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Die Kraft der Ozeane: Strom aus dem Meer

Die Kraft der Ozeane: Strom aus dem Meer
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Die Kraft der Ozeane – vom Mond aufgetürmte Gezeiten, vom Wind getriebene Wellen – die Meere stecken voller Energie, den die Menschen als sauberen Strom dort nutzen wollen, wo Alternativen zu fossilen Brennstoffen Mangelware sind.

100 Gigawatt aus dem Meer

Neue Technologien werden Energie aus dem Meer in wenigen Jahrzehnten zu einer normalen Stromquelle machen: Die Industrie will in Europa bis 2050 100 Gigawatt produzieren können, was Strom für 76 Millionen Haushalte bedeutet – geschätzte 10% des gesamten Stromverbrauchs werden aus dem Meer kommen.

Strom wird auf der Insel Ushant für seine 842 Einwohner mit Dieselgeneratoren erzeugt, das Festland mit seinem Energienetzen ist gute 30 Kilometer entfernt – zu weit für eine Anbindung. Aber auf der Insel plant man die Energieautarkie - in 10 Jahren will man sich mit erneuerbaren Energien selbst versorgen.

Denis Palluel ist Bürgermeister auf Ushant:

"Wir haben alles, was wir zur Energieerzeugung brauchen. Wir haben Sonne, sehr oft Wind - und wir haben Meeresströmungen."

Bei Ushant findet sich in der Fromveur Passage eine der stärksten Gezeitenströmungen Frankreichs. Ein französisches Unternehmen hat hier 55 Meter unter der Wasseroberfläche ein D10 genanntes System installiert, das die Gezeitenströme in Strom umwandelt und per Unterwasserkabel an Land liefert.

Jean-François Daviau, Präsident, Sabella

"Es ist eine Art Unterwasser-Windturbine - wir nutzen die hydrokinetische Energie, die Geschwindigkeit des Wassers. Bei steigenden und fallenden Gezeiten dreht sich der Rotor, der einen Generator antreibt."

Seit Oktober 2018 ist D10 im Wasser, die Turbine ist so hoch wie ein fünfstöckiges Gebäude. Im Meer muss sie extremen Bedingungen standhalten, hohe Wartungskosten würden die Stromproduktion unrentabel machen. Ein zweijähriger Test soll die Robustheit der Konstruktion belegen. Werden die Anlagen betriebstauglich, sinkt auch der Strompreis.

Jean-François Daviau, Präsident, Sabella

"Die Gezeitenturbinen sind marktreif, sobald wir zeigen können, dass die Maschinen extrem zuverlässig sind. Es wäre unwirtschaftlich, wenn wir sie alle paar Jahre herausholen müssten".

Einen ganzen Turbinenpark will die französische Firma den kommenden Jahren installieren, das geschätzte Energiepotenzial liegt allein in Ushant bei 500 Megawatt - weit mehr als die Insel braucht. Per Kabel könnte der Überschuss an den Kontinent geliefert werden – und dort die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen weiter reduzieren.

Europa ist Technologieführer

Viele Prototypen werden im European Marine Energy Centre in Nordschottland getestet, zum Beispiel eine schwimmende Plattform, ein spanisches Projekt, dass von der EU finanziert wird. Die Turbinen hängen unter dem Rumpf, um die Wartung auch in rauen Gewässern wie den Orkney-Inseln einfach zu machen.

Lisa MacKenzie, EMEC Communications Manager

"Wir haben hier 18 Meter Wellen, also wirklich groß, und Strömungen von über 4 Metern pro Sekunde. Da strömen rund eine halbe Milliarde Tonnen Wasser pro Stunde. Es ist sehr rau hier, wenn also etwas hier funktioniert, sollte es überall auf der Welt funktionieren."

Europa gilt als weltweit als technologisch führend, das Marktvolumen wird auf 53 Milliarden Euro bis 2050 geschätzt. 400 000 Arbeitsplätze könnten entstehen – und dabei gerade Küstenregionen stärken.

Neil Kermode, EMEC Managing Director

"Was die Patente angeht, liegt Europa weit vorn – vielleicht, weil verschiedene Länder ihre Stärken ausspielen, und alle sehen Chancen in dieser Technologie"

Über 300 Millionen Euro hat die Europäische Kommission in den letzten 10 Jahren in diese Technologie investiert - jetzt braucht es Investoren, die in den Markt gehen.

Neil Kermode, EMEC Managing Director

"Die EU hat die Bedeutung der Branche verstanden. Diese Technologien brauchen Zeit, aber jetzt beginnen sie tatsächlich, Energie zu liefern.... Wir haben viel Unterstützung, und die darf jetzt nicht nachlassen. Wir dürfen jetzt nicht aufgeben.