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Dem IS-Terror entkommen: Ein Vater rettet seinen Sohn

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Heute verbringt Alvin Berisha seine Zeit damit, Videospiele zu spielen und seine Likes auf Instagram zu zählen. Doch der Elfjährige hat bisher alles andere als eine normale Kindheit gehabt. Bis vor wenigen Monaten war der Junge, der einen albanischen Pass hat, aber in Italien lebt, in Syrien. Seine Mutter hatte sich den Milizen des Islamischen Staats angeschlossen und war mit Alvin in den Dschihad gezogen.

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Ein ganz normaler Elfjähriger: So lebt Alvin Berisha heute.

Die Mutter starb. Alvin lebte zuletzt im Flüchtlingslager Al Haul in Nordostsyrien. Unicef geht davon aus, dass 20.000 Kinder aus mehr als 60 Ländern in der Region gestrandet sind, davon seien Hunderte ohne ihre Eltern unterwegs.

Afrim Berisha ist Alvins Vater. Er hat fast fünf Jahre damit verbracht, seinen Sohn nach Hause zurück zu holen. "Ich konnte nur an Alvin denken", so Berisha. "Das war das Einzige, was mich interessiert hat. Nur er. Ich wusste, dass es riskant war, aber was sollte ich tun? Alvin war seit dem 17. Dezember 2014 weg, am 1. Januar 2015 war ich in Syrien. Ich habe eine Woche lang nach ihm gesucht, aber ich konnte ihn nicht finden. Dann wurde ich vom Islamischen Staat gefangengenommen."

Berisha konnte sich freikaufen. Er gab einem ebenfalls albanischen Kämpfer der IS-Miliz 500 Euro. Aber die Begegnung mit dem Terror hielt ihn nicht davon ab, weiter nach seinem Sohn zu suchen. Er reiste mehrfach erneut nach Syrien.

Über das Internationale Komitee vom Roten Kreuz erhielt Berisha einen Brief von Alvin. "Ich vermiss dich", schrieb der Junge darin. "Nimm mich mit zurück. Ich will nach Hause."

Im November konnte er Alvin nach fünf Jahren wieder in die Arme nehmen. Von dem Wiedersehen gibt es ein Video: "Weißt du, wer ich bin?", fragt er erst auf Italienisch, dann auf Albanisch. "Papa", sagt Alvin.

Berisha habe eine Aufgabe übernommen, die Regierungen nicht übernehmen wollen, so dessen Anwalt Darien Levani. Er habe sein Kind gefunden, ihnen gesagt, wo es sei, sei selbst ins Flüchtlingslager gereist und habe Bilder mitgebracht, so dass es jeder sehen könne.

Al Haul: Mehrere Hundert tote Kinder durch schlechte humanitäre Lage

Alvin berichtete, dass er dabei war, als seine Mutter durch eine Explosion getötet wurde, dabei wurde auch er verletzt.

Danach kam er nach Al Haul. Die humanitären Zustände in dem von KurdInnen betriebenen überfüllten Lager sind laut UN katastrophal. Al Haul gilt als Radikalisierungszelle für den IS. Einige Länder haben einzelne Kinder zurückgenommen - im Falle Deutschlands jedoch nur auf Druck der Justiz.

Die Rückführung laufe schleppend, erklärt Tomaso Della Longa, Sprecher der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften: "Es gibt nur wenige Regierungen, die mit uns über die Wiederaufnahme von Kindern sprechen. Die Lage ist so komplex, dass sie nicht sagen können, was morgen passiert. Wahrscheinlich wird es noch länger dauern angesichts der angespannten Lage im Nahen Osten. Wichtig ist, dass die Regierungen verstehen, was mit Hilfe des Roten Kreuzes möglich ist."

Alvin konnte den Schrecken des Terrors dank seines Vaters hinter sich lassen und mit elf Jahren ein neues Leben anfangen. Doch die Hilfsorganisation Save the Children geht davon aus, dass mehrere Tausend Kinder weiter in den Lagern in Nordostsyrien leben, etwa die Hälfte seien jünger als fünf. Allein in Al Haul sind laut Unicef bereits rund 400 Kinder an Unterernährung oder Infektionen gestorben.

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