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Bluttat in Christchurch: Polizei nennt neue Details

Bluttat in Christchurch: Polizei nennt neue Details
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Nach dem Anschlag in Christchurch laufen die Ermittlungen auch in der Nacht auf Hochtouren. Auf einer Pressekonferenz gab die Polizei neue Details bekannt.

"Bisher wurde ein Mann Ende 20 wegen Mordes angeklagt. Er muss morgen früh vor Gericht in Christchurch erscheinen", erklärte Polizeichef Mike Bush. "Drei weitere Personen wurden festgenommen. Wir glauben aber, dass eine dieser Personen, die bewaffnet und am Tatort war, vielleicht nichts mit dem Vorfall zu tun hat. Auch die beiden anderen Festgenommenen trugen Schusswaffen bei sich. Wir versuchen herauszufinden, ob und inwiefern sie in die Tat verwickelt sind.“

Zusammenarbeit mit den australischen Behörden

Auf die Frage, warum keiner der Verdächtigen als rechtsextremer Gefährder gelistet war, sagte der Polizeichef: "Keine Behörde hatte Informationen über diese Leute. Ich stehe auch mit meinen australischen Kollegen in Kontakt – ihnen liegen ebenfalls keinerlei Informationen vor. Sie unterstützen uns bei den Ermittlungen. Ich versichere Ihnen, dass wir einen Teil unserer Untersuchung darauf konzentrieren werden, auf unsere Arbeit zurückzublicken und sicherzustellen, dass wir bei den Themen Strafverfolgung und Sicherheit keine Gelegenheit verpasst haben, diesen schrecklichen Angriff zu verhindern."

Bei dem mutmaßlichen Terrorangriff auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt wurden laut den Ermittlern mindestens 49 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt.

Mehrere Sprengsätze gefunden

Ein Polizeisprecher bestätigte außerdem, dass Einsatzkräfte mehrere Sprengsätze an Fahrzeugen entschärft haben. In sozialen Netzwerken kursierten Videoaufnahmen, die offenbar von einem der Täter aufgenommen wurden. Sie zeigen, wie ein Mann eine Moschee betritt und anfängt, um sich zu schießen.

Der genaue Ablauf der Attacke war auch nach Stunden noch unklar. Für den Pazifikstaat ist es eine der schlimmsten Gewalttaten der jüngeren Geschichte. Aus Sorge vor weiteren Angriffen riegelte die Polizei Schulen und andere öffentliche Gebäude stundenlang ab. An die Bevölkerung - insbesondere an Muslime - appellierte sie, zuhause zu bleiben: "Unter keinen Umständen sollte irgendjemand im Land jetzt zu einer Moschee gehen."

Angriff zur Mittagsstunde

Nach Augenzeugenberichten begann der Angriff gegen 13.45 Uhr Ortszeit. Ein bewaffneter Mann drang in eine Moschee in der Innenstadt ein, wo sich zur Mittagsstunde mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten, und schoss mit einer Schnellfeuerwaffe um sich. Zeugen zufolge handelt es sich bei dem Täter um einen weißen Mann, der Helm und kugelsichere Weste trug.

Später fielen auch noch in einer anderen Moschee Schüsse. Einer der überlebenden Gläubigen, Mohan Ibrahim, berichtete der Zeitung "New Zealand Herald" von einem "Schockmoment". "Dann haben alle Leute angefangen davonzulaufen." Ein anderer Zeuge, Ahmad Al-Mahmoud, sagte: "Es fielen mindestens 50 Schüsse, sehr schnell hintereinander. Können auch Hunderte gewesen sein."

Muslime kleine Minderheit in Neuseeland

In Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Insgesamt gibt es dort etwa 50 000 Muslime, viele davon Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch. Größte Religionsgruppe in Neuseeland ist das Christentum.

Die Stadt Christchurch hat 350 000 Einwohner und liegt auf der Südinsel des Pazifikstaats. Bürgermeisterin Lianne Dalziel sagte: "Alle sind geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren kann."