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Zünglein an der Präsidentschaftswaage: Die historische Rolle der US-Latinos

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Eine US-Amerikanerin mit mexikanischen Wurzeln in einem Trailer-Park in Burlington, North Carolina
Eine US-Amerikanerin mit mexikanischen Wurzeln in einem Trailer-Park in Burlington, North Carolina   -   Copyright  Jacquelyn Martin/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.
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Erstmals in der Geschichte der USA werden die Latinos bei der Präsidentschaftswahl höchstwahrscheinlich zum Zünglein an der Waage.

Sie stellen mittlerweile vor den Afroamerikanern die größte Minderheit im Land. Die Zahl der Wahlberechtigten wird auf 32 Millionen geschätzt. Das entspricht gut 13 Prozent aller Wählerinnen und Wähler in den USA.

Vor allem in sogenannten Swing States wie Florida und Pennsylvania werden sie sowohl von der Republikanischen als auch der Demokratischen Partei umworben. Aber mit welchen Themen und Wahlversprechen können die Parteien bei Latinos punkten?

Hauptsorgen: Wirtschaft und Gesundheit

Laut einer vom Pew Research Center durchgeführten Umfrage unterscheiden sich die Interessen und Sorgen der Latinos mehr oder weniger stark von denen des Durchschnittsbürgers in den Vereinigten Staaten.

Für achtzig Prozent der Latino-Amerikaner ist die Hauptsorge die Wirtschaft, ein Prozentpunkt mehr als beim Rest der Wahlberechtigten. Dahinter rangiert die Gesundheit beziehungsweise das Gesundheitssystem.

An dritter Stelle folgt die Coronavirus-Pandemie mit zweiundsiebzig Prozent, zehn Prozentpunkte mehr als der Rest. Und die Kluft ist noch größer, wenn es um Rassismus (52%/66%) oder den Klimawandel (42%/60%) geht.

Eher Demokraten als Republikaner

Zusammengefasst deuten diese Zahlen im Verbund mit anderen Umfragen darauf hin, dass Latinos grundsätzlich der Demokratischen Partei näher stehen. Auf nationaler Ebene sympathisieren zweiundsechzig Prozent mit der Burrito-Partei. Vierunddreißig Prozent bevorzugen den Elefanten.

Was die regionale Verankerung anbelangt, so ist Kalifornien mit Abstand der Bundesstaat mit den meisten lateinamerikanischen Wahlberechtigten, nämlich fast acht Millionen. Es folgen Texas mit 5,6 Millionen, Florida mit 3,1 Millionen, zwei Millionen in New York und 1,2 Millionen in Arizona.

Zwei von drei hispanischen Wahlberechtigten leben in einem dieser fünf Staaten, was das Gewicht ihrer Stimme erhöht. Obwohl sie auf nationaler Ebene nur dreizehn Prozent der Wählerschaft repräsentieren, sind es in New Mexico dreiundvierzig Prozent, in Kalifornien und Texas je dreißig Prozent, in Arizona vierundzwanzig Prozent und in Florida zwanzig Prozent der Wahlberechtigten.

Das Problem der Wahlberechtigung

Insgesamt bleiben die Latinos aber unterrepräsentiert, weil nur etwas mehr als die Hälfte der in den USA lebenden Hispanics wahlberechtigt sind. Keine andere ethnische Gruppe hat einen ähnlich geringen Anteil aufzuweisen.

Der Hintergrund ist klar: Millionen Mitglieder der hispanischen Gemeinschaft haben keinen Aufenthaltstitel. Außerdem liegt die Zahl der minderjährigen Latinos bei fast 20 Millionen, wodurch die Wählerschaft perspektivisch noch mehr an Bedeutung gewinnen wird.