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Angemessen? Tagebuch eines Holocaust-Opfers auf Instagram

Angemessen? Tagebuch eines Holocaust-Opfers auf Instagram
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Es ist eine neue Form des Gedenkens an den Holocaust in Israel: Eine Instagram-Story erzählt die Geschichte eines 13-jährigen Mädchens aus Ungarn, das 1944 im deutschen Vernichtungslager Auschwitz ermordet worden war. "Evas Story" erscheint seit Mittwoch im stündlichen Takt in kurzen Videos in englischer Sprache auf Instagram. Zum Holocaust-Gedenktag in Israel am Donnerstag soll dies an das Leben von Eva Heyman erinnern - und an die rund sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden. Das ungewöhnliche Projekt stößt auf weltweites Interesse. Am Donnerstag hatte der Account schon mehr als 900 000 Follower.

Die Story wird chronologisch anhand von Evas Tagebucheinträgen erzählt. Eva Heyman war 13 Jahre alt, als sie begann, ihr Tagebuch zu führen - schrieb dieses aber nur einige Monate bis zu ihrer Deportation im Mai 1944 nach Auschwitz, wo sie im Oktober ermordet wurde.

"Was, wenn ein Mädchen im Holocaust Instagram gehabt hätte?"

Die Instagram-Story zeigt den Weg vom glücklichen Leben eines Teenagers mit ihren Freundinnen und ihrer ersten Liebe, bis hin zur Konfrontation mit gesellschaftlichem Antisemitismus, ersten Deportationen von Freunden und Verwandten in Ghettos. In der letzten Instagram-Story ist zu sehen, wie sie nach Auschwitz deportiert wird. Der Eintrag wurde um 10 Uhr morgens israelischer Zeit gepostet - dem Zeitpunkt, an dem das Land für zwei Minuten innehält und die Sirenen des Holocaust gedenken.

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Eva.Stories Official Trailer

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Das Mädchen wird von der Schauspielerin Mia Quiney dargestellt. Initiator und Regisseur ist der israelische Geschäftsmann Matti Kochavi, der nach Medienberichten mehrere Millionen Schekel investiert hat. An der Einfahrt nach Tel Aviv werben riesige Plakate für das Projekt. Die verschiedenen Videos wurden unter anderem im ukrainischen Lwiw aufgenommen. Für die Story wurde etwa eine Szene mit der Ankunft von mehr als 40 deutschen Panzern gefilmt, die Eva in ihrer Heimatstadt miterlebt hatte.

REUTERS/Amir Cohen

Ziel des Projekts ist es, auch jüngeren Menschen einen besseren Zugang zur Geschichte des Holocaust zu verschaffen. Eine junge Israelin sagte dem israelischen Fernsehen nach dem Start des Projekts, die Storys hätten sie persönlich berührt. "Ich habe das Gefühl bekommen, als sei Eva meine Freundin."

Lob von Netanjahu

"Im digitalen Zeitalter, in dem die Aufmerksamkeitsspanne kurz und das Bedürfnis nach Nervenkitzel hoch ist, ist es extrem wichtig, neue Modelle der Zeugenaussagen und Erinnerung zu finden - auch angesichts der sinkenden Zahl von Holocaust-Überlebenden", sagte Kochavi. In sozialen Medien sind die Reaktionen aber gemischt. Neben Lob gibt es auch Kritik, die Webserie behandele das Thema Holocaust zu oberflächlich.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu unterstützte das Projekt: "In Erinnerung daran, was wir im Holocaust verloren haben und was uns durch die Gründung des Staates Israel zurückgegeben wurde."

Und auch nach Meinung der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ist die Nutzung sozialer Medien für das Holocaust-Gedenken "legitim und effektiv".

Noch mehr Infos: Unsere englischsprachigen Kolleginnen von "The Cube" stellen das Instagram-Projekt vor.

Hier können Sie den "Marsch der Lebenden" vom Konzentrationslager Auschwitz ins Vernichtungslager Birkenau verfolgen: