter eine wegweisende Schau hawaiianischer Artefakte im British Museum in London sowie ein Triptychon von Aufführungen, inspiriert von Ravels ikonischen Kompositionen, beim Opera Ballet Vlaanderen in Antwerpen.
In Berlin eröffnet zudem eine Schau mit selten gezeigten Arbeiten von David Lynch. Sie erinnert an ein Jahr seit seinem Tod. Um Twin Peaks zu zitieren: „Eines Tages wird die Traurigkeit enden“... Und dieser Tag ist heute!
Lesen Sie weiter und füllen Sie Ihren Kalender mit Vorfreude.
Ausstellungen
Hawaiʻi: Ein Königreich, das Ozeane überquert
Wann: Bis zum 25. Mai 2026
Wo: The British Museum (London, Vereinigtes Königreich)
Vor gut 200 Jahren, im Jahr 1824, brachen der junge hawaiianische König Kamehameha II. (Geburtsname Liholiho) und Königin Kamāmalu zu einer ambitionierten Reise nach London auf. Sie wollten ein Bündnis mit Großbritannien schmieden. Das endete tragisch und wurde zu einem Wendepunkt für Hawaiʻis geopolitische Stellung. Vor diesem Hintergrund hat The British Museum eine faszinierende Reflexion über Hawaiʻis Geschichte und Kultur kuratiert. Zu sehen sind selten gezeigte Arbeiten indigener hawaiianischer Künstlerinnen und Künstler sowie Gelehrter. Von Waffen mit Haizähnen bis zu Federumhängen: Diese kunstvoll gefertigten Objekte erzählen unglaubliche Geschichten aus der Vergangenheit und versetzen uns für einen Moment in ferne Zeiten und Orte.
David Lynch
Wann: 29. Januar - 22. März 2026
Wo: Pace Gallery (Berlin, Deutschland)
Seit dem Tod des visionären Filmemachers David Lynch ist ein Jahr vergangen. Sein Einfluss auf fast alle Bereiche der Kunst ist unauslöschlich. Kulturinstitutionen weltweit würdigen ihn weiter: Das British Film Institute (BFI) zeigt derzeit die Reihe „The Dreamer“, und Prags DOX Centre for Contemporary Art präsentiert eine Ausstellung zu seinen dunklen, traumhaften Bildwelten mit dem Titel „Up In Flames“. Nun rückt die Pace Gallery in Berlin seine seltener gezeigten Arbeiten aus allen Medien in den Fokus: Gemälde, Aquarelle, Skulpturen, frühe Kurzfilme und seltene Fotografien, die Lynch 1999 in Berlin aufnahm. Für Fans ist das eine reizvolle Gelegenheit, die Breite seines Schaffens zu erleben und die ästhetischen Inspirationslinien zu erkunden, die sein Leben und seine Karriere verbinden.
Bonustipp: Yayoi Kusamasfarbenprächtige Retrospektive in der Schweizer Fondation Beyeler endet bald. Zu sehen noch bis 25. Januar 2026.
Veranstaltungen
Rites (Bolero X / La Valse / Le Sacre du printemps)
Wann: Bis zum fünften Februar 2026
Wo: Opera Ballet Vlaanderen (Antwerpen, Belgien)
Mit dem Jahreswechsel häufen sich Jubiläen. Einer der bedeutendsten 2026: Vor hundert Jahren brachte der französische Komponist Maurice Ravel „La Valse“ am Ballett der Royal Flemish Opera heraus. Ballettimpresario Sergej Djagilew lehnte die Komposition zunächst ab. Heute gehört sie zu Ravels meistgespielten Werken; ihr wirbelnder Witz fasst den schwindelerregenden Verfall der Existenz nach dem Ersten Weltkrieg. Um die gewaltige Wirkung auf die Tanzwelt zu würdigen, zeigt Opera Ballet Vlaanderen ein Triptychon zeitgenössischer Sichtweisen auf Ravels „Boléro“, „La Valse“ und „Le Sacre du printemps“. Letzteres entsteht in Zusammenarbeit mit dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch.
Die internationale Keramikmesse
Wann: 22. Januar - 25. Januar 2026
Wo: Brüssel, Belgien
Lächelnde Vasen, feuerspeiende Drachen und ein stachliger Phallus: Die Welt der zeitgenössischen Keramik formt menschliche Fantasie zu wunderbar seltsamen Kreationen, die Widerstandskraft und Charakter einer Kultur spiegeln. Das feiert Ceramic Brussels, eine hochkarätige Kunstmesse in ihrer dritten Ausgabe. In diesem Jahr vereint sie Arbeiten von fast 200 internationalen Kunstschaffenden, mit einem besonderen Fokus auf spanische Keramik. Ehrengast ist der österreichische Künstler Elmar Trenkwalder; seine groß angelegte Ausstellung erotischer Skulpturen ist ein Muss.
Kino
Primate
Wo: Kinos
Wann: Jetzt in Frankreich und Deutschland im Kino, Kinostart im Vereinigten Königreich am 30. Januar 2026.
Ein manischer Mix aus Stephen Kings Cujo und jener Szene in Jordan Peeles Nope: Primate setzt den jüngsten Kinotrend zum Affen-Horror fort. Lucy (Johnny Sequoyah) reist mit Freundinnen und Freunden ins abgelegene Haus der Familie auf Hawaiʻi. Bald merkt sie: Mit dem Schimpansen Ben stimmt etwas nicht. Das Tier wird immer gewalttätiger. Es beginnt ein chaotisches Katz-und-Maus-Spiel, das die Gruppe isoliert und verzweifelt ums Überleben kämpfen lässt. Das ist vergnüglicher, schaumiger Horror, der reale Ereignisse karikiert (namentlich den Schimpansenangriff auf Charla Nash im Jahr 2009) und erneut daran erinnert, dass die Ausbeutung von Wildtieren immer böse endet.
Bonustipp: Ein Highlight der Filmfestspiele von Cannes 2025, The History of Sound ist eine zarte Romanze nach dem Ersten Weltkrieg mit Paul Mescal und Josh O'Connor. Ab 23. Januar in ausgewählten Kinos im Vereinigten Königreich, der breitere Europastart folgt kurz darauf bei MUBI.
Serien
The Beauty
Wo: Disney+
Wann: 22. Januar
Vielschaffer Ryan Murphy (American Horror Story, Monster) meldet sich mit einer kühnen Body-Horror-Serie zurück, mit Bella Hadid in einer Hauptrolle. In einer Welt, in der ein sexuell übertragbares Virus Menschen schön macht, aber tödliche Nebenwirkungen hat, müssen zwei FBI-Agenten ein Geflecht aus Korruption und persönlichen Konflikten durchdringen, um seine Quelle aufzuspüren. Grell und grausam nimmt die Serie toxische Schönheitskultur, gesellschaftlichen Druck und den selbstzerstörerischen Preis der Perfektion ins Visier. Die Wucht erinnert an The Substance.
Bonustipp: Bei Netflix wartet der gemütliche Mystery-Thriller Agatha Christie’s Seven Dials, oder Sie drehen die Intensität hoch mit der zweiten Staffel von HBOs nervenaufreibendem Medizindrama The Pitt.
Musik
Cat Power: Redux EP
Wann: 23. Januar
Die US-Indie-Künstlerin Cat Power (bürgerlich Charlyn Marie „Chan“ Marshall) veröffentlichte 2006 ihr viel gelobtes Album „The Greatest“; seine langsamen, geschmeidigen Klänge tragen tröstliche Wahrheiten über das Loslassen unerfüllter Ambitionen und das Annehmen des Hier und Jetzt. Eine neue EP mit drei Songs markiert das 20-jährige Jubiläum. Mit dabei sind verlockende Kollaborationen, darunter Judah Bauer von The Jon Spencer Blues Explosion und Chans Band Dirty Delta Blues. Außerdem kehrt ein Cover von James Browns „Try Me“ zurück, das bei den ursprünglichen Albumaufnahmen unvollendet blieb. Bis jetzt.