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Deutsche "Allianz der Stahlländer" soll rasenden Wandel abfedern

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Deutsche "Allianz der Stahlländer" soll rasenden Wandel abfedern

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Um einen "starken Stahlstandort" in Deutschland und Europa zu erhalten, (saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD), bündeln sechs deutsche Bundesländer und Stadtstaaten (Saarland, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Niedersachsen und die Stadtstaaten Bremen und Hamburg) ihre Kräfte in einer "Allianz der Stahlländer" und unterzeichneten eine Charta.

Unter dem Motto «Stahl stärken. Zukunft sichern» hatte die Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz zusammen mit der Wirtschaftsvereinigung Stahl, der IG Metall und dem Verband der Saarhütten zum "1. Nationalen Stahlgipfel" eingeladen, rund 2.500 Vertreter der Branche kamen.

Fast alle Vorstandschefs waren persönlich da, von Salzgitter-Chef Jörg Fuhrmann über Georgsmarienhütte-Geschäftsführer Frank Koch bis zu Arcelor-Mittal-Deutschlandchef Frank Schulz. Allein Andreas Goss von Thyssen-Krupp Steel ließ sich vertreten – dafür kam der restliche Vorstand.

Laut IG Metall-Vorsitzendem Jörg Hofmann verändert sich die Branche mit 85.000 (1985: 300.000) Beschäftigten weiter dramatisch. Auf der Welt wird viel mehr Stahl produziert als benötigt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt die Überkapazitäten auf mehr als 500 Millionen Tonnen – das wäre knapp ein Drittel der Weltproduktion.

GLOBALE ÜBERPRODUKTION

Stammte 1970 noch rund ein Drittel des weltweit produzierten Rohstahls aus den Ländern der heutigen EU, ist es heute nicht mal mehr ein Zehntel. In China ist im selben Zeitraum die Stahlproduktion regelrecht explodiert – von 3 auf rund 50 Prozent. China produziert rund doppelt so viel Stahl, wie es selbst benötigt. Die Überschüsse aus China haben ein Volumen erreicht, das doppelt so groß ist wie die europäische Stahlproduktion insgesamt.

Andere Länder bieten den Stahl zu weitaus günstigeren Preisen an als europäische Hersteller. Das liegt nach Branchenmeinung laut Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, in erster Linie an unfairen Subventionen. Aber auch der Handel mit CO2-Zertifikaten bedeute für europäische Produzenten einen Wettbewerbsnachteil.

US-STRAFZÖLLE

Und die amerikanischen Strafzölle? Lenken vor allem die Exporte um, besonders nach Europa. Russland, die Türkei und die Ukraine steigerten 2018 als größte Stahllieferanten der EU ihre Mengen bis August um bis zu 50 Prozent (Vorjahresvergleich).

Zum Schutz der heimischen Produzenten hatte die EU-Kommission vorläufig die Importmengen einzelner Länder auf den Durchschnitt der vergangenen drei Jahre begrenzt. Damit sollte Stahl, der ursprünglich für den US-Markt bestimmt war, vom europäischen Markt ferngehalten werden. Nach Angaben der WV Stahl sind die Importe in die EU infolge der US-Zölle um zehn Prozent gestiegen.

In diesem turbulenten Umfeld wollen die deutschen Stahlländer vor allem „faire“ Bedingungen für den EU-Emissionshandel und in Innovation und Forschung. Zudem erwartet die Allianz mehr EU-Fördergelder für die Entwicklung klimaschonender Produktionstechnologien in der Stahlindustrie.

Die Länder würden künftig EU-Kommission und Bundesregierung auf verbotene Handelspraktiken aufmerksam machen und sich für eine verstärkte kostenfreie Zuteilung von CO2-Zertifikaten einsetzen sowie für Fördergelder und die Qualifizierung der Mitarbeiter. Auch eine Kompensation der „emissionshandelbedingten Strompreissteigerung“ soll es für die Stahlhersteller geben.

In der Charta wird unter anderem darauf verwiesen, dass der Werkstoff Stahl für eine emissionsärmere Welt unverzichtbar sei.

Sigrid Ulrich