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Geht gar nicht oder doch? Schadenfreude über Trumps Covid19-Erkrankung

Trump in der britischen Presse
Trump in der britischen Presse   -   Copyright  Alberto Pezzali/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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Eine gute Übersetzung für das Wort "Schadenfreude" gibt es weder auf Englisch noch auf Französish. In beiden Sprachen darf man auch den deutschen Begriff "Schadenfreude" benutzen.

Ist Schadenfreude also etwas "Urdeutsches". #Schadenfreude trendet neben #TrumpHasCovid nach dem Bekanntwerden der Coronavirus-Infektion von US-Präsident Donald Trump.

Auf Twitter erinnern sich viele daran, dass Trump während einer Pressekonferenz zu Covid-19 überlegt hatte, ob man nicht Desinfektionsmittel injizieren könne. Schon damals gab es viel Spott für den US-Präsidenten.

Doch darf man sich über jemanden lustig machen, der sich mit einer potentiell gefährlichen oder gar tödlichen Krankheit angesteckt hat?

Donald Trump hatte sich 2016 öffentlich über seine politische Gegnerin Hillary Clinton mockiert, als die Demokratin an einer Lungenentzündung litt.

Das war auf den Tag genau vier Jahre vor seiner eigenen Erkrankung.

Ob sich Trump jetzt wohl mit Desinfektionsmittel behandeln lässt?

Der Kulturwissenschaftler Rainer Stollmann von der Universität Bremen erklärt, dass Schadenfreude im menschlichen Wesen angelegt sei - als "eine fast humane Reaktion auf vorausgegangene Grausamkeiten. (...) In diesem Fall trifft sie ja wohl auch den Richtigen. (...) Das ist, als ob der Virus dem Präsidenten einen Streich gespielt hat. Er hat ihn lange geleugnet, er will nichts davon wissen, und dann erwischt's ausgerechnet ihn. Das ist doch wie ausgleichende Gerechtigkeit."

"Das Rad dreht sich" meint ein Twitter-User und teilt den Videoausschnitt aus der TV-Debatte, in dem sich Trump über Herausforderer Biden lustig macht, weil dieser laut Trump "die größte Maske, die ich je gesehen habe", trage.

Schadenfreude erfüllt wichtige psychologische Bedürfnisse

Die Psychologin Lea Boecker von der Leuphana Universität Lüneburg meint, man empfinde erstens "eher Schadenfreude, wenn das Unglück einer Person passiert, die man als überlegen wahrnimmt". Dies gelte vor allem dann, wenn dieser Mensch seinen hohen Status "durch Dominanz und Einschüchterung erlangt" habe. Zweitens sei für Schadenfreude relevant, ob die betreffende Person "das Unglück verdient hat, weil sie vorher arrogant oder ignorant war". Und drittens sei mitentscheidend,"ob ich die Person mag oder nicht".

Zwar habe die Schadenfreude einen schlechten Ruf, aber die Forschung zeige laut Lea Boecker, dass dieses Gefühl "wichtige psychologische Bedürfnisse erfüllt", etwa nach Gerechtigkeit. Je extremer das Missgeschick oder Unglück des Anderen sei, desto mehr neigten Menschen aber dazu, "eher Mitleid zu empfinden als Schadenfreude".

Am Tag vor Bekanntwerden seiner Ansteckung hatte Trump noch eine Mütze in die Zuschauerränge einer Wahlkampfveranstaltung geworfen.

Besondere Genesungswünsche

Schauspieler Josh Gad wünscht Trump und dessen Frau, dass sie gesund werden, erinnert aber daran, dass der US-Präsident gemeint hatte, Covid-19 sein "ein Scherz".

"Spitting Image" hat sich eine besondere Botschaft von Boris Johnson ausgedacht, der ja zuvor schwer an Covid-19 erkrankt war.

Natürlich ist die Erkrankung von Donald Trump auch ein besonderer Moment für Humoristen.