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Spahn und Lauterbach schließen erneuten Lockdown nicht aus

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Impfzentrum in Frankfurt
Impfzentrum in Frankfurt   -   Copyright  Michael Probst/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
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Bei der wöchentlichen Pressekonferenz zusammen mit dem RKI-Vizechef Lars Schaade und SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach hat der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn die Deutschen auf "ziemlich herausfordernde Wochen" eingeschworen. Angesichts der schnell steigenden Inzidenzwerte seien weitere Öffnungsschritte ausgeschlossen, möglicherweise seien sogar "Schritte rückwärts" nötig.

Noch immer gebe es in Europa nicht genug Impfstoff, um der dritten Welle mit einer ausreichenden Zahl Impfungen vorbeugen zu können. Es werde noch Wochen dauern, bis die Risikogruppen vollständig geimpft sind, so Spahn. Hausärzt:innen will der Gesundheitsminister möglichst schnell mit ins Boots holen - die Länder hatten diesen Schritt für Mitte April in Aussicht gestellt.

Für SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach ist eine Rückkehr zum Lockdown unvermeidbar. Aus seiner Sicht sollte man schnellstmöglich wieder in den Lockdown, "jede Woche, die wir länger warten, wird dazu führen, dass die Maßnahmen länger andauern werden" und: "aus epidemiologischer Sicht macht es keinen Sinn zu warten". Durch die dritte Welle sei Mitte April ein Inzidenzwert von 200 und eine Überlastung der Intensivstationen zu erwarten.

Sehen Sie unten die Pressekonferenz mit dem deutschen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), SPD-Gesundheitsexperten Dr. Karl Lauterbach und RKI-Vizechef Dr. Lars Schaade in voller Länge.

Neben dem Lockdown befürwortet Lauterbach die voranschreitende Zahl der Impfungen und großflächig eingesetzte Tests. Zwei Tests pro Person pro Woche in Firmen und Schulen würden ebenso dazu beitragen, die Neuinfektionen einzuschränken. Er warnte zudem vor Reisen. Denn dadurch könnten verstärkt Mutationen nach Deutschland eingeschleppt werden, die der dritten Welle weiter Aufwind geben könnten. Reiserückkehrer sollten unbedingt getestet werden.

RKI-Vizechef Lars Schaade erklärte, dass Deutschlands Neuinfektionszahlen sich wieder im Bereich des exponentiellen Wachstums befänden. So könne es gut möglich sein, dass es zu Ostern eine ähnliche Lage wie zu Weihnachten gebe. Gleichzeitig appellierte er an die Bevölkerung, von Reisen im In- und Ausland abzusehen, die AHA-L-Regeln konsequent einzuhalten und die Osterfeiertage im kleinen Familienkreis und mit den selben Personen zu verbringen.

EU-Staaten impfen wieder mit AstraZeneca

Nach dem grünen Licht der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) für den Einsatz von AstraZeneca starten an diesem Freitag in vielen EU-Staaten wieder die Impfungen mit dem Präparat.

Auch in Deutschland und Frankreich, allerdings mit einem neuen Warnhinweis zu möglichen Nebenwirkungen. Die EMA-Experten hatten zuvor die Sicherheit des Impfstoffes bekräftigt.

In Berlin und Paris hofft man nun, dass neuer Schwung in die stockenden Impfkampagnen kommt.

Spahn: "Informiertes Impfen"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betonte, das Aussetzen sei notwendig gewesen, um Sicherheit zu bekommen. Dies zeige, dass die Bürger darauf vertrauen könnten, dass sorgfältig geprüft werde.

"Ärztinnen und Ärzte ohne diese Information weiterimpfen zu lassen wäre aus unserer Sicht schwer zu verantworten gewesen."
Jens Spahn
Bundesgesundheitsminister

Das festgestellte Risiko werde weiterhin als geringer angesehen als die Folgen, die Nicht-Impfen habe. Wichtig für das Vertrauen sei aber "informiertes Impfen".

In die Aufklärungsbögen für Patienten solle schnellstmöglich das Risiko bei Frauen unter 55 Jahre eingefügt werden. Ärzte könnten eine erfolgte Aufklärung dazu vorerst auch handschriftlich ergänzen.

Impfkampagne "sofort wieder aufnehmen"

Der französische Gesundheitsminister Jean Castex sagte: "Die oberste Gesundheitsbehörde, die in Frankreich für die Formulierung von Anwendungshinweisen zuständig ist, wird ihre Empfehlung bezüglich des AstraZeneca-Impfstoffs aktualisieren, sodass wir die Impfkampagne Freitag Nachmittag sofort wieder aufnehmen können."

Spanien hingegen wird den Impfstoff nicht vor Mittwoch kommender verabreichen. Man wolle zunächst den Bericht der EMA überprüfen und überdenken, welchen Altersgruppen die Impfung künftig angeboten werden soll, wie die spanische Gesundheitsministerin Carolina Darias mitteilte. "Am Montag haben wir ein neues Treffen mit den Regionen, um festzulegen, welche Gruppen wir, basierend auf dem neuen Warnhinweis mit Astrazeneca in unserem Land impfen werden."

"Dann eben mit AstraZeneca"

AstraZeneca ist als dritter Corona-Impfstoff zugelassen worden und spielt eine wichtige Rolle in der gesamten Impfstrategie der EU. Weil das Präparat nicht so stark gekühlt werden muss, kann es auch gut von Hausärzten gespritzt werden.

Der vorübergehende AstraZeneca-Stopp hat jedoch die Vorbehalte vieler Menschen Corona-Impfstoffen gegenüber verschärft und Impfgegnern neuen Wind in die Segel gegeben.

"Ich persönlich traue dem nicht, ich werde mich nicht impfen lassen", sagt diese Frau au der Straße in Rom. "Ich weiß, dass das moralisch nicht ganz korrekt ist. Denn wenn jeder so denken würde wie ich, würde Corona niemals verschwinden, aber leider traue ich dem nicht."

Ein anderer Befragter sieht das anders: "Bei jedem Medikament gibt es ein gewisses prozentuales Risiko, auch bei diesem. Drücken wir die Daumen. Ich werde mich auf jeden Fall impfen lassen. Und wenn das mit AstraZeneca geschehen muss, dann werde ich eben AstraZeneca bekommen."

Inzidenzwert steigt weiter deutlich

Derweil läuft beim Impfen der Wettlauf gegen die Zeit: Die dritte Corona-Welle zeichnet sich immer deutlicher ab. Das RKI meldet am Freitag 17.482 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter deutlich auf 95,6. Am Vortag lag der Wert bei 90.

Außerdem wurden 226 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit einer Ansteckung registriert. Die Gesamtzahl erhöhte sich damit auf 74.358.