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Zwei Präsidenten, zwei Botschafter: Dieser Mann vertritt Guaidós Venezuela aus einem Coworking Space

Zwei Präsidenten, zwei Botschafter: Dieser Mann vertritt Guaidós Venezuela aus einem Coworking Space
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Antonio Ecarri
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Venezuela steckt in vielerlei Hinsicht in einem Dilemma. Es gibt zwei Präsidenten, Nicolás Maduro und Juan Guaidó, die beide behaupten, der andere sein nicht rechtmäßig im Amt. Das brachte viele Staaten weltweit dazu, Partei zu ergreifen: Während einige sich für Maduro ausgesprochen haben, schlugen sich die USA und mehr als 40 Länder weltweit auf die Seite von Guaidó – darunter auch Spanien.

Dort hat diese Zweiteilung nun zu einer ungewöhnlichen Situation geführt. Venezuela hat in der Hauptstadt nicht mehr nur einen Botschafter. Inoffiziell gibt es nun zwei: einen für Maduro und einen anderen für Guaidó.

Antonio Ecarri ist kürzlich in Madrid angekommen und arbeitet jetzt als politischer Vertreter für den Interimspräsidenten Venezuelas. Da die Büros in der venezolanischen Botschaft in Madrid belegt sind, muss er aktuell mit einem Coworking Space vorliebnehmen.

Die spanischen Behörden haben ihm am Freitag eine befristete Zulassung als legitimer Vertreter Venezuelas erteilt, allerdings noch ohne den Status eines Botschafters.

Derzeitiger Hausherr in der Botschaft ist Mario Isea Bohórquez, der im November 2013 von der Regierung von Hugo Chávez ernannt wurde. Ecarri hat nach eigenen Angaben keine Pläne, sich mit ihm zu treffen.

"Das ist aus diplomatischer Sicht eine etwas ungewöhnliche Situation", sagt er in einem Interview mit Euronews. Der Konflikt zwischen den beiden Präsidenten habe sich zwangsläufig auf die Diplomatie ausgewirkt.

Ecarri sagt, er verstehe die Position der spanischen Regierung, ihn nicht als offiziellen Botschafter Venezuelas anzuerkennen. Man befinde sich in einer besonderen Situation. "Sie müssen ihre Botschaft in Caracas halten", erklärt er. „Um das Problem zu lösen, müssen wir die Usurpation beenden.“

Geheime Reisen, kein eigenes Büro, kein Gehalt

Ecarri ist Anwalt und Vizepräsident der oppositionellen Fraktion in Venezuela. Er musste Caracas heimlich verlassen, bevor bekannt wurde, dass die Nationalversammlung ihn zum Botschafter in Spanien ernannt hat – aus Angst, dass Maduro ihn daran hindern würde, zu gehen. "Oder schlimmer noch, mich ins Gefängnis zu stecken", sagt er.

"Deshalb musste ich mich, sobald ich hier angekommen bin, unauffällig verhalten, um den normalen diplomatischen Prozess nicht zu stören", sagt er. Es sei nötig gewesen, dass die Behörden des Gastlandes den Botschafter vor seiner Ankunft genehmigen.

Antonio Ecarri

Guaidó hat eigentlich kein Haushaltsbudget, um ihn zu bezahlen. Ecarri muss deshalb, wie alle Botschafter Guaidós, von seinen Ersparnissen leben. Das Büro, in dem er arbeitet, hat er von den Besitzern kostenlos bekommen. Sie seien Venezolaner und tun das aus „Solidarität mit unserer Regierung", sagt er.

Obwohl er konsularische Aufgaben wie die Erneuerung von Pässen nicht offiziell wahrnehmen kann, hat er diese Woche begonnen, seinen Terminplan zu füllen. "Sie laden uns zu wichtigen Veranstaltungen ein, die hier stattfinden", sagt er.

Eines seiner ersten Ziele sei, einen Solidaritätsfonds für die 9.000 venezolanischen Rentner zu schaffen, die seit drei Jahren keine Rente mehr ausgezahlt bekamen. Außerdem möchte er Konten der Regierung Maduros in Spanien einfrieren lassen, weil er befürchtet, dass sie "in Steueroasen landen werden".

Mit fast 96.000 leben so viele Venezolaner in Spanien wie sonst in keinem anderen Land Europas.