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Evros: Metallzaun und Hochtechnologie gegen illegale Migranten

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Evros: Metallzaun und Hochtechnologie gegen illegale Migranten
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Eine neue Stahlwand, ähnlich dem Bau an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, blockiert häufig benutzte Übergänge entlang des Evros-Flusses. Wachtürme werden mit Fernkameras, Nachtsichtgeräten und Hochtechnologie-Sensoren ausgestattet – die „Mauer“ am griechischen Grenzfluss Evros zur Türkei, seit Oktober 2020 in Bau, nimmt Gestalt an. In den ruhigen Monaten der Coronavirus-Pandemie wurden an der 200 Kilometer langen Grenze zahlreiche physische und experimentelle neue digitale Barrieren installiert und getestet, um die illegale Einreise von Menschen in die Europäische Union (EU) zu verhindern.

So kann die griechische Grenzpolizei ohrenbetäubenden Krach von einem gepanzerten Lastwagen über die Grenze in die Türkei schießen. Die “Schallkanone” hat die Größe eines kleinen Fernsehgeräts, kann jedoch der Lärm machen wie ein Düsentriebwerk im Flieger.

Polizeimajor Dimosthenis Kamargios, Leiter der Grenzschutzbehörde der Region:

"Wir sind bereit. Unsere neuen Überwachungssysteme liefern ein klares Bild vor der Grenze, und wir sind bereit, unsere Streitkräfte auf unserer Seite an die Stellen zu lenken, in denen ein Massen-Grenzübertritt (durch Migranten) versucht werden könnte. Mit neuen Systemen wie der Schallkanone und gepanzerten Fahrzeugen können wir sie daran hindern.“

DROHNEN UND SCHALLKANONEN

In den fünf Jahren bis 2020 waren insgesamt 1,2 Millionen Geflüchtete von der Türkei nach Griechenland gelangt. Die neue Mauer aus Stahlelementen wird 27 Kilometer lang sein, fünf Meter hoch. Kosten: 63 Millionen Euro. Acht Wachtürme dienen dazu, die Grenze vor Ort aus der Luft im Auge zu behalten.

Patrick Breyer, MEP deutsche Piratenpartei:

"Was wir an den Grenzen und bei der Behandlung von Ausländern sehen, ist oft ein Testfeld für Technologien, die später auch bei Europäern eingesetzt werden.“

Wie sehr sich die Stimmung in der lokalen griechischen Bevölkerung nach anfänglicher Sympathie gegen die Geflüchteten gedreht hat, offenbarte sich vor gut einem Jahr. Am Evros entzündete sich eine schwere Krise zwischen der EU und der Türkei. Die Bewohner von Grenzorten unterstützten die griechischen Einsatzkräfte. Nachts patrouillierten Landwirte mit ihren Traktoren gemeinsam mit Uniformierten am Fluss. Die Frauen stellten Esspakete zusammen und verteilten sie an die Soldaten, Grenzwächter und Polizisten.

Nachdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verkündet hatte, die Grenze nach Griechenland werde geöffnet, strömten tausende Menschen ab Ende Februar 2020 an den Grenzübergang Kastanies.

Erdogan drohte damit, „Millionen“ Migrant:innen nach Europa zu schicken.

“Wir haben einen Nachbarn, der immer aggressiv ist
Athanasios Pemousis
Direktor der Gemeindeverwaltung von Poros und Ferres

Athanasios Pemousis, Direktor der Gemeindeverwaltung von Poros und Ferres:

“Wir haben einen Nachbarn, der immer aggressiv ist. Kompromissbereitschaft gibt es nie. Nur eine aggressive Haltung. Wir sind immer in Verteidigungsposition und müssen etwas tun, um uns zu verteidigen.”

Nach Zusammenstößen hatten türkische Behörden Ende März 2020 die an der Grenze Gestrandeten vom Evros wieder ins Landesinnere gebracht.

Andererseits stieg die Migrantenbevölkerung weltweit zwischen 2000 und 2020 (UNO) um mehr als 80% auf 272 Millionen – rapider als die Weltbevölkerung insgesamt.

su mit AP