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Lira schwächelt chronisch: Türkische Wirtschaft fürchtet harte Landung

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Lira schwächelt chronisch: Türkische Wirtschaft fürchtet harte Landung

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In der Türkei haben die monatelangen Währungsturbulenzen das Wistschaftswachstum erwischt. 7,4 Prozent wie im Jahr 2017 - aus der Traum. Finanzminister Berat Albayrak kalkuliert für das laufende Jahr nur noch mit 3,8 Prozent und 2019 kommt das dicke Ende: nur noch 2,3 Prozent - der geringste Wert seit 2010.

Die neue 2018er Prognose liegt nicht nur deutlich unter der bisherigen Zielmarke der Regierung (5,5 Prozent), sondern auch erheblich unter der zuletzt für das zweite Quartal veröffentlichten Wachstumsrate von 5,2 Prozent. Das könnte bedeuten, dass der türkischen Wirtschaft im dritten Quartal eine harte Landung bevorsteht. Dem wolle man mit einem Wirtschaftsprogramm beikommen, so der Finanzminister.

Die türkische Währung hat binnen eines Jahres mehr als 40 Prozent ihres Wertes im Verhältnis zu Euro und Dollar verloren.

Als Hauptauslöser für die Lirakrise gelten die hohe Inflation (Juli 2018: 15,85%, Ziel 2018 20,8 %) und ein chronisch hohes Leistungsbilanzdefizit (seit mindestens einem Jahrzehnt) – unerlässliche Importgüter werden so unerschwinglich. Dazu kommt ein politischer Streit mit den USA mit gegenseitigen Sanktionen.

Vergangene Woche hatte die türkische Zentralbank den Leitzins überraschend stark um 6,25 Punkte auf 24 Prozent angehoben, um die Währung zu stützen. Der Kurs erholte sich danach leicht, hat aber inzwischen wieder nachgegeben. Präsident Recep Tayyip Erdogan, ein Gegner hoher Zinsen, hatte die Entscheidung der Zentralbank scharf kritisiert. Die türkische Führung bemüht sich derzeit, Investitionen aus dem Ausland ins Land zu holen, um die Lira zu stützen. So senkte Erdogan die finanziellen Hürden, die für den Erwerb der türkischen Staatsbürgerschaft nötig sind - demnach hat unter anderem ein Ausländer, der eine Immobilie im Wert von mindestens 250.000 Dollar für mindestens drei Jahre besitzt, nun Anspruch auf einen türkischen Pass. In jüngster Vergangenheit war deutlich weniger neues ausländisches Geld in die Türkei geflossen als vor dem Putschversuch vor gut zwei Jahren.

su mit dpa, Reuters