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London: Siamesische Zwillinge erfolgreich getrennt

Zwillingsmädchen Safa und Marwa: Am Kopf zusammengewachsen
Zwillingsmädchen Safa und Marwa: Am Kopf zusammengewachsen -
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Copyright: Great Ormond Street Hospital
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In London sind siamesische Zwillinge erfolgreich getrennt worden. Die beiden Mädchen waren im Januar 2017 per Kaiserschnitt im Nordwesten Pakistans auf die Welt gekommen. Sie waren am Kopf miteinander verwachsen (Kraniopagus), ein sehr seltener Fall.

Zwar hatten Ultraschall-Untersuchungen während der Schwangerschaft gezeigt, dass die Zwillinge miteinander verwachsen waren, allerdings war bis zu ihrer Geburt unklar, dass diese Verwachsung die Kopfregion betraf.

Trennung der Zwillingsmädchen: Schwieriges Unterfangen

Die Scans der Mädchen Safa und Marwa zeigten, dass jede ihr eigenes Gehirn besaß, ihre Schädel aber verformt waren und beide einige Blutgefäße miteinander teilten.

Die Ärzte des Great Ormond Street Hospital in London wandelten die Scans in 3D-Bilder um und nutzten Virtual Reality, um die Anatomie des Kopfes exakt darzustellen. Sie bastelten Modelle der Mädchen mit einem 3D-Drucker. Das Londoner Kinderkrankenhaus gilt als führend auf diesem Gebiet und hatte schon zweimal zuvor erfolgreich siamesische Zwillinge getrennt.

Monatelange präzise Planung folgte – unter Einbeziehung von Experten für Gesichtschirurgie, Neurologen und Psychologen, Krankenschwestern, Radiologen und Physiotherapeuten. Die erste Operation der Mädchen erfolgte im Oktober 2018, als sie gerade 19 Monate alt waren. Die Arterien eines jeden Zwillings wurden abgedichtet und getrennt.

Einen Monat später trennten die Ärzte die gemeinsamen Venen – ein schwieriges Unterfangen, das mit zahlreichen Komplikationen verbunden war. Eines der Mädchen erlitt einen Schlaganfall, doch überlebte. Die vorerst letzte Operation erfolgte im vergangenen Februar.

Nachdem die Mädchen schon Wochen zuvor Gewebe-Expander, die das Gewebe ausdehnen sollten, eingesetzt bekommen hatten, ging es an die eigentliche Trennung. Die Chirurgen mussten die Schädeldecke mit Teilen ihres gemeinsamen Schädels konstruieren und mit der erweiterten Hautschicht bedecken.

Siamesische Zwillinge: Eine Seltenheit

Für die Trennung der Zwillinge waren vier Operationen nötig, die insgesamt 55 Stunden dauerten. Das Team, das an dem Einsatz beteiligt war, bestand aus 100 Menschen. Alles wurde durch einen privaten Spender finanziert, der anonym bleiben möchte.

Statistisch gesehen bekommt nur eine von 2,5 Millionen Frauen siamesische Zwillinge – und nur fünf Prozent von ihnen sind am Kopf zusammengewachsen, so der britische National Health Service (NHS). Das Risiko von Totgeburten ist mit rund 40 Prozent sehr hoch, zahlreiche siamesische Zwillinge sterben auch während der Geburt. Doch selbst bei siamesischen Zwillingen, die lebend zur Welt kommen, überleben nur 22 Prozent das erste Lebensjahr. Die frühe Kindheit überlebt nur eines von 10 Millionen dieser Zwillingspaare.

Great Ormond Street Hospital
Die beiden Mädchen nach ihrer erfolgreichen TrennungGreat Ormond Street Hospital

Rehabilitationszeit

Anfang des Monats konnten die beiden Mädchen aus dem Krankenhaus entlassen werden, sie bleiben nun bei ihrer Mutter Zainab und ihrem Großvater Mohammad Sadat Hussain in London. Der Vater der Zwillinge war schon vor deren Geburt an einem Herzinfarkt gestorben.

Neurochirurg Noor Ul Owase Jeelani, der die Operation leitete, erklärte: "Was sie jetzt brauchen, ist eine Phase der Rehabilitation. Sie sind jetzt zwei Jahre alt, aber diese Babys sind nie gekrabbelt, haben nie gesessen und müssen jetzt all die Dinge lernen, die andere Kinder mit 2 Monate beginnen. (...) I__ch würde mir wünschen, dass sie bis zu ihrem dritten Geburtstag laufen können."

Ihr Weg in ein normales Leben wird noch dauern – doch das Krankenhaus wird die Mädchen auch zukünftig betreuen.