Das neue orale Abnehmmittel Orforglipron von Eli Lilly hat in Studien bis zu acht Prozent Gewichtsverlust ermöglicht und übertrifft damit bisherige Semaglutid-Tabletten.
Die Nachfrage nach Behandlungen zur Gewichtsreduktion steigt rasant. Pharmaunternehmen arbeiten daher mit Hochdruck an wirksameren und leichter zugänglichen Medikamenten.
Neben den bekannten injizierbaren GLP-1-Präparaten wie Ozempic, Wegovy und Mounjaro kommen nun auch neue Tabletten auf den Markt.
Die neue Tablette Orforglipron schnitt in einer aktuellen klinischen Studie besser ab als die bislang verfügbare orale Semaglutid-Variante.
Studienteilnehmende nahmen im Schnitt sechs bis acht Prozent ihres Körpergewichts ab; mit den derzeit erhältlichen oralen Semaglutid-Präparaten waren es vier bis fünf Prozent, berichten Forschende im Fachblatt The Lancet.
Am weitesten verbreitet bleiben jedoch die injizierbaren Mittel zur Gewichtsreduktion. Sie sind seit 2014 auf dem Markt, ihre Nutzung hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.
Um den Zugang zu erleichtern und die Anwendung bequemer zu machen, entwickeln Hersteller nun verstärkt orale Varianten in Tablettenform.
Orforglipron ist eine tägliche Tablette, die ohne Vorgaben zu Mahlzeiten oder Flüssigkeitsaufnahme eingenommen werden kann. Damit will der US-Konzern Eli Lilly dem Rivalen Novo Nordisk Konkurrenz machen, der derzeit als einziger eine zugelassene GLP-1-Tablette anbietet.
Eli Lilly hat zudem die Injektionspräparate Zepbound und Mounjaro entwickelt, die zur langfristigen Gewichtskontrolle beziehungsweise zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt werden.
Für Orforglipron liegt bislang noch keine Marktzulassung vor, das Mittel wird derzeit von der US-Arzneimittelbehörde FDA geprüft.
Nach Unternehmensangaben sollen adipöse Patientinnen und Patienten in den USA Orforglipron im Falle einer Zulassung ab 149 Dollar (125,92 Euro) für die niedrigste Dosierung erhalten können; höhere Dosierungen würden demnach bis zu 399 Dollar (337 Euro) kosten, sofern die Versicherung die Mittel nicht übernimmt.
Wie lief die klinische Studie ab?
An der Studie nahmen mehr als 1 600 Menschen aus über 130 Prüfzentren in fünf Ländern teil.
Alle Teilnehmenden litten an Typ-2-Diabetes. Sie wurden per Zufall verschiedenen Orforglipron-Dosierungen von zwölf oder 36 Milligramm beziehungsweise entsprechenden Semaglutid-Dosen zugeteilt und ein Jahr lang behandelt.
Rund 60 Prozent der Personen, die Orforglipron einnahmen, verloren mindestens fünf Prozent ihres Körpergewichts; bei Semaglutid lag der Anteil bei etwa 40 Prozent.
Etwa 28 bis 44 Prozent der Orforglipron-Gruppe nahmen zehn Prozent oder mehr ab, verglichen mit 13 bis 21 Prozent in der Semaglutid-Gruppe.
Für Menschen mit Typ-2-Diabetes kann ein Gewichtsverlust von fünf bis zehn Prozent den Zuckerstoffwechsel deutlich verbessern. Größere Reduktionen senken zudem das Risiko für Folgeerkrankungen, heißt es in der Studie.
Orforglipron senkte zudem den Blutzuckerspiegel stärker als Semaglutid.
„Je mehr wirksame orale Medikamente wir haben, um Menschen mit Typ-2-Diabetes beim Abnehmen und Halten des Gewichts zu helfen, desto besser“, sagte Naveed Sattar, Professor für kardiometabolische Medizin an der Universität Glasgow, der nicht an der Studie beteiligt war.
„Übergewicht ist der Haupttreiber von Typ-2-Diabetes und trägt außerdem zu Bluthochdruck und gestörten Blutfettwerten bei“, fügte Sattar hinzu.
Mehr Nebenwirkungen
Orforglipron brachte zwar größere Gewichtsverluste, allerdings berichteten Teilnehmende auch von stärkeren Nebenwirkungen.
Rund neun bis zehn Prozent mussten die Behandlung wegen Magen-Darm-Beschwerden abbrechen; in der Semaglutid-Gruppe waren es etwa fünf Prozent.
Die an der Studie nicht beteiligte Marie Spreckley, Ärztin und Gewichtsmanagement-Forscherin an der Universität Cambridge, warnte, diese Nebenwirkungen könnten die Akzeptanz der Tablette im Praxisalltag außerhalb von Studien einschränken.
„Die Studie lief über ein Jahr und konzentrierte sich auf Blutzucker- und Gewichtsveränderungen. Langfristige Sicherheit, Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und die anhaltende Wirksamkeit bleiben daher wichtige offene Fragen“, betonte Spreckley.