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Menschenaffen in Zoos: Was sagen Tierschutz und Tierethiker?

In den meisten Zoos weltweit werden Affen gehalten. Wie tiergerecht ist das?
In den meisten Zoos weltweit werden Affen gehalten. Wie tiergerecht ist das?   -   Copyright  Pexels/Pixabay
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Der Schock und die Trauer sitzen noch tief drei Tage nach dem verheerenden Brand im Krefelder Zoo, bei dem unter anderem acht Menschenaffen ums Leben kamen. Der Zooleiter und seine Mitarbeiter sind eigenen Angaben nach traumatisiert. Bevor man an die Zukunft denken könne, müsse der Trauer Platz gemacht werden.

Auch der Förderverein Zoofreunde Krefeld ist tief getroffen, wandte sich aber nach rund zwei Tagen als erstes an die Öffentlichkeit, an die vielen Menschen, die ihre Hilfe anboten und rief zu Spenden auf.

Im Interview mit der Westdeutschen Zeitung spricht der Vorsitzende Friedrich Berlemann vom Neubau des Affenhauses, sogar von einem Affenpark ist die Rede. Dabei stehe vor allem der Artenschutz im Fokus. Die zwei Millionen, die der Verein eigentlich für ein Außengehege der Menschenaffen gesammelt hatte, werden wohl nicht ausreichen.

Von diesen Plänen rät der Tierschutzbund Deutschland ab: "Menschenaffen gehören in keine Zoogefangenschaft und daher raten wir, dass die Verantwortlichen nochmals intensiv beraten, ob der Krefelder Zoo den Weg – wieder – gehen will", heißt es in einer Mitteilung.

Die Tierrechtler der Organisation PETA forderten nach dem Tod der Affen die "Abschaffung von Zoogefängnissen" und prüft nach eigenen Angaben eine Strafanzeige gegen die Verantwortlichen.

Denn der Beitrag zum Artenschutz, den Zoos für Affen und viele andere Tiere bringen können, ist aus Sicht der Tierschützer gering. Im Gespräch mit Euronews sagte Hester Pommerening vom Tierschutzbund, dass sogenannte "Flagshiptiere" wie Menschenaffen, Delfine oder Elefanten in Zoos nur schwierig zu halten und nachzuzüchten seien.

Eine Auswilderung von in Gefangenschaft geborenen Menschenaffen sei schon allein deshalb schwierig, weil sie sich in der Wildnis nicht zurechtfinden würden. Bei der Arterhaltung sei die Bedeutung von Zuchtprogrammen in Zoos daher "verschwindend gering". Erfolgreiche Artenschutzprogramme in Zoos gebe es eher für Weichtiere wie Schnecken und einige Reptilien, so Pommerening.

Der Tierschutzbund spricht sich vor allem deshalb gegen die Haltung von Menschenaffen aus, weil es kaum möglich sei, diese Tiere artgerecht zu halten. Außengehege müssten mehrere hundert Quadratkilometer groß sein, um den Bedingungen in freier Wildbahn nahezukommen.

Aber auch aus ethischen Gründen lehnt der Tierschutzbund die Zurschaustellung von Menschenaffen ab. "Ihren anspruchsvollen Bedürfnissen kann das Leben in Gefangenschaft kaum gerecht werden und das Leben im Gehege führt nicht selten zu starken psychischen Problemen wie Neurosen und Hospitalismus", so Pommerening.

Tierschutz vs. Artenschutz

Für viele Zoos stehe der Artenschutz im Vordergrund, erklärt Tierethiker Dr. Clems Wustmans von der Humboldt-Universität Berlin im Gespräch mit Euronews. Dabei gehe es ersteinmal nicht um das individuelle Tier, sondern es werde in Kauf genommen, dass das einzelne Tier Einschränkungen erlebt, man sucht seinen Lebensraum aus oder seine Sozialpartner, damit die Art oder die Population erhalten bleibt.

Wenn die Zoofreunde Krefeld den Artenschutz als Grund anführen, ein neues Menschenaffengehege zu bauen, "steckt da eine Menge Hoffnung drin", findet Wustmans. Bei Löwenäffchen, wie sie im Krefelder Zoo gehalten wurden, sei es sogar einmal gelungen, in Gefangenschaft gezüchtete Tiere in Brasilien, wo sie fast verschwunden waren, auszuwildern.

Eine Chance, die die Haltung von Menschenaffen heutzutage in Zoos aus der Sicht des Tierethikers bringt, ist die Sensibilisierung von Besuchern. "Es ist ein Argument, wenn man die Begeisterung von Zoobesuchern in ein Bewusstsein für die Erhaltung der natürlichen Lebensräume der Tiere oder gegen die Verwendung von Palmöl ummünzen kann", so Wustmans.

Oft sei etwa das Thema Regenwaldabholzung sehr abstrakt für Leute. Die emotionale Bindung, die zahlreiche Menschen jetzt auch nach dem Tod der Tiere in Krefeld zeigen, könnte den Lerneffekt verstärken und einen "emotionalen Anker" darstellen.

Neben dieser Bildung auf emotionaler Ebene sind viele Zoos auch für ihre enge Kooperation mit Forschungsinstituten bekannt - so etwa der Leipziger Zoo mit dem Max-Planck-Institut. Mit Universitäten wie Düsseldorf und Köln in der Nähe, wäre der Neubau des Affenhauses in Krefeld auch eine Gelegenheit, das Optimum in Sachen Haltung für die Tiere herauszuholen "und Forschungsmöglichkeiten massiv auszunutzen".

Kasten Bier gegen Spenden

Nicht nur die Zoofreunde Krefeld sammeln Spenden, auch bei einer Veranstaltung am Sonntag sollen Gelder für den Zoo gesammelt werden, die zur Hälfte wohl an den Tierschutzbund gehen sollen.

Die Brauerei Königshof aus Krefeld verschenkt im Gegenzug für Zoo-Spenden 1.000 Kästen Bier. Die Aktion, die auf Facebook angekündigt wurde, läuft unter dem Motto "Königshofer ist tierisch gut".

Auf Anfrage von Euronews sagte ein Vertreter der Brauerei, die Initiative sei ein "Akt der Solidariät mit allen Krefeldern".