Der Rücktritt kommt plötzlich: Der Chef des Weltwirtschaftsforums, Børge Brende, zieht Konsequenzen nach einer internen Prüfung zu Kontakten mit Jeffrey Epstein. Nun sucht das WEF eine Übergangslösung – und es bleibt offen, wie es mit der Untersuchung weitergeht.
Der Chef des Weltwirtschaftsforums (WEF) ist am Donnerstag zurückgetreten. Zuvor hatte die Organisation eine interne Untersuchung zu seinen früheren Kontakten mit dem in Ungnade gefallenen Finanzier und verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein eingeleitet.
Børge Brende, Präsident und Geschäftsführer des WEF, teilte seinen Rücktritt nach mehr als acht Jahren im Amt mit. Er sagte, die Entscheidung sei "nach sorgfältiger Überlegung" gefallen.
"Ich bin dankbar für die unglaubliche Zusammenarbeit mit meinen Kollegen, Partnern und Stakeholdern. Ich glaube, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für das Forum ist, seine wichtige Arbeit ohne Ablenkungen fortzusetzen", erklärte Brende.
Untersuchung nach Veröffentlichung neuer Epstein-Akten
Das WEF hatte die Untersuchung Anfang des Monats gestartet. Auslöser war die Veröffentlichung einer großen Menge von Akten zu Epstein durch das US-Justizministerium. Das sorgte weltweit in Wirtschafts- und Politikkreisen für neue Aufmerksamkeit.
In den vergangenen Jahren tauchten zahlreiche prominente Namen in Epstein-Unterlagen auf. Dazu zählen Geschäftsleute, Politiker und auch Adelige. In vielen Fällen wiesen die Genannten öffentliches Fehlverhalten zurück.
Das WEF machte keine Angaben dazu, um welche Art von Kontakten es zwischen Brende und Epstein ging.
Führungswechsel in Davos
In einer gemeinsamen Erklärung dankten die WEF-Ko-Vorsitzenden André Hoffmann und Larry Fink Brende für seine Amtszeit.
"Wir möchten unsere aufrichtige Wertschätzung für Børge Brendes bedeutende Beiträge zum Weltwirtschaftsforum zum Ausdruck bringen. Sein Engagement und seine Führungsqualitäten waren in einer entscheidenden Phase der Reformen für die Organisation wichtig und haben zu einem erfolgreichen Jahrestreffen in Davos beigetragen. Wir respektieren seine Entscheidung, zurückzutreten", hieß es.
Alois Zwinggi soll vorerst als Interimspräsident und -geschäftsführer übernehmen. Das teilte das WEF mit. Der Vorstand werde nun den Führungswechsel organisieren.
Die Ermittlungen erschweren nach Angaben aus dem Umfeld des Forums die Nachfolgeplanung am Sitz in Genf.
Nach dem Abgang des WEF-Gründers Klaus Schwab im vergangenen Jahr wurde EZB-Präsidentin Christine Lagarde weithin als mögliche künftige Vorsitzende gehandelt.
Brende, früher norwegischer Außenminister, führt das WEF seit 2017. In dieser Zeit steuerte er die Organisation durch die Pandemie und begleitete interne Reformen der Governance.
Das Forum teilte nicht mit, ob und wann die Überprüfung von Brendes Epstein-Kontakten nach seinem Rücktritt fortgesetzt wird.
Die Nennung eines Namens in Epstein-bezogenen Akten bedeutet für sich genommen allerdings noch kein Fehlverhalten.
Neue Ermittlungen in Großbritannien
Zu beginn der Woche hatte die britische Polizei in London den früheren US-Botschafter Peter Mandelson festgenommen. Gegen ihn wird wegen des Verdachts auf Fehlverhalten im öffentlichen Dienst ermittelt. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Mandelson während der Finanzkrise vertrauliche Regierungsinformationen an Jeffrey Epstein weitergegeben haben könnte.
Zudem hat das britische Unterhaus am Dienstag einen Antrag beschlossen, der die Veröffentlichung vertraulicher Unterlagen zur Ernennung des früheren Prinzen Andrew zum Handelsbeauftragten der Regierung fordert. In einer hitzigen Parlamentsdebatte übten Abgeordnete zuvor erheblichen Druck auf die Regierung aus. Daraufhin kündigte sie an, die Dokumente freizugeben, um die Entscheidung nachvollziehbarer zu machen. Andrew, der Bruder von König Charles III., war in der vergangenen Woche festgenommen und befragt worden.