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Auf ein letztes Tête-à-Tête: Lyon, Stunden vor dem neuen Lockdown

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Auch dieser Geschäftsinhaber schaut traurig drein: Sein Lyoner Laden gehört zu den "nicht unentbehrlichen Geschäften", die schließen müssen
Auch dieser Geschäftsinhaber schaut traurig drein: Sein Lyoner Laden gehört zu den "nicht unentbehrlichen Geschäften", die schließen müssen   -   Copyright  Thibault Camus/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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Die letzten Runden vor dem Lockdown. Frédéric Fass führt ein Restaurant in der französischen Metropole Lyon und muss seinen Betrieb jetzt zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres vorübergehend schließen.

Diesmal für mindestens vier Wochen. Dabei liegt sein Umsatz schon jetzt 40 Prozent unter dem des Vorjahres. Das sorgt bei Fass für ständiges Kopfzerbrechen: "Die Frage, wie ich das wirtschaflich überleben soll, beschäftigt mich andauernd. Ich schlafe kaum noch. Bald brauche ich wohl Tabletten. Ich frage mich ständig, wie ich mich neu erfinden kann, wo die Reise hingeht, und wie ich die elf Arbeitsplätze retten kann, was das Wichtigste ist."

Es gebe keine andere Wahl als den zweiten Lockdown, hat Präsident Emmanuel Macron Mittwochabend in seiner TV-Ansprache festgestellt. Alle Intensivstationen würden spätestens Mitte November an ihre Grenzen stoßen. Restaurants, Bars und die meisten Geschäfte müssen in der Nacht zu diesem Freitag schließen.

Ein letztes Tête-à-Tête - vor dem Abschied

An diesem Donnerstag herrschte aber noch das pralle Lyoner Leben. Vor Restaurants bildeten sich Schlangen. Auch ein junges Paar wartete auf seinen Tisch, um Abschied voneinander zu nehmen.

Sie sagte: "Wir werden uns dann einen Monat nicht sehen, also genießen wir jetzt den Augenblick. So gut es eben geht."

Er versuchte zu lächeln: "Die Entscheidung ist angemessen, aber hart."

Sie: "Die Ausgangssperre hat nicht gewirkt."

Er: "Durch die Ausgangssperre gab` s Partys zu Hause inklusive Übernachtung."

"Dickköpfig und egoistisch!"

Die meisten Interviewten zeigten Verständnis für die harte Maßnahme und fühlten sich auch selbst in die Pflicht genommen.

Eine junge Frau meinte im Zentrum von Lyon auf einer der vollbesetzten Außenterrassen: "Wir Franzosen können dickköpfig und egoistisch sein, und beschweren uns dann über den Lockdown. Andere Nationen haben Maßnahmen besser eingehalten und so den Ausbruch begrenzt."

Auch ein junger Mann gab sich selbstkritisch: "Wir tragen alle Verantwortung, vor allem die jungen Leute, auch ich, weil wir uns auch während der Ausgangssperre abends getroffen haben. Jetzt müssen wir diese Ohrfeige akzeptieren. Das ist wie eine Bestrafung."

Im Gegensatz zum Frühjahr werden Schulen, Parks und Wochenmärkte in Lyon diesmal geöffnet bleiben. Firmen sind angehalten, allen Mitarbeitern Heimarbeit zu ermöglichen - soweit es geht.

Das Fazit von Euronews-Reporter Guillaume Petit nach seinem Rundgang durch Lyon: "Die Auswirkungen auf das soziale Leben.und die Wirtschaft werden heftig diskutiert. Jeder Monat der Abriegelung bedeutet einen Verlust von zwei Prozentpunkten des Bruttoinlandsprodukts. Aber die Regierung sagte, sie werde alles tun, was es koste, um den Unternehmen zu helfen, zum Beispiel durch die Finanzierung von Teilarbeitslosigkeit, aber auch durch die Unterstützung kleiner Unternehmen und freiberuflicher Arbeitnehmer. Der ganze Plan könnte den Staat 20 Milliarden Euro oder mehr kosten."