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Bildung in Notsituationen: eine Zukunft für Flüchtlingskinder

Bildung in Notsituationen: eine Zukunft für Flüchtlingskinder
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Mauretanien ist eines der Hauptaufnahmeländer für Flüchtlinge aus Mali. Fast 60 Prozent sind minderjährig. Wie kann man sie vor Zwangsheirat und Kinderarbeit schützen? Der Konflikt in Nord- und Zentralmali verschärft sich, islamistischer Extremismus, Gewalt zwischen Ethnien und Banditentum nehmen zu. Seit 2012 sind über 135.000 Menschen in die Nachbarländer geflohen.

In Mauretanien sind fast 55.000 malische Flüchtlinge gestrandet, mehr als die Hälfte davon sind Kinder. Nur Niger hat mehr Flüchtlinge als Mauretanien aufgenommen.

Von oben gesehen ist Mbera ein Meer aus Zelten und Sand. 60 Kilometer von der Grenze entfernt haben hier im einzigen mauretanischen Lager für malische Flüchtlinge 55.000 Menschen Zuflucht gefunden. Der Zustrom von Neuankömmlingen reißt nicht ab. Fast zwei Drittel der Menschen im Lager sind Kinder. Für sie ist der Schulbesuch genauso wichtig wie Essen und Gesundheit:

"Ich bin glücklich, weil mir Bildung viel bedeutet. Es lässt mich die Welt anders sehen", sagt das malische Flüchtlingsmädchen Sadio. "Ich wurde mit 15 Jahren zwangsverheiratet. Die Ehe scheiterte daran, dass ich eine sehr schwierige Schwangerschaft hatte. Nachdem ich das überlebt hatte, schickten mich meine Eltern nach Mauretanien."

An diesen Pulten zu sitzen und etwas zu lernen, ist eine große Leistung für Schüler wie Sadio. Die Mädchen im Lager flohen vor Zwangsheirat, die Jungen vor Kinderarbeit. Viele sind traumatisiert.

Die jetzt 17-Jährige ist Mutter eines zweijährigen Mädchens. Dank der Bemühungen von Rougui Deme, einer Sozialarbeiterin einer lokalen von UNICEF finanzierten NGO geht sie im Rahmen eines von der Humanitären Hilfe der EU finanzierten Projekts zur Schule: "Ich fragte sie, bist du zur Schule gegangen, sie sagte ja, vorher. Ich fragte sie, bist du verheiratet. Geschieden, antwortete sie, Ich fragte, willst du wieder zur Schule gehen. Sie sagte ja. Ein Kind, das ein Kind hat, ist selbst ein verletzliches Kind."

Bildung für eine bessere Zukunft

Von den insgesamt 31.000 Kindern sind 20.000 im Schulalter. Es gibt acht Grundschulen. Die große Anzahl von Kindern ist eine Herausforderung für UNICEF und UNHCR, da es keine Klassenzimmer und Lehrer gibt. Trotzdem werden über 5.000 Schüler unterrichtet.

"Meine Eltern sind nicht zur Schule gegangen, ich gehe zur Schule, um etwas zu erreichen", sagt ein Mädchen.

Und Cheikou Wane von UNICEF sagt: "In diesem Lager kommen seit 2012 Kinder an. Sie sind traumatisiert von dem, was sie in Nord-Mali erlebt haben. Wir unterstützen die Kinder entweder dabei, sich wieder ins Schulleben zu integrieren, oder wenn sie zu alt dafür sind, in Alphabetisierungs- oder Ausbildungszentren zu gehen."

Euronews-Reporterin Monica Pinna: "In den ersten Monaten dieses Schuljahres waren über 4.600 Schüler in der Grundschule eingeschrieben. In der Sekundarschule sind die Zahlen niedriger - mit etwas mehr als 300 eingeschriebenen Schülern. Die Herausforderung hier in Mbera besteht darin, die Kinder bis zur Oberstufe im Unterricht zu halten. Im vergangenen Jahr haben etwa 50 Schüler ihren Abschluss gemacht."

EU-Notfallhilfe stockt Mittel für Bildung auf

Die EU stellt sich dieser Herausforderung, baut beispielsweise neue Schulen: In Kürze wird es ein neues Gymnasium in Mbera geben. Bildung ist eine Möglichkeit, in die Zukunft der Flüchtlingskinder zu investieren.

"Bildung ist einer der am stärksten unterfinanzierten Bereiche der humanitären Hilfe. Zuerst kommen Lebensmittel, Unterkünfte, Gesundheit, Wasser - nur etwa 3 Prozent der weltweiten Gelder gehen in den Bildungsbereich. Aus diesem Grund hat die EU beschlossen, diesen Sektor zu unterstützen. Und wir haben es geschafft, den Anteil der Mittel, den wir für Bildung bereitstellen, von 1 auf 10 Prozent unseres humanitären Haushalts zu erhöhen", so Isabel Coello, humanitäre Hilfe der EU.

Bildung in humanitären Notfällen vermittelt Kindern ein Gefühl der Normalität und Lebenskompetenz, das entscheidend für ihre Zukunft ist.

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