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Niederlande testen "Staats-Marihuana" in zehn Städten

Niederlande testen "Staats-Marihuana" in zehn Städten
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In zehn niederländischen Städten soll ab 2021 ausschließlich Marihuana aus legalem Anbau verkauft werden. Insgesamt 79 sogenannte Coffeeshops sind an dem Experiment beteiligt. Sie dürfen mit Beginn der Testphase vier Jahre lang ausschließlich "Staats-Marihuana" verkaufen, wie niederländische Medien das künftig in lizensierten und behördlich überwachten Anlagen zu produzierende Rauschmittel nannten.

Nicht mit dabei sind die Hauptstadt Amsterdam sowie Rotterdam, Den Haag und Utrecht. Sie könnten nicht alle Bedingungen für das Experiment erfüllen - unter anderem die Teilnahmepflicht aller Coffeshops einer Stadt.

Die Niederlande haben eine Toleranzpolitik für Marihuana, was bedeutet, dass während der Vertrieb, die Lieferung und die Produktion der Droge illegal sind, Coffeeshops nicht wegen des Verkaufs verfolgt werden.

Das bedeutet jedoch, dass die Geschäfte Cannabis illegal kaufen und die Qualität der Ware somit oft nicht bekannt ist.

Insgesamt gibt es 573 Coffeshops in den Niederlanden

"Die Interpretation des Experiments der Coffeshops wird mit den folgenden zehn nominierten Gemeinden ausgearbeitet: Arnheim, Almere, Breda, Groningen, Heerlen, Hellevoetsluis, Maastricht, Nimwegen, Tilburg und Zaanstad", schrieb das niederländische Gesundheitsministerium auf seiner Website.

Ein Gesetzentwurf, der Abweichungen vom Drogenkontrollgesetz des Landes zulässt, wird derzeit vom Bundesrat geprüft.

Momentan wird Cannabis offen in 573 Cafés verkauft, die in 103 von 380 Gemeinden in den Niederlanden tätig sind, so die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) - eine der dezentralen Agenturen der EU.

Die Regierung will mit dem Experiment feststellen, ob auf diese Weise die Drogenkriminalität sowie gesundheitliche Schäden durch mangelnde Qualität aus nicht kontrolliertem Anbau eingedämmt werden können.

Immer mehr Länder thematisieren eine Legalisierung von Cannabis

Das Interesse im Bereich der Cannabis-Legalisierung in Europa wächst, ausgelöst durch die internationale Entwicklung der Art und Weise, wie die Länder die Substanz jetzt regulieren.

Euronews sprach Anfang August mit dem luxemburgischen Gesundheitsminister Étienne Schneider, als das Land die Vorbereitungen für neue Gesetze zur vollständigen Legalisierung von Freizeit-Cannabis intensivierte.

"Nach Jahrzehnten repressiver Politik haben wir anerkannt, dass diese Politik nicht funktioniert, dass sie die Erwartungen nicht erfüllt hat. Es ist also an der Zeit, die Denkweise zu ändern, unsere Konzepte zu ändern und etwas Anderes zu versuchen", sagte er.

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Europa. Es ist auch die Droge, die sowohl die öffentliche Einstellung als auch die politische Debatte am meisten polarisiert, so die EBDD.

In den Niederlanden gaben schätzungsweise 16,1 Prozent der jungen Erwachsenen an, im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert zu haben, verglichen mit 13,3 % in Deutschland, 10,1 % in Belgien und 22,1 % in Frankreich, sagte die Agentur.