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Irland: Vom Boom-Land zum Pleitekandidaten

Irland: Vom Boom-Land zum Pleitekandidaten
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Als ersten Land ist die “grüne Insel” unter den Rettungsschirm für wackelnde Euro-Länder geschlüpft. Dabei galten die Iren doch lange als die Musterknaben in der EU. Die Beihilfen der Gemeinschaft hatten sie klug in die Modernisierung ihrer einst nur für Kartoffeln Fisch und Butter bekannten Wirtschaft gesteckt. Für Polen und anderen Neu-EU-Bürger von 2004 wurde die Insel eine Art “gelobtes Land”, wo best-bezahlte Arbeit lockte. Der Mindestlohn von 8 Euro 65 pro Stunde ist der höchste in der EU.

Erreicht wurde dieser Boom durch eine geschickte Steuerpolitik. Mit Körperschaftsssteuren von 12,5 % wurden Unternehmen angelockt, die Arbeitsplätze schufen. Und zwar so viele, dass der Staat 2009 3,9 Milliarden Euro an Steuern kassierte.

Auch in diesem Jahr mit 3,1 Milliarden Euro nicht soviel Geld hereinkommt – es entspricht immer noch 10% aller Staatseinnahmen.

So abgestürzt ist Irland wegen seiner maroden Banken. Um die 50 Milliarden Euro zahlte der Staat für deren Rettung, u.a. für die Übernahme der “Anglo-Irish-Bank”. Das hält der stärkste Staatshaushalt nicht aus!!!

Vor einem Jahr musste der Finanzminister dem Parlament eingestehen: Das Defizit beträgt 32 % des Bruttoinlandsproduktes! Ganze drei Prozent erlaubt der Euro-Vertrag!

Bei soviel Schulden geht es ans Eingemachte:

Den Staatsbediensteten werden die Gehälter um bis zu 15 % gekürzt. Eine Milliarde Euro soll das bringen. Mit Kürzungen der Arbeitslosenunterstützung sollen weitere 660 Millionen Euro eingespart werden.

Das Land, das eben noch ärmeren EU-Partnern als Paradies mit Jobs ohne Ende galt, hat plötzlich eine Arbeitslosenrate von 14 %!

Da denkt nicht nur der Bauarbeiter Gerry Kitterick ans Auswandern. Australien oder Kanada erscheinen ihm sicherer.

Sogar Hoch-Qualifizierte wie die Wissenschaftlerin

Sophie Millington-Ward studieren Job-Anzeigen.

Sie schätzt, dass auf ihrem Fachgebiet Genetik mehr als 40% der Leute zu kämpfen haben und sich nach etwas anderem umsehen.

Da werden nun wohl wieder Bilder von Familien, die die Umzugskartons packen, typisch für Irland. Auf 5.000 wird gegenwärtig die Zahl jener geschätzt, die jeden Monat auswandern. Fast wie im 19.Jahrhundert, als Iren vor dem Hunger nach Amerika flohen.