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Putin und Clinton: Wer war bei der Trauerfeier für Chirac?

Putin und Clinton: Wer war bei der Trauerfeier für Chirac?
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Reuters
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Jacques Chiracs Witwe Bernadette (86) war zu erschöpft, um an der Totenmesse in der Kirche Saint-Sulpice teilzunehmen, zu der zahlreiche Staats- und Regierungschefs aus aller Welt nach Paris gekommen waren, um dem ehemaligen französischen Präsidenten die letzte Ehre zu erweisen. Organisiert haben die Trauerfeiern Chiracs Tochter Claude und ihr Ehemann zusammen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dessen Ehefrau Brigitte. Die Witwe Bernadette Chirac - die als gesundheitlich angeschlagen gilt und seit dem Tod des Ex-Präsidenten nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten ist - hatte am Morgen an einer privaten Trauerfeier im Invalidendom mit etwa 200 anderen teilgenommen.

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Enkel Martin Rey-Chirac und Tochter Claude danken den Franzosen vor Saint-SulpicelREUTERS/Charles Platiau

Chirac, der volksnahe Präsident

Mindestens 7.000 Franzosen hatten seit Sonntag Jacques Chirac geehrt, indem sie im Invalidendom an seinem Sarg Abschied genommen hatten. Viele standen stundenlang in einer Schlange. Chirac war als besonders volksnaher Präsident beliebt. Jeder in Frankreich kennt die Leibspeise des ehemaligen Präsidenten "la tête de veau" ("Kalbskopf"). Er zeigte sich gerne auf der Landwirtschaftsmesse in Paris, wo Chirac Kühe - auch am Hintern - anfasste und alle angebotenen Spezialitäten ausprobierte.

Ein ehemaliger Kollege, der Chirac im Wahlkampf 1995 begleitete, berichtete, der Präsidentschaftskandidat habe ihm und seinem Kameramann täglich mehrmals die Hand geschüttelt, weil er immer alle Anwesenden persönlich begrüßen wollte.

Beigesetzt wird Jacques Chirac auf dem Friedhof Montparnasse an der Seite seiner 1958 geborenen und 2016 verstorbenen Tochter Laurence, die jahrelang an psychischen Problemen - darunter Anorexie - litt. Die letzten Paparazzi-Bilder von Jacques Chirac wurden damals aufgenommen und zeigen den ehemaligen Staatschef in einem Rollstuhl.

Der Sarg von Jacques Chirac wurde von seinen ehemaligen Leibwächtern getragen. Mehrere waren zwölf Jahre lang für den Verstorbenen im Einsatz.

REUTERS/Charles Platiau
Sarg von Jacques Chirac in Saint-SulpiceREUTERS/Charles Platiau

900 internationale Gäste - darunter Bill Clinton

Mit Applaus wurde der ehemalige US-Präsident Bill Clinton von den Franzosen empfangen, die die Zeremonie vor der Kirche auf Bildschirmen verfolgten. Jacques Chirac hatte sich im Laufe der Jahre sehr gut mit Bill Clinton verstanden und ihn auch während der Lewinsky-Affäre unterstützt.

Erst drei Tage nach dem Tod des ehemaligen französischen Präsidenten hat die aktuelle US-Regierung eine Beileidsbotschaft nach Paris geschickt, die auch nicht US-Präsident Donald Trump, sondern sein Außenminister Mike Pompeo unterschrieben hat.

In Erinnerung bleibt Chirac als der Präsident, der sich 2003 gegen den Irak-Krieg gestellt hat. Durch das Veto Frankreichs im UN-Sicherheitsrat verhinderte der damalige Außenminister de Villepin die von George W. Bush geforderte UN-Mission gegen Saddam Hussein.

Die internationalen Gäste hatte Emmanuel Macron zu einem Mittagessen im Elysée-Palast eingeladen. Dort wurde auch ein Salat aus der Corrèze, der Heimatregion von Jacques Chirac, serviert.

Saad Hariri und Trauer im Libanon

Besonders berührt zeigte sich bei der Trauerfeier Saad Hariri, der Regierungschef aus dem Libanon, mit dessen Familie Jacques Chirac besonders verbunden war. Chirac machte den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad für den Anschlag auf den damaligen libanesischen Präsidenten Rafik Hariri 2005 verantwortlich. Saad Hariri sagte, Jacques Chirac sei wie ein Bruder für seinen Vater gewesen. In Libanon wurde ein Trauertag für den ehemaligen französischen Präsidenten abgehalten.

Kronprinz von Marokko vertritt Vater

Weil der König von Marokko zur Zeit unter einer Lungenentzündung leidet, hat Mohamed VI. seinen Sohn nach Paris geschickt. Der 16 Jahre alte Kronprinz Moulay Hassan vertrat bei der Trauerfeier seinen Vater.

Experten erinnerten daran, dass Chirac während seiner Amtszeit auch enge Beziehungen zum umstrittenen und gerade in Saudi-Arabien verstorbenen ehemaligen tunesischen Präsidenten Ben Ali unterhielt - und nach Ansicht von Aktivisten dessen Menschenrechtsverletzungen nicht genügend kritisierte.

Jordaniens König Abdallah II war bei der Trauerfeier in Paris.

Aus Russland ist Staatspräsident Wladimir Putin angereist.

Deutschland wurde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vertreten. In den französischen Medien wurde darüber spekuliert, warum Angela Merkel nicht anwesend war.

Missverständnis um Platz für Gerhard Schröder?

Altbundeskanzler Gerhard Schröder war entgegen erster Erwartungen doch nicht zur Trauerfeier des früheren französischen Staatschefs Jacques Chirac nach Paris gekommen. Schröder hätte gerne an den Trauerfeierlichkeiten teilgenommen, um ihm seine letzte Ehre zu erweisen, hieß es am Montagmorgen aus seinem Büro. Allerdings habe der Élyséepalast seinen Wunsch nach einer Einladung aus Platzgründen abgelehnt.

Aus Élyséekreisen hieß es, dass auch Schröder zu den Feierlichkeiten erwartet werde. Zu der Zeremonie sei keine formelle Einladung verschickt worden. Man habe die ausländischen Kontakte gebeten mitzuteilen, wer kommen möchte, hieß es am Montag. In der Kirche sei am Montagmorgen auch ein Platz für ihn reserviert gewesen. Es handle sich möglicherweise um ein Missverständnis.

In der Zeitung LE FIGARO hatte Gerhard Schröder eine Würdigung von Jacques Chirac veröffentlicht, er schreibt, Chirac habe die Interessen seines Landes und Europas vertreten. Besonders in Erinnerung geblieben ist die Ablehnung des damaligen französischen Präsidenten. Die konservative Zeitung interpretiert die Abwesenheit von Schröder als Zeichen der deutsch-französischen Beziehungen.

Französische Ex-Präsidenten versammelt - auch Giscard d'Estaing (93)

Die Chirac-Nachfolger als französische Prasidenten, Nicolas Sarkozy und Francois Hollande, nehmen an der Trauerfeier teil. Auch der 93-jährige Vorgänger Valéry Giscard d'Estaing war vor Ort. Vor Saint-Sulpice willkommen geheißen wurden die internationalen Gäste vom französischen Regierungschef Edouard Philippe.

Francois Mori/Pool via REUTERS
Valéry Giscard d'Estaing (rechts) bei der TrauerfeierFrancois Mori/Pool via REUTERS
Reuters
Carla Bruni und Nicolas SarkozyReuters

Streit um Marine Le Pen

Eigentlich wollte auch die Chefin der rechtsextremen Partei "Rassemblement national" zur Trauerfeier kommen, aber die Familie von Jacques Chirac hatte sich dagegen ausgesprochen. Jacques Chirac hatte es im Wahlkampf 2002 abgelehnt, eine TV-Debatte mit dem Vater von Marine Le Pen zu führen. Chirac gewann dann die Stichwahl gegen Jean-Marie Le Pen.

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