Eilmeldung
This content is not available in your region

Coronavirus und die Umwelt: Der Klimawandel bleibt ein Problem

euronews_icons_loading
Coronavirus und die Umwelt: Der Klimawandel bleibt ein Problem
Copyright  euronews
Schriftgrösse Aa Aa

Die Welt scheint zum Stillstand gekommen zu sein. Es gibt weniger Verkehr auf den Straßen, weniger Flüge und alle sind aufgefordert, zu Hause zu bleiben: Die Coronakrise ist sicherlich gut für die Umwelt, denkt man. Im euronews-Programm Climate Now gehen wir dieser Frage nach - dabei stellt sich heraus, dass kurzfristige Veränderungen nicht mit langfristigen Trends verwechselt werden sollten.

"Wahrscheinlich werden die Auswirkungen des wirtschaftlichen Stillstands auf die CO2-Konzentration in der Atmosphäre sehr gering sein", meint Oksana Tarasova, Abteilungsleiterin für atmosphärische Umweltforschung, Weltorganisation für Meteorologie.

Zahlen & Fakten

Aber zuerst die neuesten Daten des Copernicus Climate Change Service. In Europa lagen die Durchschnittstemperaturen im März um fast zwei Grad Celsius über dem Durchschnitt der Jahre 1981-2010.

Quelle: Copernicus Climate Change Service implemented by ECMWF

In Teilen der Ukraine und Russlands sind die Zahlen viel extremer. In der Ukraine lagen die Temperaturen im März bis zu 6 Grad, in Russland bis zu 8 Grad über dem Durchschnitt. Diese Gebiete sind auch trockener, als man erwarten würde: Die Bodenfeuchtigkeit und die relative Luftfeuchtigkeit sind niedriger als normalerweise für diese Jahreszeit.

Quelle: Copernicus Climate Change Service implemented by ECMWFWilks, Jeremy

März ist eine gute Zeit, um sich das Eis in der Arktis anzuschauen, denn es ist die Zeit, in der die Meereisbedeckung am höchsten ist.

Quelle: Copernicus Climate Change Service implemented by ECMWFWilks, Jeremy

Diese Karte zeigt die gesamte arktische Region: Die rot markierten Gebiete sind Regionen, in denen es weniger Eis gibt, als man für diese Jahreszeit erwarten würde. Hier um Svalbard herum gibt es tatsächlich mehr Eis als üblich.

Quelle: Copernicus Climate Change Service implemented by ECMWFWilks, Jeremy

Im Allgemeinen ist der Trend rückläufig. Hier sehen wir Anomalien seit 1979, und man kann sehen, dass es sechs Prozent weniger Meereis gibt, als man erwarten würde, obwohl es auch hier viel Variabilität gibt.

Welche Umweltauswirkungen hat die Coronakrise?

Im folgenden Bericht geht es um die tatsächlichen Umweltauswirkungen der Covid-19-Pandemie. Darüber hat euronews-Reporter Jeremy Wilks mit führenden Experten per Videokonferenz gesprochen.

Europa scheint zum Stillstand gekommen zu sein. Normalerweise belebte Straßen liegen wie ausgestorben. Die Länder haben alle Aktivitäten heruntergefahren. Das muss doch sicher gut für die Umwelt sein?

Foto. ESA

Bilder des Sentinel-5P-Satelliten zeigen, wie die Stickstoffdioxid-Luftverschmutzung in Frankreich und Italien abgenommen hat. Die Stadtluft ist sauberer. Das sind gute Nachrichten, fürs Erste:

"Ich glaube nicht, dass diese Rückgänge sich langfristig auswirken", sagt Vincent-Henri Peuch, Direktor des Copernicus Atmoshere Monitoring Service. "Kurzfristig halte ich sie jedoch für nützlich. Der Grad der Luftverschmutzung wirkt sich auf die Gesundheit von Herz und Lungen im Allgemeinen aus: Solange das Virus grassiert, ist eine geringere Luftverschmutzung von Vorteil."

Ein weiterer möglicher Vorteil der aktuell geringeren Luftverschmutzung ist die Annahme, dass Covid-19 auf Schmutzpartikeln transportiert wird. Darüber gibt es keinen wissenschaftlichen Konsens, aber einige Experten halten es für wahrscheinlich, so wie Alessandro Miani, Präsident der italienischen Gesellschaft für umweltmedizinische Medizin (Società Italiana di Medicina Ambientale):

"Feinstaub kann, wenn er eine bestimmte Dichte hat und es viel Smog, viel Luftverschmutzung gibt, als eine Art Autobahn für die Beschleunigung der Epidemie betrachtet werden."

Langfristig bleibt der Klimawandel ein Problem

Das sind Gründe, warum eine Verringerung der kurzfristigen Luftverschmutzung positiv bewertet wird. Trotz der wirtschaftlichen Flaute werden jedoch nach wie vor Treibhausgase ausgestoßen, und die CO2-Werte sind auf Rekordhöhe:

"Schaut man sich an, wie das atmosphärische CO2-Niveau gebildet wird, sind es nicht die jährlichen Emissionen, die das Niveau ausmachen, sondern die gesamte CO2-Anreicherung in der Atmosphäre seit der vorindustriellen Zeit, die tatsächlich das aktuelle Niveau bildet. Daher ist es sehr unwahrscheinlich, dass die reduzierten Emissionen innerhalb eines bestimmten Jahres in dieser Größenordnung einen Einfluss auf das globale Kohlendioxidniveau haben", erklärt Oksana Tarasova.

Die Coronavirus-Pandemie hat unmittelbare und erhebliche Auswirkungen auf unser persönliches und berufliches Umfeld. Aber was ist mit der Umwelt?

"Sobald diese Krise hinter uns liegt, werden die Lehren, die wir daraus ziehen, sehr wichtig sein, um das Problem der Luftverschmutzung neu zu überdenken. Leider gibt es den Klimawandel, und es wird ihn auch nach der Krise immer noch geben. Das Problem wird sich dadurch nicht wirklich verändern", so Vincent-Henri Peuch.

Und euronews-Reporter Jeremy Wilks: "Ein letzter Punkt: Es wird viel darüber spekuliert, ob das Virus durch das Sommerwetter verschwindet. Die Antwort ist nicht klar. Es gibt noch nicht genug Informationen, und es gibt viele Variablen, darunter auch, wie Sie und ich uns verhalten."