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Angst und Wut nach dem Brand von 5.236 Tonnen Chemikalien

Angst und Wut nach dem Brand von 5.236 Tonnen Chemikalien
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Viele Bewohner von Rouen haben Angst und sind wütend auf die Behörden, weil noch immer nicht feststeht, welche Gefahr von den am vergangenen Donnerstag in der Chemiefabrik Lubrizol verbrannten 5.236 Tonnen Chemikalien ausgeht. Noch immer stinkt es in der Stadt nach der riesigen Rußwolke, Flüsse und Seen waren verschmutz. Viele Eltern wollten ihre Kinder nicht in Schulen in der Nähe der Chemiefabrik schicken, auch Lehrer wollten aus Protest nicht unterrichten. Die Präfektur betonte hingegen immer wieder, es gebe kein Gesundheitsrisiko. Der üble Geruch könne auf beschädigte Fässer und den Öl- und Schlammteppiche zurückgehen, die nach dem Brand entstanden seien, sagte der Präfekt Pierre-André Durand.

Die Landwirte der umliegenden Gemeinden durften ihre Ernte und auch die Milch ihrer Kühe nicht verkaufen.

Der Brand in der Chemiefabrik Lubrizol wird auch im Parlament in Paris beraten, nachdem am Dienstagabend Bewohner von Rouen demonstriert und eine bessere Reaktion auf die Krisensituation gefordert hatten.

Notrufnummer für Betroffene

Nachdem es viel Kritik an der Regierung gab, der auch vorgeworfen wurde, sie veröffentliche nicht alle Informationen, wird jetzt eine kostenlose Notrufnummer (0800 00 97 85) eingerichtet, die betroffene Bürger anrufen können.

Schon zuvor wurden auch Informationen zu den vorliegenden Analysen im Internet veröffentlicht. In den vorausgehenden Tagen hatte es geheißen, die Liste der Chemikalien müsse aus Sicherheitsgründen wegen der Terrorgefahr geheim gehalten werden.

Problem der Mischung zahlreicher Chemikalien, die verbrannt sind

In einem Interview mit dem Radiosender France Inter erklärte Gesundheitsministerin Agnès Buzyn an diesem Mittwoch, niemand könne im Moment sagen, welche Wirkung die Mischung der verschiedenen Chemikalien habe, die verbrannt sind. Doch die Ministerin versicherte, die ersten Analysen zeigten keine beunruhigenden Ergebnisse. Die Luft könne ohne Sorge eingeatmet werden, es gebe kein verunreinigstes Trinkwasser.

Französische Medien versuchen auch darüber aufzuklären, welche Falschmeldungen in den sozialen Medien verbreitet werden. So war von toten Vögeln die Rede, die aber nichts mit dem Brand zu tun hatten. Zwei Bewohner von Rouen hatten auch von "schwarzem Leitungswasser" berichtet, doch Analysen ergaben keine Spuren von Verunreinigung.

Zu Tchernobyl gelogen

Der Umgang mit dem Brand in Rouen erinnert viele an die Kommunikation der französischen Regierung nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986. Sie hatte damals so getan, als würde die giftige Wolke an der Grenze zu Frankreich Halt machen, zum Teil wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland belächelt. Experten erklären die Ängste der Bürger jetzt auch damit, dass die Bevölkerung zu Tchernobyl belogen wurde. Die Gesundheitsministerin erklärte dagegen, die Regierung habe keinerlei Interesse daran, Informationen zurückzuhalten.

Die Chemiefabrik in Rouen gehört in die sogenannte Seveso-Kategorie von gefährlichen Standorten, die besonders überwacht werden. Im italienischen Seveso bei Mailand war es 1976 zu einem dramatischen Chemieunfall gekommen. Dabei trat Dioxin aus, etwa 200 Menschen - darunter viele Kinder - mussten wegen akuter Chlorakne im Krankenhaus behandelt werden. Es wurden auch etwa 3.000 Tierkadaver gefunden.

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