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41 Todesopfer: Die Coronakrise in Bulgarien

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41 Todesopfer:  Die Coronakrise in Bulgarien
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Weil Begräbniszeremonien für Opfer von Coronavirusinfektionen in Bulgarien verboten sind, transportieren Militärlastwagen die Toten von Krankenhäusern zu behelfsmäßigen Leichenhallen.

Das Land leidet durch die Pandemie nicht so wie Italien oder Spanien, aber es gibt trotzdem Sonderregeln.

Bestatterin Nataliya Stoyanova schildert das Verfahren: "Wie bei jeder gefährlichen Infektionskrankheit kommen die Leichen in einen Sack. Dieser bleibt versiegelt, weder Angehörige noch Betreuer haben Zugang zur Leiche. Die Särge, die wir in diesen Fällen verwenden, sind mit Blech ausgekleidet, was gesetzlich vorgeschrieben ist."

Das Tragen von Masken ist jetzt in Bulgarien Pflicht, und Mitarbeiter von Bestattungsunternehmen müssen beim Umgang mit Leichen Schutzanzüge tragen. Darüber hinaus gleichen die meisten Maßnahmen eher Empfehlungen.

Noch einmal Bestatterin Nataliya Stoyanova: "Wir beschränken den Zugang zu unseren Büros und lassen jeweils nur einen Kunden zur gleichen Zeit rein. Und wir bitten die Menschen, sich in einer Schlange anzustellen und Abstand zu halten. Wir empfehlen, die Teilnehmerzahl nach Möglichkeit zu begrenzen, um große Versammlungen bei Beerdigungen zu vermeiden."

"Nie so streng wie im Westen"

Dies hat sich als leichter gesagt als getan erwiesen, ob auf Friedhöfen oder auf der Straße.

Euronews-Korrespondent Damian Vodenitcharov kommentierte in Sofia: "Die neuen Bestattungsregeln spiegeln die Coronavirus-Maßnahmen in Bulgarien als Ganzes wider. Sie waren nie so streng wie sie es im Westen sind. Es gab nie eine vollständige Abriegelung, nicht einmal für Unternehmen."

Restaurants, Cafés und Einkaufszentren sind jetzt geschlossen, um große Menschenmengen zu vermeiden. Der Tourismus ist der am stärksten von Massenstornierungen betroffene Sektor. Unter dem wirtschaftlichen Druck öffnen jedoch langsam wieder Geschäfte, die auch nicht unbedingt notwendige Waren anbieten.

Die Arbeitslosenquote ist bereits um zwei Prozent gestiegen, und die Regierung wurde wegen ihrer langsamen Reaktion kritisiert.

Sozialer und wirtschaftlicher Tribut

Tomislav Donchev, der stellvertretender Ministerpräsident Bulgariens, sagte gegenüber Euronews: "Jede strenge Regel fordert ihren sozialen und wirtschaftlichen Tribut. Je strenger die Maßnahmen, desto mehr Unternehmen werden darunter leiden. Heute starten wir eine neue Maßnahme für kleine Unternehmen mit bis zu 15 Mitarbeitern. Sie werden Einmalzahlungen zwischen fünf und 10.000 Euro erhalten, um ihre Rechnungen oder was immer sie brauchen, zu bezahlen."

Seit Mittwoch ist in Bulgarien ein Anstieg der bestätigten Covid-19-Fälle zu verzeichnen. Bis zu diesem Freitagabend gab es nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität 41 Todesopfer. Es sind 846 bestätigte Infektionen registriert worden.

Zwei große Roma-Viertel in Sofia wurden unter Quarantäne gestellt. Während die Krankenhäuser noch weit davon entfernt sind, überlastet zu werden, verschärfen die Behörden die Kontrollen an Checkpoints, die rund um die Großstädte eingerichtet wurden.