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Minen in Bosnien: Flyer warnen Geflüchtete in 5 Sprachen

Minen in Bosnien: Flyer warnen Geflüchtete in 5 Sprachen
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Lillo Montalta
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Mehr als 8.000 Flüchtlinge und Migranten leben in Lagern in Bosnien-Herzegowina in der Hoffnung, in die EU zu gelangen. Besonders bei immer kälter werdenden Temperaturen sind die Lebensbedingungen in diesen Lagern sehr hart. In Vučjak nur wenige Kilometer von Kroatien entfernt liegt schon Schnee. Hier hatten hunderte Geflüchtete einen Hungerstreik begonnen, um gegen die schlimmen Zustände zu protestieren, unter denen sie lebten - ohne fließend Wasser und ohne Strom. Inzwischen sollten sie umgesiedelt werden.

Vor Ort hilft das bosnische Rote Kreuz, so gut es kann, indem es Nahrung und Wasser verteilt. Sowohl der Europarat als auch die UNO haben die Lebensbedingunen in dem Lager als "unmenschlich" bezeichnet. Entlang der Balkanroute verteilen Freiwillige auch Flugblätter an Flüchtlinge und Migranten in fünf Sprachen, um sie vor der Gefahr von Landminen zu warnen. Die nicht explodierten Minen sind ein tragisches Erbe des Krieges nach dem Untergang des ehemaligen Jugoslawien.

Flyer dieser Art, die in Zusammenarbeit mit dem bosnischen Aktionszentrum gegen Minen (BHMAC) erstellt wurden, gibt es an mindestens 10 Standorten in Bosnien-Herzegowina. Sie sollen helfen, Unfälle von Menschen auf der Durchreise durch das Land zu verhindern.

In den letzten zwei Jahren wurden 39.000 Broschüren verteilt, sagt Ivana Grujić, Koordinator des humanitären Programms des bosnischen Roten Kreuzes, im Gespräch mit Euronews.

Lillo Montalto
An der bosnischen-kroatischen Grenze bei DomaljevacLillo Montalto

Seit Kriegsende führt das BHMAC Informationsveranstaltungen an Schulen durch, die Organisation warnt auch Landwirte, Jäger, Wanderer und alle, die sich auf Wegen oder weniger befahrenen Straßen aufhalten.

Eine der ersten Regeln, die bosnische Kinder in der Schule lernen, ist, nicht in Feldern mit hohem Gras zu laufen.

Eine Vorsichtsmaßnahme, die jetzt an die Migranten weitergegeben wurde, die versuchen, die Grenze entlang der Balkanroute zu überschreiten. Allerdings versuchen die Geflüchteten der kroatischen Polizei aus dem Weg zu gehen. Die Migranten selbst sprechen mit bitterer von "The Game".

Das Lager Vučjak, in dem heute etwa 600 Menschen leben, wurde im vergangenen Frühjahr eingerichtet, nachdem die Bevölkerung von Bihac gegen die Anwesenheit von Einwanderern in den Straßen der Stadt protestiert hatte.

Doch Bihac ist nicht der einzige Ort: Es gibt viele improvisierte Lager in der Nähe von Bahnhöfen, in denen Migranten versuchen, in einen Zug zu steigen, um die Grenze zu Kroatien zu erreichen. Die Situation betrifft den gesamten Balkanraum: Selbst im Zentrum von Belgrad, wo kostenlose WLAN-Punkte zur Verfügung stehen, befinden sich Migranten auf der Durchreise.

Es wird geschätzt, dass bisher etwa 50.000 Migranten aus Ländern wie Afghanistan, Pakistan, Syrien und dem Irak nach Bosnien-Herzegowina gekommen sind. Von den mehr als 6.100 Migranten und Asylbewerbern in den Grenzstädten Bihac und Velika Kladusa leben nur etwa 2.800 Menschen in den offiziellen Zentren. Die anderen schlafen in verlassenen Gebäuden oder provisorischen Unterkünften, wo die Temperaturen nahe Null Grad liegen. Am 13. November gaben die lokalen Behörden bekannt, dass das Lager in Vučjak den ganzen Winter über geöffnet bleiben und zur Aufnahme von Neuankömmlingen genutzt werden sollte.

Foto: Milica Čavić
Geflüchtete in TuzlaFoto: Milica Čavić

Vučjak liegt in der Nähe eines noch nicht von minengeräumten Gebiets: Ein Problem, von dem 129 der 143 bosnischen Gemeinden betroffen sind - schätzt ein von Balkan Insight befragter BHMAC-Sprecher: 15% der lokalen Bevölkerung - das sind 545.000 Menschen - leben in gefährdeten Gebieten.

Von 1996 bis August 2019 berechnete die Organisation, dass 673 Menschen bei einer Bombenexplosion ihr Leben verloren und 1.769 verletzt wurden. Diese Zahl nimmt von Jahr zu Jahr ab, doch es wird vermutet, dass auf bosnischem Gebiet noch tausend Quadratkilometer von Minen geräumt werden müssen. In Kroatien - dem einzigen EU-Land, auf dessen Gebiet es noch aktive Minen gibt - die Gefahr eine Fläche von 400 Quadratkilometern betreffen würde.

Laut dem Kroatischen Minenaktionszentrum gibt es im Land immer noch 32.000 potenziell tödliche Antipersonen-Minen. Beide Staaten des ehemaligen Jugoslawien haben es nicht geschafft, diese Bedrohung zu beseitigen, nicht zuletzt wegen fehlender Mittel. In Kroatien wurde dieser ursprünglich für 2019 geplante Termin auf mindestens 2026 verschoben.

Lillo Montalto
Das Problem mit Minen in Bosnien und KroatienLillo Montalto
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