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Pinker Periodenhandschuh: "Pinky Gloves" sorgen für Riesen-Shitstorm

Tampons mit einem pinken Latexhandschuh entsorgen? Absolut "unnötig", findet die Netzgemeinde.
Tampons mit einem pinken Latexhandschuh entsorgen? Absolut "unnötig", findet die Netzgemeinde.   -   Copyright  LOIC VENANCE/AFP or licensors
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Zwei Männer, eine Idee, ein Shitstorm: So lässt sich die Geschichte der "Pinky Gloves" zusammenfassen. Ein pinker Latexhandschuh, mit dem Frauen benutzte Tampons entnehmen und entsorgen können. "Geruchsfrei", "diskret" und "hygienisch", werben die Erfinder. "Unnötig" und "sexistisch", so das Urteil der Netzwelt.

Vorgestellt haben die beiden Unternehmer ihren Menstruationshandschuh in der Vox-Gründershow "Höhle der Löwen". Als "echte Frauenversteher" stellten sich die beiden Ex-Bundeswehrsoldaten in der Sendung vor. Ihre Hoffnung: Investoren anzulocken. Erreicht haben sie das Gegenteil: Eine Welle der Kritik, die sich gewaschen hat.

Die Idee: "Geruchsfrei" und "diskret"

Aber was steckt eigentlich hinter den "Pinky Gloves"? Es handelt sich um pinke Einweghandschuhe, die übergezogen werden können, um einen Tampon oder eine Binde zu entfernen.

Danach wird das benutzte Hygieneprodukt darin eingewickelt und der Handschuh dient als blicksicherer Müllbeutel. Laut den beiden Unternehmern die "ideale Lösung", wenn während der Periode mal kein Mülleimer zur fachgerechten Entsorgung zur Verfügung steht, etwa auf "einem Festival oder auf Reisen".

Die Kritik: "Stigmatisierend" und "unnötig"

Schon während die beiden Erfinder ihr Produkt in der Sendung vorstellten, äußert sich die weibliche, aber auch männliche Twitter-Gemeinde empört.

"Stigmatisierend", "ausgerechnet pink", so einige der Kommentare, mit denen vor allem Userinnen ihrem Ärger unter dem Hashtag #PinkyGate Luft machen. "Zwei Männer erfinden was speziell für Frauen, dabei kommt selten Gutes raus", heißt es in einem anderen Post.

Die Kritik: Die beiden Erfinder würden mit ihrem Produkt die "Lösung" für ein Problem erfinden, das es gar nicht gebe. Und einmal mehr die weibliche Monatsblutung als etwas Unhygienisches darstellen, das es "diskret" zu verstecken gelte.

Die pinken, als "Handtaschen-Must-Haves vermarkteten Handschuhe" seien ein Paradebeispiel für "patriarchales Design". Auch das Müllproblem sprechen viele an. Seit Jahren werde versucht nachhaltigere Alternativen zu Tampons und Binden wie etwa Menstruationstassen anzubieten. "Pinky Glove" gehe voll gegen diesen Trend, verursache viel unnötiges Plastik und damit Müll.

Die Entschuldigung: "Das war ein großer Fehler"

Die beiden Gründer und auch ihr Investor Ralf Dümmel haben sich inzwischen auf Instagram entschuldigt. "Uns ist durch die vielen Kommentare von Euch klar geworden, dass es ernstzunehmende Kritikpunkte gibt, derer wir uns einfach nicht bewusst waren, obwohl wir es hätten sein müssen. Wir haben uns nicht ausreichend und richtig mit dem Thema auseinandergesetzt. Das war ein großer Fehler", heißt es in dem Statement der "Pinky Gloves"-Erfinder.

Menstruation sei ihrer Meinung nach "selbstverständlich etwas ganz Natürliches" und niemand müsse sich "dafür schämen". Das Gute an der Situation sei, dass durch den Fehltritt eine gesellschaftliche Debatte losgetreten worden sei.

Denn ihre eigentliche Absicht sei es gewesen, das Thema Menstruation nicht zu verstecken, sondern ganz im Gegenteil zu enttabuisieren. Für viele Instagram- und Twitteruserinnen haben sie es mit dieser Stellungnahme noch schlimmer gemacht.

"Bitte brüstet euch nicht damit, dass durch euren Fehltritt 'jetzt' der wichtige gesellschaftliche Diskurs geführt wird und es 'jetzt' schnelle Aufklärung und Wissenszuwachs gibt. Den Diskurs gab es schon vor euch! Ihr habt nur nicht zugehört", heißt es in einem Kommentar.