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Macron besucht Beirut - Frankreich drängt auf Reformen

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Macron besucht Beirut - Frankreich drängt auf Reformen
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Beirut leidet noch immer unter den Folgen der verheerenden Explosion vom 4. August. 182 Menschen wurden getötet, mehr als 6000 Menschen wurden verletzt. Etwa 300 000 wurden obdachlos. Große Teile der Stadt sind stark beschädigt.

Das Unglück führte zu Protesten gegen die herrschende Elite. Die Bevölkerung im Libanon macht sie für Jahrzehnte der Korruption und Misswirtschaft verantwortlich. Das Kabinett ist zurückgetreten.

Bis jetzt haben politische Rivalitäten die Bildung einer neuen Regierung verhindert. Noch ist unklar, wer die schlimmste Wirtschaftskrise, die das Land seit Jahrzehnten heimgesucht hat, beenden kann. Mehr als 55 % der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.

"Mein Gehalt ist nichts wert, es deckt kaum die Telefon- und Stromrechnungen. Alle früheren Machthaber haben unser Geld gestohlen."

Bei seinem Besuch in Beirut, kurz nach dem Zwischenfall im Hafen, versprach der französische Präsident Emmanuel Macron dem libanesischen Volk, es nicht allein zu lassen. Macron wird nun in die Hauptstadt zurückkehren, um auf die Bildung einer neuen Regierung zu drängen. Er fordert Reformen, um den Weg frei zu machen für internationale Hilfe.

"Wir hoffen, dass er dafür sorgt, dass die Regierung Rechenschaft ablegt und das unsere Grundrechte gewahrt werden".

"Es entsteht eine neue Generation. Auch hier sollte der Präsident nicht mehr mit irgendeinem Beamten sprechen. Sie sind alle Lügner, sie sind alle Kriminelle".

"Wir brauchen die Expertise aus Frankreich in allen Bereichen, vor allem im Gesundheitswesen und gerade jetzt in der Elektrizitätskrise. Die derzeit Verantwortlichen können nicht den Weg zu einem neuen Libanon weisen".

Präsident Macron hat den libanesischen Regierungsvertretern bereits ein Konzeptpapier übermittelt, in dem die notwendigen Reformen skizziert werden, einschließlich einer Prüfung der Staatsfinanzen und der Umstrukturierung des Energiesektors.

Dazu Ökonomin Alia Moubayed:

"Frankreich hat eine Menge getan und schnell reagiert. Es hat den wichtigsten Institutionen, die von der Explosion und dem wirtschaftlichen Zusammenbruch betroffen waren, Hilfe geleistet. Aber noch wichtiger ist, dass es eine internationale Unterstützung des Libanon initiiert hat".

"Frankreich versucht, aus der politischen Sackgasse herauszukommen, indem es Zuckerbrot und Peitsche einsetzt, um das Verhalten der politischen Klasse so zu beeinflussen, dass es den Erwartungen der Bürger entspricht".

Der Besuch des französischen Präsidenten fällt mit dem hundertsten Jahrestag der Gründung des Staates Großlibanon zusammen.

"Wird der Besuch Macrons zu konkreten Lösungen führen und der lang erwartete Wendepunkt für einen besseren Libanon sein"?

Lea Fayad, Euronews