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Brutaler Polizeieinsatz schockiert Frankreich

Von Euronews mit dpa, AFP
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Brutaler Polizeieinsatz schockiert Frankreich
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Emmanuel Macron entsetzt

Der brutale Polizeieinsatz gegen einen schwarzen Musikproduzenten in Paris empört Frankreich. Selbst der Präsident ist entsetzt. Die Bilder seien "inakzeptabel", schrieb Emmanuel Macron am Freitag auf Twitter. Sie seien eine Schande. Hass oder Rassimus dürfe man nicht gedeihen lassen.

Die drei Beamten und ein weiterer Kollege wurden in Gewahrsam genommen und suspendiert, sie werden nun befragt. Innenminister Gérald Darmanin forderte ihre Entlassung, sollte das Fehlverhalten offiziell bestätigt werden. Die Polizisten hätten die Uniform der Republik beschmutzt so Darmanin. Am Montag muss sich der Minister in der Nationalversammlung zu den jüngsten Vorfällen erklären.

Polizeigewerkschaft Alliance fordert eingehende Ermittlungen

Die Polizeigewerkschaft Alliance fordert derweil eine gründliche Untersuchung. Gewerkschafts-Chef Fabien Vanhemelryck: "Solche Bilder kann man nicht billigen, sie schockieren alle, auch die Polizei. Aber wir haben als Polizei die Angewohnheit, uns nicht mit Bildern zufriedenzugeben. Denn oft stellen sich im Nachhinein noch andere Dinge heraus." Er wolle die Kollegen daher nicht voreilig an den Pranger stellen, so Vanhemelryck. Er habe Vertrauen in die Justiz.

Der Vorfall soll sich vergangenen Samstag ereignet haben. Auf Bildern einer Überwachsungskamera, veröffentlicht vom Magazin Loopsider, ist zu sehen, wie drei Polizisten mehrere Minuten lang auf den Musikproduzenten Michel Zecler einprügeln. Sie sollen ihn außerdem rassistisch beleidigt haben.

Einem Medienbericht zufolge war Zecler ohne Schutzmaske auf der Straße. Als er das Polizeiauto sah, sei er schnell in sein Studio gegangen. Die Beamten seien ihm gefolgt. Die Polizisten sagen, Zecler habe Widerstand geleistet und sei gewalttätig gewesen.

Diese Polizisten haben keinen Mist gebaut, sie sind Straftäter, die schwere Verbrechen begangen haben.
Hafida El Ali
Anwältin des Opfers

"Diese Polizisten haben keinen Mist gebaut, sie sind Straftäter, die schwere Verbrechen begangen haben", sagte die Anwältin des Musikproduzenten Hafida El Ali am Freitag dem Sender BFM TV. Sie hätten ihren Mandanten mehrfach mehrere Minuten lang geschlagen. Sie ist sich sicher, dass ihr Mandant ohne das Überwachungsvideo im Gefängnis säße.

Immer wieder Polizeigewalt in Frankreich

Immer wieder kommt es in Frankreich zu Polizeigewalt - oft aufgedeckt durch Videoaufnahmen. Vor einigen Tagen waren es Bilder der Räumung eines Migrantencamps in Paris, die viele empörten.

Während der "Gelbwesten"-Proteste etwa machten Bilder brutaler Polizeieinsätze die Runde. Die Sicherheitskräfte gingen mit Hartgummigeschossen auch gegen friedliche Demonstranten vor, mehrere Menschen wurden schwer im Gesicht verletzt, verloren ein Auge. Es gab internationale Kritik.

Im Januar starb ein Rollerfahrer nach einer Polizeikontrolle - seine Autopsie ergab einen Kehlkopfbruch. Auch hier zeigt ein Video den Vorfall. Die Vorfälle heizen die Debatte um ein Sicherheitsgesetz an, mit der die Regierung die Polizei besser schützen will und gleichzeitig Videoaufnahmen von Polizeieinsätzen einschränken möchte.