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Taktik in den Parlamentswahlen: Wie müssten die Briten wählen, um den Brexit noch abzuwenden?

Taktik in den Parlamentswahlen: Wie müssten die Briten wählen, um den Brexit noch abzuwenden?
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Die Bürgerinnen und Bürger Großbritanniens werden am 12. Dezember erneut ein Parlament wählen, um einen Weg aus der Brexit-Sackgasse zu finden. Diese Wahl ist besonders, denn für viele Wähler wird sie wie ein zweites Brexit-Referendum sein. Was nach der Wahl mit dem Brexit passiert, könnte davon abhängen, wie viele Brexiteers oder Anti-Brexit-Parlamentarier einen Sitz bekommen.

Wer etwa die Konservative Partei wählt, stimmt für den Brexit-Vertrag von Premierminister Boris Johnson, den er mit der Europäischen Union ausgehandelt hat. Die Labour-Partei hat ein zweites Referendum innerhalb von 100 Tagen nach den Wahlen versprochen, sollte sie die Macht übernehmen. Andere Oppositionsparteien wie die Liberaldemokraten und die Scottish National Party (SNP) wollen den Brexit ganz und gar stoppen.

Mehr denn je in den vergangenen Jahrzehnten haben britische Staatsbürger in dieser Wahl die Chance, mit taktischem Votieren die Zukunft ihres Landes mitzubestimmen.

Was ist taktisches Wählen?

In den britischen Parlamentswahlen haben Bürgerinnen und Bürger jeweils eine Stimme, um den Abgeordneten für ihren Wahlkreis zu wählen. Dieser vertritt gleichzeitig die Partei, die einen Sitz im Parlament gewinnen würde, falls er oder sie die Mehrheit im Wahlkreis bekommt. Die Partei, die die Mehrheit der Abgeordneten im Parlament erreicht, kann dann eine Regierung bilden.

Zwar treten in den Parlamentswahlen viele verschiedene Parteien an, realistischerweise sind aber je nach Wahlkreis nur einige, wenige Parteien im Rennen um den Parlamentssitz. Wähler müssen also taktisch vorgehen: Wenn die gewünschte Partei eines Wählers eher keine Chance hat, könnte die Person stattdessen für eine andere Partei stimmen – eine, die möglichst ähnliche Ansichten vertritt, wie die Wunschpartei, aber eine bessere Chance hat, einen Sitz zu gewinnen.

Vor den Wahlen in Großbritannien wird aktuell ein weiteres taktisches Mittel diskutiert. Das Aufsplitten: Hier versucht man, den Erfolg eines aussichtsreichen Kandidaten zu mindern, indem man für einen Kandidaten stimmt, der ähnliche Ansichten vertritt: Ein Remainer – also jemand, der Großbritannien weiterhin in der EU sehen möchte – würde bei dieser Wahl zum Beispiel für einen Kandidaten der Brexit-Partei stimmen, um den Erfolg eines Kandidaten von der Konservativen Partei – der möglicherweise mehr Aussicht auf Erfolg hat – zu schmälern. Beide Parteien sind pro-Brexit. Das bewirkt, dass sich die Stimmen auf zwei Brexiteer-Kandidaten prozentual aufteilen und so für einen dritten Remainer-Kandidaten der Sieg wahrscheinlicher wird.

Wie kann taktisches Wählen in den kommenden Parlamentswahlen funktionieren?

Die Organisation "Best for Britain" möchte die britischen Bürgerinnen und Bürger dazu bringen, taktisch abzustimmen, um eine Pro-Remain-Mehrheit im Parlament zu erreichen. Eigenen Angaben zufolge führt die Organisation eine "parteiübergreifende Kampagne mit der Mission, den Brexit mit allen demokratischen Mitteln zu stoppen".

Mit einem Tool auf ihrer Webseite legt die Organisation dar, wie Einzelpersonen zu der wirksamsten Stimme für ein Verbleiben in der EU gelangen können. Besucher können dort ihre Postleitzahl eingeben, um zu erfahren, wie sie dem Abgeordneten mit den größten Chancen helfen können.

"Wir führen eine taktische Wahlkampagne, um den Brexit zu stoppen und eine Johnson-Mehrheit zu verhindern. Das bedeutet, dass wir für einige Parlamentssitze eine Partei empfehlen müssen, für die ihr nicht stimmen wollt", heißt es in einem "Best for Britain"-Tweet.

Die Kampagne prognostiziert: Wenn etwa 30 Prozent der Remain-Wähler taktisch abstimmen würden, könnte das die Konservative Partei daran hindern, eine Mehrheit zu erhalten. Würden sich 40 Prozent beteiligen, könnte sich mit einer Koalition aus der Labour Partei mit Liberaldemokraten, der schottischen SNP, den Greens und den walisischen Plaid Cymru eine Mehrheit von 36 Sitzen im Parlament ergeben.

Die Pro-Brexit-Kampagne "Leave.EU" hat seinen Wählern eine App versprochen, mit der sich Befürworter des Brexits ebenfalls taktisch informieren können.

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