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Streit in Europa um die Nachhaltigkeit der Atomkraft

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Von Stefan Grobe  & Meabh McMahon
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Streit in Europa um die Nachhaltigkeit der Atomkraft
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Soll die Atomkraft im grünen Investitionsprogramm der EU mit dem Label "nachhaltig" versehen werden? Das ist die große Frage.

Die EU will den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 55 Prozent senken. Da sind viele Mitgliedsstaaten verunsichert, wenn es um die Kernenergie geht. Denn diese taucht in den jüngsten Vorschlägen der Kommission praktisch nicht auf.

Für Anti-Atom-Aktivisten ist die Sache klar: Die nukleare Energie hat mit "Nachhaltigkeit" nichts zu tun.

Atomkraft könne auf dem Strommarkt nur mit gewaltigen Subventionen existieren, sagt Jörg Schellenberg von der Initiative "Stop Tihange". Daher könne sie nicht Teil eines Konzepts mit erneuerbaren Energien sein. Die Idee, neue Atomkraftwerke zu bauen, sei also nicht sehr intelligent.

Doch osteuropäische Mitgliedsstaaten von Polen bis Bulgarien lassen gerade neue Kernkraftwerke bauen. Traditionell setzten die Länder ganz auf die Steinkohle, und ein Ausbau der Kernenergie werde ihre Länder grüner und sauberer machen, lautet ihr Argument.

87 EU-Abgeordnete stimmen dem zu. In einem Brief an die Kommission forderten sie kürzlich nicht weniger Atomkraft sondern mehr. In dieser Woche schlossen sich dem 18 europäische Gewerkschaften an.

Samuel Furfari stimmt zu. Der Professor für die Geopolitik von Energie an der Freien Universität Brüssel sagt, Europa könne es sich nicht leisten, sich von einer derart sauberen und zuverlässigen Energiequelle wie der Atomkraft zu verabschieden.

Energie sei ein kompldexes Thema, und wir bräuchten jede Form von Energie, Wind, Solar, Wasserstoff, Biomasse, Kohle, Gas und Atomkraft. Doch die Kommission wolle nur Wind und Solar - das sei die falsche Strategie.

Doch Länder wie Deutschland und Österreich widersetzen sich dem, ebenso die öffentliche Meinung. Umstritten oder nicht, die Atomkraft macht ein gutes Viertel des Energiemixes in der EU aus.

In Belgien sorgt die Kernenergie seit 50 Jahren für Kontroversen. Nun sollen alle Nuklearanlagen nach und nach still gelegt werden. Eine Mammutoperation, die mehr als 20 Jahre dauern könnte.

Unterdessen warten die Staaten Osteuropas auf die Entscheidung der Kommission in Sachen Atomkraft und Nachhaltigkeit. Diese Entscheidung soll bis zum Jahresende fallen.