Eilmeldung
Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Steckt ein Berliner (53) ganz allein hinter den Drohschreiben NSU 2.0?

Demonstrantin mit Schild in Wiesbaden, 21.07.2020
Demonstrantin mit Schild in Wiesbaden, 21.07.2020   -   Copyright  Arne Dedert/dpa via AP
Schriftgrösse Aa Aa

Ein 53 Jahre alter Mann ist in Berlin bei einer Wohnungsdurchsuchung festgenommen worden. Laut Medienberichten wurde er "in flagranti" an seinem Computer sitzend angetroffen. Gegen den Deutschen besteht der dringende Verdacht, dass er "seit August 2018 unter dem Synonym "NSU 2.0" zahlreiche Drohbriefe mit volksverhetzenden, beleidigenden und drohenden Inhalten" verschickt habe. Das teilten die Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Main) und das Kriminalamt des Bundeslandes Hessen mit.

Die Drohschreiben gingen vor allem an Personen des öffentlichen Lebens, darunter Politiker und Medienvertreter. Die Schreiben hatten mehrfach Insiderwissen aus Polizeikreisen offenbart, so stammten die Adressen der Opfer aus Polizeicomputern.

Der erwerbslose Mann, der nun festgenommen wurde, war in der Vergangenheit bereits wegen rechtsmotivierter Straftaten rechtskräftig verurteilt worden. Bei der Wohnungsdurchsuchung konnten auch Datenträger sichergestellt werden. Die Beamten ermitteln zudem wegen des Verdachts der Volksverhetzung, des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, der Bedrohung sowie der Beleidigung.

Der hessische Innenminister Peter Beuth sprach von einem herausragenden Erfolg. Der CDU-Politiker sagte: "Nach allem, was wir heute wissen, war nie ein hessischer Polizist für die NSU 2.0-Drohmailserie verantwortlich." Wie der HR berichtet, sieht Hessens Oppositionspartei SPD das anders. Solange mögliche Verbindungen zwischen dem mutmaßlichen Täter und möglichen Helfern bei der Polizei nicht ausermittelt seien, sei auch der Komplex "NSU 2.0" nicht abgeschlossen,

Wie der Verdächtige an die geheimen Polizeidaten gekommen ist, ist noch nicht klar. Die Ermittler vermuten, dass er sich diese durch Anrufe oder Anfragen erschlichen haben könnte, indem er sich selbst für einen Polizeibeamten ausgegeben haben könnte.

Unter den Opfern der Drohschreiben von NSU 2.0 war die Anwältin Seda Basay-Yildiz, die auch beklagt hatte, dass sie von den hessichen Behörden nicht genug unterstützt wurde.

Die Zahl der versandten Drohbriefe beläuft sich auf über 100. Sie alle waren mit "NSU 2.0" unterzeichnet.

NSU steht für "Nationalsozialistischer Untergrund"- diesen Namen hatten sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gegeben, die zwischen 2000 und 2007 zusammen mit der inzwischen inhaftierten Beate Zschäpe, für den Mord an zehn Deutschen, die meisten davon mit Migrationshintergrund, verantwortlich gemacht wurden. Die beiden Männer hatten sich 2011 selbst umgebracht, nachdem sie von der Polizei entdeckt worden waren. Als Mittäterin wurde Beate Zschäpe, die sich gestellt hatte, 2018 zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt.