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Start-Ups: Berlin setzt auf den Brexit

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Start-Ups: Berlin setzt auf den Brexit

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Nach dem Brexit-Referendum im Juni 2016 startete Berlin eine Kampagne, um Start-ups und Technologieunternehmen vom Londoner "Silicon-roundabout" in die Berliner "Silicon Alley" zu locken.

Oliver Aust ist anglophiler Managing Directorvon EO IPSO communications; er war gern in London, ist aber trotzdem nach Berlin gekommen.

"Ich habe es geliebt, in London zu leben, aber leider konnte man seit ein paar Jahren spüren, dass sich die Atmosphäre verändert hat. Es gab mehr Nabelschau, die Schuld an den Problemen, die nichts mit Europa zu tun hatten, wurde Europa zugeschoben. Insgesamt wurde die ganze Atmosphäre etwas feindseliger, was wirklich traurig ist und mir als großem Anglophilen das Herz bricht."

Auch Konstanty Sliwowski hat den Ruf gehört. Seine auf Technologie spezialisierte Personalvermittlung saß in London. Seine Erfahrung: Einsteiger in die Technologie und Start-up Szene vermeiden London als Standort, Berlin, Barcelona oder Amsterdam sind angesagt.

Konstanty Sliwowski, Geschäftsführer Caissa Global, Recruiter

"Seit der Brexit-Entscheidung sehen wir immer mehr Leute, die nicht mehr nach London wollen. London ist komplett hinten runter gefallen."

Berlin ist Deutschlands Hochburg mit rund 17 Prozent aller Startups im Land. Rund 30 Prozent der Gründer kommen aus dem Ausland. Ein weiterer Neuzugang in Berlin ist Fatmap. Aber nicht wegen des Brexit, sondern weil man erkannte, dass viele der gesuchten Fachleute in Berlin zu finden waren.

Allerdings war der Effekt für Berlin nicht wie erwartet. Artur Fischer, CEO der Börse Berlin beobachtet die Entwicklung sehr genau.

"Es stimmt, dass Berlin eine große Werbekampagne gemacht hat, um Start-ups für den Umzug nach Berlin zu begeistern. Aber es ist nicht passiert"

Start-Ups funktionieren nach anderen Kriterien als Grossunternehmen, die Zugehörigkeit zur EU spielt eine untergeordnete Rolle.

Misha Gopaul, Gründer von Fatmap,

"Startups sind Schnellboote, keine Tanker. Das Problem, das die meisten Start-ups, wir auch - lösen müssen, dafür ist der Brexit nicht relevant. Wir gehen dorthin, wo die Talente sind, das heißt, wir gehen überall hin."

Zwei Jahre später ist trotz der Kampagne die von der Stadt erhoffte Flut ausgeblieben, es ist eher ein Start-up Rinnsal. Aber das könnte sich schnell ändern, wenn die Auswirkungen des Brexit klarwerden. Vielleicht wird aus dem Rinnsal dann doch die Flut, auf die Berlin gehofft hatte.