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Iran nennt erstmals Opferzahl nach Protesten – Aktivisten sprechen von Tausenden mehr

Der Oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei spricht in einer Sitzung in Teheran, Iran, Samstag, 17. Januar 2026.
Der Oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei spricht in einer Sitzung in Teheran, Iran, Samstag, 17. Januar 2026. Copyright  Office of the Iranian Supreme Leader via AP
Copyright Office of the Iranian Supreme Leader via AP
Von Emma De Ruiter
Zuerst veröffentlicht am
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Irans Staatsfernsehen hat nach der Niederschlagung der landesweiten Proteste erstmals eine offizielle Opferzahl genannt. In Erklärungen des Innenministeriums und der Stiftung für Märtyrer- und Veteranenangelegenheiten ist von 3.117 Toten die Rede – deutlich weniger als die Angaben von Aktivisten.

Nach der Niederschlagung der landesweiten Proteste hat der Iran am Mittwoch erstmals eine offizielle Zahl der Todesopfer genannt. Sie liegt deutlich unter den Angaben von Aktivisten aus dem Ausland. Die Führung versucht derweil, wieder Kontrolle zu gewinnen.

Das Staatsfernsehen zitierte Erklärungen des Innenministeriums sowie der Stiftung für Märtyrer- und Veteranenangelegenheiten. Die staatliche Einrichtung unterstützt Familien von im Krieg getöteten Menschen. Demnach seien 3.117 Menschen ums Leben gekommen.

Weiter hieß es, 2.427 der Toten seien Zivilisten und Angehörige der Sicherheitskräfte gewesen. Zu den übrigen Toten gab es keine Angaben. In der Vergangenheit hat die iranische Regierung Opferzahlen bei Unruhen häufig niedrig angesetzt oder gar nicht veröffentlicht.

Die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency meldete am frühen Donnerstagmindestens 4.902 Tote. Aktivisten befürchten, dass die tatsächliche Zahl noch höher liegt.

Die Menschenrechtsgruppe berichtet seit Jahren über Demonstrationen und Unruhen im Iran. Sie stützt sich dabei auf ein Netzwerk von Aktivisten im Land und bestätigt gemeldete Todesfälle nach eigenen Angaben.

Die Behörden haben den Internetzugang gekappt und Auslandstelefonate in den Iran blockiert. Dadurch ist es schwierig, die Zahl der Toten von außen unabhängig zu überprüfen.

Berichten zufolge hat der Iran auch die Möglichkeiten für Journalisten eingeschränkt, vor Ort über die Folgen zu berichten. Stattdessen werden im Staatsfernsehen immer wieder Behauptungen verbreitet, die Demonstranten seien von den USA und Israel motivierte „Randalierer“. Belege für diese Darstellung werden nicht geliefert.

Womöglich höchste Opferzahl seit Jahrzehnten

Die Zahl der Todesopfer übersteigt laut Beobachtern die aller anderen Proteste und Unruhen im Iran seit Jahrzehnten. Sie weckt Erinnerungen an das Chaos der Revolution von 1979, aus der die Islamische Republik hervorging.

Obwohl es seit Tagen keine Proteste mehr gegeben hat, wächst die Sorge vor weiter steigenden Opferzahlen. Mit dem allmählichen Bekanntwerden neuer Informationen könnte die Zahl der Toten deutlich zunehmen.

Nach Angaben der Human Rights Activists News Agency wurden zudem fast 26.500 Menschen verhaftet. Äußerungen von Behördenvertretern nähren die Befürchtung, dass einigen Festgenommenen die Hinrichtung drohen könnte. Der Iran zählt zu den Ländern mit den meisten Hinrichtungen weltweit.

Weitere Quellen • AP

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