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"WLTP" - Neuwagen ade? Autohersteller bangen um die Sportlichen

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"WLTP" - Neuwagen ade? Autohersteller bangen um die Sportlichen

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Liebhabern schneller Schlitten haben die neuen EU-Abgastests gründlich die Sauselaune verdorben. Denn: Seit September gilt in Europa ein neues Messverfahren, das den alten NEFZ-Test, mit dem bisher die Normverbräuche und Emissionen gemessen wurden, ablöst: die sogenannte Worldwide Harmonised Light-Duty Vehicles Test Procedure, kurz WLTP.

Konkret bedeutet das: Hochkarätige Neuwagen sind raus. Mehrere große Autohersteller in Europa haben ihr Angebot abgespeckt und die leistungsstärksten Modelle aus dem Katalog genommen.

Welche Marken sind betroffen?

Porsche hatte bereits vorausschauend beschlossen, die Bestellungen für den größten Teil des Sortiments auszusetzen. In einer Erklärung auf der Website des Unternehmens heißt es, eine Reihe von Modellen sei nicht "als neue konfigurierbare Fahrzeuge verfügbar", nur Fahrzeuge aus dem Lagerbestand stünden zum Verkauf. Auch viele Sportwagenfans hatten vorausgeplant. Im August 2018 stieg der Porsche-Verkauf beispielsweise in Frankreich aufgrund der WLTP-Umstellung um 321%.

Volkswagen, ohnehin vom "Dieselgate" krisengeschüttelt, ist vom neuen Testzyklus besonders stark betroffen und bei der WLTP-Zertifizierung ins Hintertreffen geraten. Laut Medienberichten hat das Unternehmen eine Milliarde Euro ausgegeben, um die Tests für die Zulassung neuer Produkte durchzuführen. Auch hier fliegen Sportmodelle wie Golf GTI, Audi RS3 und SQ5 erstmal aus dem Angebot.

Peugeot gab den "vorübergehenden" Produktionsstopp der Modelle 208 und 308 GTI bekannt. Der 308 werde im Oktober - nachdem Anpassungen, um den neuen Richtlinien zu entsprechen - in den Katalog zurückkehren. Auch andere Wagen der Gruppe PSA wie der DS3 von Citroën und der Opel Corsa OPA sind fürs erste nicht bestellbar.

Renault stoppte die Produktion seines Clio 4 RS-Modells. Der finanzielle Aufwand für die Umstellung sei zu groß für ein Modell, das ohnehin in den kommenden Monaten auslaufen werde. Der Website "Caridisiac" zufolge könnte Renault sogar die Produktion neuer Sportwagen der Clio-Linie ganz einstellen.

Was ist neu beim WLTP-Verfahren?

Die neuen EU-weit einheitlichen Untersuchungen sind gründlicher und länger als im bisherigen Verfahren NEFZ. Der WLTP-Test unterscheidet sich in vielen Punkten von seinem Vorgänger. So dauert der Labortest zehn Minuten länger und kommt nur noch auf 13 Prozent Stillzeit. Die gesamte Zykluslänge simuliert mit 23,25 Kilometern eine mehr als doppelt so lange Strecke wie der NEFZ.

Die Maximalgeschwindigkeit liegt bei 131 statt bisher 120 Kilometern pro Stunde. Der NEFZ wurde seit Anfang der 1990er Jahre angewandt.