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Huawei-Chef: "Wenn die USA den globalen Handel aufgeben, ist das eine große Chance für Europa"

Huawei-Chef: "Wenn die USA den globalen Handel aufgeben, ist das eine große Chance für Europa"
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5G ist die nächste technische Revolution: Der superschnelle Mobilfunkstandard, ohne den man sich Kommunikation, Logistik oder Energieversorgung bald nicht mehr vorstellen kann. Wie sicher werden diese Systeme sein, wenn der Aufbau des neuen Standards mit in den Händen von chinesischen Anbietern wie Huawei liegt? Euronews-Reporter Damon Embling sprach in 'The Global Conversation' mit dem Huawei-Gründer und Chef Zhengfei Ren.

Damon Embling, euronews:_
Zhengfei Ren hat den Telekommunikationsriesen Huawei vor etwas mehr als 30 Jahren hier in China gegründet. Heute ist das Unternehmen weltweit erfolgreich. Ich treffe den Gründer in der Firmenzentrale in Shenzhen: Das Unternehmen hat turbulente Zeiten hinter sich: Es steht seit Mai auf der schwarzen Liste des US-Handelsministeriums, unter dem Verdacht, dass mit seinen Produkten Spionage betrieben werden könnte und aufgrund möglicher Verbindungen zur chinesischen Regierung. Zhengfei Ren vielen Dank, dass Sie mein Gast in The Global Conversation sind. Wie konnten Sie ein Unternehmen in China aufbauen? Der chinesische Staat, die Regierung mochte Sie anfangs nicht, man wollte Ihr Unternehmen schließen, oder?_

Zhengfei Ren, Gründer und Chef von Huawei:
Ja, die Regierung traute uns anfangs nicht, weil wir mit einem Mitarbeiter-Beteiligungsprogramm angefangen htten, bei dem die Mitarbeiter Kapitalanteile besitzen. Man hätte uns als kapitalistische Gesellschaft ansehen können, die nicht im Einklang mit dem Sozialismus steht. Aber diese Missverständnisse begannen vor über 10 Jahren zu verschwinden, als wir immer mehr Steuern an die Regierung zahlten. Aktuell zahlen wir jährlich insgesamt 20 Milliarden US-Dollar Steuern an Regierungen auf der ganzen Welt. Der größte Teil davon geht an die chinesische Regierung.

euronews:
Die USA sind derzeit in einen Handelsstreit mit China verwickelt. Die US-Regierung wirft Huawei vor, dass China mit seinen Produkten möglicherweise andere Länder ausspionieren könnte.

Zhengfei Ren:
Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat nichts mit uns zu tun. Wir verkaufen kaum in die USA. Die US-Cyber- und Informationssicherheit hat nichts mit uns zu tun. Es ist eine Tatsache, dass die US-amerikanischen Netzwerke und Informationen nicht sicher sind, obwohl sie keine Huawei-Technologie benutzen. Wenn wir in Sicherheitsprobleme involviert gewesen wären, hätten die USA das der EU als Beweis geliefert. Wir haben nichts getan und haben das auch nicht nötig. Die Geschichte hat gezeigt, dass wir nichts getan haben.

euronews:_
Sie sagen, dass Huawei nie spioniert hat, nie spionieren wird und nie aufgefordert wurde zu spionieren?_

Zhengfei Ren:
Ja, das stimmt.

euronews:
Was entgegnen Sie Kritikern, die behaupten, dass die chinesische Regierung mittels Huawei Spionage betreibt, dass es kein vertrauenswürdiges Unternehmen ist?

Zhengfei Ren:
Nichts. Die Fakten werden zeigen, ob diese Kritiker recht haben.

Die USA schaden Huawei nicht

euronews:
Die Vorwürfe der USA schaden Ihnen sehr, oder?

Zhengfei Ren:
Ich glaube nicht, dass die Vorwürfe der USA uns so sehr getroffen oder geschadet haben. Tatsächlich hat sich die Lobbyarbeit so vieler Politiker auf der ganzen Welt positiv für Huawei ausgewirkt. Angesichts eines so mächtigen Angriffs auf Huawei sehen Kunden in vielen Ländern dies als Zeichen für die Stärke von Huawei. Es wird keine finanziellen Risiken geben. Unser Wachstum ist tatsächlich nicht so schlecht. Einige Kunden kaufen nicht bei Huawei. Das ist verständlich. Aber es gibt auch viele Kunden, die weiterhin bei uns kaufen.

euronews:
Wie haben Sie auf die Anschuldigungen der US-Regierung reagiert?

Zhengfei Ren:
Wir haben uns entschieden, eine Klage gegen die US-Regierung vor Gericht einzureichen. Aber letztendlich werden die US-Unternehmen am meisten darunter leiden. Denn sie verlieren große Teile der chinesischen Märkte. Das ist nicht in ihrem Interesse. Wenn die USA den globalen Handel aufgeben, ist das eine große Chance für Europa.

euronews:
Zukünftig wird 5G eine große Rolle in ihrem Unternehmen spielen. Wie wird 5G unser Leben verändern?

Zhengfei Ren:
5G und 4G ist wie Straße und Autobahn. Autos können auf beiden fahren, aber eben schneller auf Autobahnen. Ich gebe Ihnen ein leicht abstraktes Beispiel, das die Vorteile von 5G deutlich macht: In einem Airbus A320 sind Kabel mit einem Gewicht von 17 Tonnen verbaut. Würde man statt Kabeln drahtlose Netzwerke verwenden, um die verschiedenen Geräte im Flugzeug zu verbinden, wäre das Flugzeug viel leichter und würde viel weniger Kraftstoff benötigen. Darüber hinaus gäbe es bessere Flugbedingungen. Das wären enorme Vorteile.

Huawei versucht, Vertrauen aufzubauen

euronews:
Vor Kurzem veröffentlichte die Europäische Union einen Bericht über Cybersicherheit und 5G. Demzufolge gibt es aufgrund von 5G eine erhöhte Gefahr von Cyberangriffen. Außerdem geht man davon aus, dass diese Angriffe von Nicht-EU-Staaten und staatlich unterstützten Aktionen kommen könnten. Wie riskant ist 5G ?

Zhengfei Ren:
Wie gefährlich ist es, Auto zu fahren? Wenn Sie zu schnell fahren, können Sie einen Unfall bauen. Aber wenn man ein Auto verantwortungsbewusst fährt, kann es Sie an viele schöne Orte führen. Das Gleiche gilt für 5G. Huawei versucht Vertrauen bei den Europäern aufzubauen, indem er die EU-Vorschriften für das Cybersicherheitsmanagement, die Allgemeine Datenschutzverordnung (GDPR) und alle anderen EU-Gesetze und -Vorschriften einhält.

euronews:
Welche Art von Beziehung streben Sie mit der Europäischen Union in Bezug auf 5G und andere zukünftigen digitalen Technologien an?

Zhengfei Ren:
Erstens respektiert und unterstützt Huawei die digitale Souveränität der EU. Zweitens werden wir auch in das Wachstum europäischer KMU investieren und diese unterstützen und wenn es geht, Leitlinien anbieten. Diese Art der Zusammenarbeit wird zu einem gemeinsamen Erfolg für alle führen. Vergleicht man das technische Umfeld mit einem Ackerboden, wollen wir in Europa fruchtbaren Boden schaffen. Dann können europäische Unternehmen darauf Pflanzen anbauen.

"Ich glaube nicht, dass der Brexit irgendwelche Auswirkungen auf Huawei hat."
Zhengfei Ren
Huawei-Gründer

euronews:_
Eines der großen politischen Erdbeben in der Europäischen Union ist der Brexit. Haben Sie Angst, dass Huawei als großes Telekommunikationsunternehmen davon betroffen sein könnte?_

Zhengfei Ren:

Ich glaube nicht, dass der Brexit irgendwelche Auswirkungen auf Huawei hat. Es ist die Bevölkerung, die uns betrifft. Jeder braucht Telekommunikationsdienste: Wenn es keine Veränderungen in der Bevölkerung gibt, dann wird der Brexit keine Auswirkungen auf uns haben. Wir müssen uns nur an die Situation anpassen und das tun, was wir gut können.

euronews:

Geografisch näher bei Ihnen, gibt es anhaltende Unruhen in Hongkong. Aus geschäftlicher Sicht, wie beunruhigend ist die instabile Lage in Hongkong für Ihr Unternehmen und für diese Region, was denken Sie?

Zhengfei Ren:
Hongkong ist winzig, sein Einfluss auf die Welt ist nicht so groß, wie einige vielleicht meinen. Meiner Meinung nach sollten die Demonstranten ihre Meinung friedlich mit Worten äußern, was ein wichtiger Aspekt der kapitalistischen Demokratie ist. Kein Land der Welt wird jemals Vandalismus unterstützen.

euronews:
Sie sind 75 Jahre alt. Wann werden Sie das Handtuch werfen und sagen: 'Okay, jetzt reicht es?'

Zhengfei Ren:
Erstens, wenn ich langsam im Denken werde. Und zweitens, wenn die US-Regierung mich in den Ruhestand gehen lässt.

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