Eilmeldung
Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Der "nette Herr Laschet": Kann er die Union zum Sieg führen?

euronews_icons_loading
Musste sich in seiner Karriere oft gegen Konkurrenten durchsetzen: Armin Laschet.
Musste sich in seiner Karriere oft gegen Konkurrenten durchsetzen: Armin Laschet.   -   Copyright  Markus Schreiber/ Associated Press
Schriftgrösse Aa Aa

Armin Laschet könnte der erste christdemokratische Kanzlerkandidat sein, der gegen eine Grüne verliert: Schon seine Nominierung verlief mit dem Kräftemessen gegen CSU-Chef Markus Söder unglücklich und seit dem macht er auch in den Umfragen keine gute Figur. Jetzt rutschte die Union sogar knapp hinter die Grünen, die seit der Nominierung von Annalena Baerbock nur dazugewinnen. Trotzdem machte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident jetzt klar: Auch wenn ich die Wahl verliere, gehe ich nach Berlin. Schon wird spekuliert, ob er Vizekanzler werden würde und wer in Düsseldorf seine Nachfolge antreten könnte. Wer ist der Mann, der versucht, das Ruder für die noch größte deutschen Volkspartei rumzureißen?

Aachener und Katholik

Armin Laschet ist Aachener, Katholik und seit seiner Jugend Christdemokrat. Er wurde 1961 als ältester von vier Brüdern im Aachener Stadtteil Burtscheid geboren, wo er bis heute mit seiner Frau lebt. Laschet ist Vater von drei erwachsenen Kindern.

Er ist ein typisches Kind seiner Region: Laschets Vater ist bei dessen Geburt noch Bergmann, später macht er eine Umschulung zum Lehrer und wird Rektor einer Grundschule. Seine Mutter ist Hausfrau. Als echter Aachener liebe er den Karneval und sei sehr vom katholischen Glauben und christlichen Werten geprägt, wie der 60-Jährige über sich selbst schreibt. Laschet war Messdiener, leitete Jugendgruppen in der Kirche und lernte seine Frau Susanne Malangré schon im Kinder- und Jugendchor kennen. 1985 heiratet das Paar. Damals ist der Onkel seiner Frau, Kurt Malangré, Aachener Oberbürgermeister.

Von Anfang an gut vernetzt

Der heutige nordrhein-westfälische Ministerpräsident, CDU-Chef und Kanzlerkandidat ist damit bereits damals und nicht nur durch seine Ehe exzellent vernetzt: Während seines Jura-Studiums in München und Bonn ist er Mitglied katholischer Studentenverbindungen und wird von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert.

Laschet knöpfte während seines Studiums in den 80er-Jahren in Bonn Kontakte in die Politik: Er war studentischer Mitarbeiter eines Aachener Abgeordneten und wurde später wissenschaftlicher Mitarbeiter der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, ebenfalls bekennende Katholikin. Nach seinem Studium wird er 1989 mit 28 der jüngste Ratsherr Aachens. Gleichzeitig arbeitet er als Journalist, unter anderem für die Kirchenzeitung des Bistums Aachens, die vom Einhard Verlag herausgegeben wird, dessen geschäftsführender Gesellschafter sein Schwiegervater war. Laschet steigt in dem Verlag in den 90ern zum Verlagsleiter und Geschäftsführer des Verlages auf.

Integrationsminister: Der "nette Herr Laschet" kritisiert die CDU

Eine Zeit lang ist Laschet Journalist und Politiker: Während seiner Zeit im Einhard-Verlag ist er auch Bundestags-Abgeordneter, 1999 wird er ins Europa-Parlament gewählt. 2005 wird er Minister für Familie, Integration und Frauen in Nordrhein-Westfalen unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Vor allem mit dem Thema Integration macht er sich einen Namen: Er fordert, "Menschen mit Zuwanderungsgeschichte", wie er es formuliert, bessere Aufstiegschancen zu ermöglichen.

Laschet kritisiert die Integrationspolitik seiner CDU der vergangenen Jahrzehnte, sagt, die CDU müsse akzeptieren, dass Deutschland ein "Einwanderungsland" sei und schreibt ein Buch mit dem Titel: "Die Aufsteiger-Republik. Zuwanderung als Chance." Nicht nur FAZ bezeichnet ihn 2010 als "den netten Herrn Laschet", auch in der Partei wurde er schon mal so genannt. Er wirbt für die doppelte Staatsbürgerschaft und sympathisiert mit den Grünen. Laschet gehörte zur sogenannten "Pizza Connection", einem Kreis aus grünen und CDU-Abgeordneten, die sich in den 90ern zum Austausch in einem italienischen Restaurant in Bonn trafen.

Bei seinem Weg an die Spitze hatte Laschet immer harte Konkurrenz: 2010 trat Rüttgers als Ministerpräsident und NRW-CDU-Vorsitzender nach einer Wahlschlappe zurück. Laschet wollte Landeschef werden, unterlag aber gegen Norbert Röttgen bei einer Mitgliederbefragung. Seine Stunde kam, als Röttgen 2012 die Landtagswahl verlor. Auch die Wahl zum CDU-Bundesvorsitzenden im Januar war alles andere als ein Spaziergang, er siegte nur knapp gegen Friedrich Merz und dann kam das tagelange Tauziehen um die Kanzlerkandidatur der Union mit CSU-Chef Markus Söder.

Wie katholisch ist Laschets Politik?

Anfang 2018, nach der letzten Bundestagswahl, gab es Stimmen in der Union, die einen Kurs nach Rechts forderten, um Wähler*innen der AfD wiederzugewinnen. Laschet wetterte dagegen: "Wir müssen deutlich machen, dass der Markenkern der Christlich Demokratischen Union eben nicht das Konservative ist, sondern dass das christliche Menschenbild über allem steht", sagte er gegenüber der FAS. Er gilt als Vertreter des liberalen Merkel-Kurses.

Zu familien- und kirchenpolitischen Themen hat er aber eine ganz klar katholische Haltung: Er war gegen die Homo-Ehe. Gegenüber einem queeren Magazin vertrat er die Auffassung, gleichgeschlechtliche Ehen seien per Grundgesetz verboten. Als NRW-Integrationsminister soll er 2007 demnach LGBTI-Aktivist*innen von einer Veranstaltung zum "Europäischen Jahr der Chancengleichheit für alle" ausgeladen haben.

Zudem lobte er den Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsfällen und sprach sich auch kürzlich wieder für eine kircheninterne Aufklärung von Vorwürfen aus. Außerdem wird über die Rolle seines angeblich einflussreichsten Beraters Nathanael Liminski spekuliert. Liminski gilt als erzkatholisch, sagte einmal, dass ihm einige Homosexuelle leid täten und Abtreibungen nur in Ausnahmen ethisch vertretbar seien.

Und sonst?

Die CDU hat noch kein Wahlprogramm herausgegeben. Wir greifen hier einige Positionen, die Laschet bisher vertreten hat, heraus:

Klima

Laschet ist bei Klimaschützer*innen vor allem im Umgang mit dem Hambacher Forst unangenehm aufgefallen. 2018 leitete die Landesregierung in NRW die Räumung des Waldgebietes ein, das seit Jahren von Aktivist*innen besetzt war, um eine Rodung für den Braunkohleaabbau zu verhindern. Jetzt sagte Laschet, er könne sich einen Kohleausstieg auch schon vor 2038 vorstellen. Das ist das Jahr, in dem die Bundesregierung definitiv die Kraftwerke definitiv stilllegen will.

Corona-Pandemie

Laschet ist ein Befürworter der gerade beschlossenen Erleichterungen für Geimpfte. In den ersten Monaten der Corona-Krise machte er sich einen Namen als "Lockerer", was Kanzlerin Angela Merkel am Ende der ersten Welle im vergangenen Frühjahr dazu veranlasste, vor "Öffnungsorgien" zu warnen. Etwa ein Jahr später forderte er an Ostern einen "Brücken-Lockdown" für mehrere Wochen, um die Inzidenz unter 100 zu bringen. Ein Vorschlag, der von seinen LänderkollegInnen als unausgegoren kritisiert wurde.

Zudem gibt es Unmut über einen Maskendeal mit dem Modeunternehmen Van Laack. Laschets Sohn Johannes "Joe" Laschet ist Mode-Influencer und Van Laack dessen Werbepartner. Laschet Junior stellte im vergangenen Frühjahr den Kontakt zu Van Laack her. Die Firma lieferte Masken und Schutzkittel, über deren Qualität es in der Vergangenheit Klagen gab. Jetzt sollte sie erneut beauftragt werden. Eine Unternehmerin hatte dagegen geklagt und Recht bekommen. Der Auftrag muss neu ausgeschrieben werden.