Die Ankündigung einer europaweiten Tour fällt in eine Phase zunehmender Kontroversen: Mehrere Länder boykottieren den Wettbewerb wegen der Teilnahme Israels.
Der Eurovision Song Contest feiert sein 70. Jubiläum mit seiner ersten internationalen Tour, wie die Organisatoren bekanntgaben. Zugleich steckt der Wettbewerb wegen Israels Teilnahme in einer seiner umstrittensten Phasen.
Die Tour findet im Juni und Juli statt. Laut EBU bringt sie „ikonische Eurovision-Acts und die Künstlerinnen und Künstler des Jahres 2026“ zusammen. Sie wird als „Feier des Erbes des Wettbewerbs, seiner weltweiten Fangemeinde und sieben Jahrzehnten unvergesslicher Musik“ beworben.
Die Acts spielen ihre eigenen Beiträge des Eurovision Song Contest und Coverversionen ihrer Lieblingssongs aus siebzig Jahren Wettbewerbsgeschichte, so die EBU.
Zehn europäische Städte, darunter London und Paris, sind zwischen 15. Juni und 2. Juli Station der Tour. Sie folgt auf das große Finale in Wien am 16. Mai.
Wachsende Kontroverse um Israels Teilnahme
Unterdessen wächst die Debatte über Israels Teilnahme angesichts des anhaltenden Konflikts in Gaza. Fünf Länder sind aus Protest ausgestiegen. Damit schrumpft das Feld auf 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. So wenige waren es seit der Erweiterung 2004 nicht mehr.
Der irische öffentlich-rechtliche Sender RTÉ verwies auf „den erschütternden Verlust von Menschenleben in Gaza und die humanitäre Krise dort“, als er seinen Rückzug bekanntgab. Spanien, Island, die Niederlande und Slowenien folgten im Dezember, während der Sieger von 2024 die Trophäe zurückgab.
„Eurovision sagt, es stehe für Einheit, Inklusion und Würde für alle. Diese Werte haben den Wettbewerb für mich bedeutsam gemacht“, schrieb Nemo auf Instagram. „Doch Israels fortgesetzte Teilnahme, in einer Zeit, die die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der UN als Völkermord bezeichnet, zeigt einen klaren Konflikt zwischen diesen Idealen und den Entscheidungen der EBU.“
Für zusätzliche Schlagzeilen sorgt diese Woche Conchita Wurst. Die ikonische österreichische Sängerin, Siegerin des Eurovision Song Contest 2014, will an keinen Eurovision-bezogenen Veranstaltungen mehr teilnehmen.
In ihrer Erklärung, die sie mit „Tom“ unterschreibt, sagt die Künstlerin: „Der Eurovision Song Contest hat mein Leben geprägt. Er war meine Bühne, mein Zuhause und mein Sprungbrett, und ein Kapitel, für das ich zutiefst dankbar bin.“
„Als Künstlerin ist Veränderung meine größte Konstante. Ab sofort ziehe ich mich aus dem Eurovision-Kontext zurück. Ich will mich stärker auf andere berufliche Projekte konzentrieren und Neues entstehen lassen.“
Johannes Pietsch, besser bekannt als JJ und Sieger des Eurovision Song Contest 2025, hatte zuvor eine österreichische Ausgabe „ohne Israel“ gefordert. Später entschuldigte er sich für die Kontroverse, die seine Aussagen im Inland ausgelöst hatten.
Der Eurovision Song Contest bemüht sich um politische Neutralität. Viele Kritiker nennen die EBU dennoch heuchlerisch im Umgang mit der Situation rund um Israel. Russland wurde nach der Invasion in die Ukraine 2022 ausgeschlossen, Belarus schon ein Jahr zuvor nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Alexander Lukaschenko.
Die 70. Ausgabe des Eurovision Song Contest findet am 16. Mai 2026 in Wien statt.