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"Gewalt gegen Frauen durchzieht alle sozialen Schichten"

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2018 wurden in Deutschland 122 Frauen durch ihren Partner oder Expartner ermordet. Jeden Tag findet ein Tötungsversuch statt, jeder 3. wird tatsächlich auch vollendet. An diesem Montag hat Bundesfrauenministerin Franziska Giffey die jüngsten, erschreckend hohen Zahlen vorgestellt.

Über Gewalt gegen Frauen haben wir mit Katharina Göpner vom Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Deutschland (bff) gesprochen. Unter diesem Dachverband sind rund 190 Frauennotrufe und Frauenberatungsstellen zusammengeschlossen. Sie leisten in Deutschland den hauptsächlichen Anteil der ambulanten Beratung und Hilfestellung für weibliche Opfer von Gewalt.

euronews: Am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen gibt es leider wieder erschreckende hohe Zahlen. Überrascht Sie das?

Katharina Göpner: Die Zahlen sind sehr erschreckend, auch die Zahlen der getöteten Frauen sind sehr erschreckend, aber leider nicht überraschend, weil wir wissen und die Beratunsgsstellen, die bei uns Mitglied sind, wissen, dass Gewalt in Deutschland alltäglich ist und sehr viele Frauen, immer noch viel zu viele Frauen trifft.

euronews: Sie sprechen von der alltäglichen Gewalt: Wer meldet sich bei den Frauennotrufen und Beratungsstellen ? Und ab wann welchem Level der Gewalt meldet sich eine Frau?

Katharina Göpner: Es melden sich Frauen und Mädchen, auch schon teilweise junge Mädchen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, es melden sich viele Frauen, bei akuter, aktueller Gewalt, die sie durch den Partner oder Ex-Partner erfahren haben. Es melden sich Frauen wegen Stalking, wegen digitaler Gewalt, wegen sexuellem Missbrauchs, sexueller Gewalt, die sie früher im Leben erfahren haben. Die Spannbreite ist wirklich sehr groß. Und das ist sehr unterschiedliche mit welchen Problemlagen und mit welchen Gewaltformen die Frauen in die Beratungsstellen kommen.

euronews: Könnte man sagen, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen eher von Gewalt betroffen sind?

Katharina Göpner: Man kann sagen, dass Gewalt alle sozialen Schichten durchzieht und überall in der Gesellschaft vorkommt. Das heißt eben, dass auch Frauen unterschiedlichen Alters von Gewalt betroffen sind, dass Frauen unabhängig von ihrer Herkunft und unabhängig von der Behinderung oder der sozialen Schicht. der sie entstammen, Gewalt erleben können.

euronews: Ein großes Problem ist der Mangel an geschützten Wohnplätzen: Frauenministerin Franziska Giffey hat heute nicht nur Zahlen, sondern auch die Initiative "Stärker als Gewalt", was halten Sie von dieser Initiative und den bereitgestellten Mitteln, ist ausreichend?

Katharina Göpner: Die Initiative ist ein sehr guter Schritt in die richtige Richtung. Frau Giffey hat ja auch gesagt, dass es in den nächsten vier Jahren jährlich 30 Millionen Euro geben soll für den Ausbau und zum Beispiel auch den barrierefreien Umbau des Unterstützungssystems, wozu ja auch neben Frauenhäusern auch Fachberatungsstellen gehören, die bei uns Mitglied sind im Dachverband. Das ist ein wichtiger Schritt aber das wird nicht ausreichen, weil zum Beispiel mit diesen Geldern keine weiteren Personalstellen bezahlt werden können.

euronews: Auch Frankreich hat am Montag Dutzende Maßnahmen zur Bekämpfung von Partnerschaftsgewalt angekündigt, darunter auch Gesetzesverschärfungen. Ist das in Deutschland nötig?

Katharina Göpner: Es gibt auf jeden Fall auch einen juristischen Veränderungsbedarf, aber das ist auch einiges passiert in letzter Zeit. Und ein Problem ist ja einerseits, dass die Gerichtsverfahren und Prozess für die Betroffenen oft sehr schwierig sind, weil sie sehr lange dauern, weil es emotional sehr anstrengend ist, weil es da eine Gefahr gibt, dass sie re-traumatisiert werden von dem, was vorher schon passiert ist. Ein anderes Problem oder einfach eine Tatsache ist, dass sehr viele Frauen keine Anzeige machen.

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