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Delta-Variante: Viruslast laut Studie "mehr als 1.000 Mal höher"

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Von Euronews mit AFP
Auf einer Terrasse in Versailles im Westen von Paris
Auf einer Terrasse in Versailles im Westen von Paris   -   Copyright  Michel Euler/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
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In Frankreich erregt eine Studie zur Delta-Variante des Coronavirus, die in der Fachzeitschrift NATURE erschienen ist enormes Aufsehen, da sie neben Experten auch Politiker zitieren. Sie erklären die explodierende Zahl der Neuinfektionen damit, dass die Viruslast der inzwischen vorherrschenden Mutation 1.000 Mal höher sei als beim Ursprungsvirus.

Es handelt sich um eine Studie aus China, die die Hypothese aufstellt, dass mit der Delta-Variante "infizierte Menschen viel mehr Virus produzieren als diejenigen, die mit dem ursprünglichen SARS-CoV-2 infiziert sind, wodurch es sich sehr leicht verbreiten lässt." Nach ihren Schätzungen könnte die Delta-Variante mehr als doppelt so übertragbar sein wie der ursprüngliche SARS-CoV-2-Stamm.

Die Viruslast von Menschen, die mit der Delta-Variante infiziert sind, sei "eine bis zu 1.260-mal höhere Viruslast als die von Menschen, die mit dem ursprünglichen Stamm infiziert sind", stellt die chinesische Studie fest, die unter der Leitung des Epidemiologen Jing Lu vom Guangdong Provincial Centre for Disease Control and Prevention in Guangzhou durchgeführt wurde.

Diese Arbeit basiert auf der Nachbeobachtung von 62 Personen, die nach ihrer Covid-19-Erkrankung unter Quarantäne gestellt wurden und zu den ersten Menschen auf dem chinesischen Festland gehörten, die mit dem Delta-Stamm infiziert wurden. Die Viruslast dieser Personen wurde mit 63 anderen Personen verglichen, die sich im Jahr 2020 mit dem ursprünglichen SARS-CoV-2-Stamm infiziert hatten.

Höhere Viruslast und schnellere Inkubation

Neben der Komponente der Viruslast beschleunige ein weiterer Faktor die Ausbreitung der Delta-Variante: Die Inkubationszeit sei kürzer als beim ursprünglichen Stamm. "Das Virus war bei Menschen mit der Delta-Variante vier Tage nach der Ansteckung erstmals nachweisbar, verglichen mit durchschnittlich sechs Tagen bei Menschen, die mit dem ursprünglichen Stamm infiziert waren", schreiben die Forscher.

Die große Menge des Virus in den Atemwegen bedeutet offenbar, dass sehr wahrscheinlich noch mehr Menschen infiziert werden und dass die Menschen schon früher nach der Ansteckung beginnen, das Virus zu verbreiten.

Allerdings ist laut Nature "noch nicht bekannt, ob [die Variante] mit größerer Wahrscheinlichkeit eine schwere Krankheit verursacht als der ursprüngliche Stamm."

Die Verbreitung der Delta-Variante bereitet weltweit Sorgen. Die Covid-19-Pandemie hat in der vergangenen Woche weltweit um 9%, in Europa um 26% und in den USA um 60% zugenommen, wie AFP berichtet.

In Frankreich hat sich die Zahl der täglichen Fälle durch die Delta-Variante von einer Woche auf die nächste mehr als verdoppelt. "Wir werden bis Anfang August wahrscheinlich 50.000 Neuinfektionen pro Tag erreichen", warnte Prof. Delfraissy, Präsident des wissenschaftlichen Rates in Frankreich. Darüber hinaus geht der Anstieg der Fälle "zum ersten Mal seit 15 Wochen" mit einem "Nettoanstieg der Hospitalisierungsrate (+55%) und der Anzahl der Patienten, die in Intensivstationen aufgenommen wurden (+35%)" einher, warnte die Gesundheitsagentur Santé publique France (SPF) in ihrem Wochenbericht.

"Rückkehr zur Normalität vielleicht 2022, 2023"

Für Professor Delfraissy, der vom TV-Sender BFM interviewt wurde, gibt es "kein Wundermittel" gegen die Delta-Variante. Er fordert eine Rückkehr zur strikten Einhaltung der Barrieremaßnahmen und das Tragen von Masken im Freien. Der Präsident des wissenschaftlichen Rates glaubt, dass "wir wahrscheinlich eine weitere Variante haben werden, die im Laufe des Winters eintrifft", denn SARS-CoV-2 "hat außergewöhnliche Mutationskapazitäten".

Er fügte hinzu: "die Rückkehr zur Normalität kommt vielleicht 2022, 2023".

Selbst "wenn Sie geimpft sind und sich in einer Menschenmenge befinden, tragen Sie die Maske", betonte Delfraissy und sagte, dass "es kein Problem von Vorschriften ist, sondern ein Problem des gesunden Menschenverstandes". "In der Region Paris trage ich immer noch eine Maske, aber auf dem Lande trage ich sie nicht", sagte er. Durch die Anwendung all dieser "einfachen Vorsichtsmaßnahmen" sollte es möglich sein, "wahrscheinlich 20 Prozent weniger Krankenhauseinweisungen zu haben", hoffte er - trotz Delta-Variante.