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Die EU-Länder im Vergleich: Wer impft schneller gegen Covid-19?

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Von Euronews
Die nationalen Impfkampagnen in Europa gehen in unterschiedlichem Tempo voran.
Die nationalen Impfkampagnen in Europa gehen in unterschiedlichem Tempo voran.   -   Copyright  AP

Experten sind sich einig: Der Ausweg aus dem Covid-19-Albtraum besteht darin, so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich zu impfen. Doch wo zunächst nur zwei Impfungen zur "vollständigen Immunisierung" notwendig waren, wurde angesichts der Omikron-Welle schnell klar, dass nur eine dritte Impfung Menschen vor schweren Verläufen und Krankenhäuser vor Überfüllung schützen kann.

Anfangs lag Großbritannien in Bezug auf die absolute Zahl der Impfungen vorn. Das Land hatte seinen ersten COVID-19-Impfstoff am 2. Dezember 2020, also fast drei Wochen vor der EU, zugelassen. Ein halbes Jahr später hatten mehrere Länder die Briten beim Impftempo eingeholt.

Europa befindet sich in diesem Winter mitten in der vierten Welle - in Frankreich spricht man wegen der vielen Infektionen während der Sommerferien sogar von der fünften Welle. 

In allen europäischen Ländern wird die Bevölkerung zu Auffrisch-Impfungen aufgefordert, in einigen Ländern - darunter Deutschland und Österreich - soll auch eine allgemeine Impfpflicht bald kommen.

In Deutschland haben zahlreiche Impfzentren mit Hilfen des Bundes wieder geöffnet, die neue Bundesregierung fordert die Menschen auf, sich so schnell wie möglich "boostern" zu lassen. Das gilt für alle bereits geimpften Personen und wird drei Monate nach der zweiten Impfung empfohlen. Kanzler Olaf Scholz sagte am 16. Januar, 75 Prozent der Deutschen seien mindestens ein Mal geimpft, das sei eine "wichtige Wegmarke. Als nächstes sollten wir die 80%-Marke anstreben", so Scholz.

Die dritte Dosis wird unter anderem notwendig, weil die entwickelten Impfstoffe weniger gut gegen die Delta-Variante des Coronavirus schützen. Im Dezember 2021 meldeten die Pharmaunternehmen dann, dass die bisherigen Impfstoffe auch gegen die Omikron-Variante, die Ende November in Südafrika entdeckt wurde, schütze.

Booster für alle - jetzt doch, und bitte zügig

Das anfängliche Zögern rund um die Drittimpfung in Deutschland wurde von vielen Gesundheitsexpert:innen und Politiker:innen kritisiert. In Deutschland wurde zunächst Menschen mit Vorerkrankungen und Angestellten in Pflegeeinrichtungen sowie Personal in medizinischen Einrichtungen mit Patientenkontakt die Drittimpfung empfohlen. Mittlerweile sind die Booster aber für alle verfügbar.

Gesundheitsexperten - etwa der Ständigen Impfkommission STIKO - hatten zunächst geraten, mit der Impfstrategie zu versuchen, die Menschen zu erreichen, die keine Erstimpfung erhalten haben und sich beim Boostern auf diejenigen zu konzentrieren, die es am Nötigsten haben.

Die Impfung kann in den meisten Fällen vor einer schweren Erkrankung mit Krankenhausaufenthalt sowie nach RKI-Angaben zu 94 Prozent vor Tod schützen.

Wie sieht die Lage in anderen Ländern in Europa aus? Wer impft am schnellsten gegen Covid-19?

Die Impfkampagne in Deutschland - sei es für Booster, Erst- und Zweitimpfungen - nimmt offiziellen Angaben zufolge wieder Fahrt auf.

Die nachfolgende Grafik zeigt den Anteil der doppelt geimpften Personen weltweit gemessen an der Gesamtbevölkerung. "Vollständig geimpft" heißt in vielen meisten Ländern noch doppelt geimpft, immer häufiger wird aber auch die Drittimpfung für den Erhalt des Status verlangt.

In Deutschland wurde mittlerweile auch der Corminaty-Impftstoff für Kinder von 5 bis 11 Jahren zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde hatte Corminaty (Biontech/Pfizer) Ende November für Europa zugelassen.

In der gesamten Weltbevölkerung sind nach Angaben von Our World in Data 59,9 Prozent der Menschen mindestens ein Mal geimpft. 9,68 Milliarden Dosen wurden weltweit verabreicht, und 32,92 Millionen werden jeden Tag verimpft.

Nur 9,5 % der Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen haben mindestens eine Dosis erhalten.

Wie viel Prozent der Bevölkerung ist vollständig geimpft?

Der Nachteil an dieser Grafik ist, dass sie mehr über die Impfstrategie eines Landes aussagt als über den Erfolg nach dem Start der Impfkampagne.

Die Impfstrategie einiger europäischer Länder sah zunächst vor, so vielen Menschen wie möglich eine Erstimpfung zu verabreichen und den Abstand zur Zweitimpfung maximal auszudehnen.

Vollständig geschützt = 3x geimpft

Das folgende Schaubild zeigt, wie viele Booster-Impfungen pro 100 Einwohner bisher verabreicht wurden. 

Sollen die Reichen mehr Rücksicht nehmen?

Schon oft wurden Vorwürfe laut, dass seit der Einführung der Corona-Impfungen deren Verteilung weltweit zu einer "Impfstoff-Apartheid" führt.

Die WHO hatte sich zunächst gegen die Auffrisch-Impfungen ausgesprochen, solange in vielen ärmeren Staaten nur wenige Menschen geimpft sind.

Um zu sehen, was in Europa passiert ist, haben wir das Pro-Kopf-BIP eines Landes mit der Anzahl der verabreichten Impfstoffe pro 100.000 Menschen verglichen.

Ein paar der ärmeren Länder - gemessen an den Standards der Europäischen Union - hat später mit den Impfungen begonnen und hat zudem weniger Menschen erfasst. Die Liste umfasst Länder wie die Ukraine, Moldawien, Albanien, Montenegro und Belarus.

Serbien und Luxemburg gehören zu den Ausreißern in der Tabelle.

Ersteres hat, gemessen an seinem Wohlstand, überdurchschnittlich oft geimpft.

Bei letzterem ist es genau umgekehrt: Es ist das reichste der vorgestellten Länder, hat aber eine unterdurchschnittliche Impfrate.

Gleiches Spielfeld?

Die Einschränkung bei vergleichenden europäischen Daten wie diesen ist, dass nicht jedes Land zur gleichen Zeit mit den Impfungen begonnen hat.

Die Übersicht weiter unten gibt einen Blick darauf, wer einen Vorsprung vor anderen Ländern hatte.

In Deutschland wurde die erste Corona-Impfung am 26. Dezember 2020 verabreicht. In Österreich war es der 27. Dezember 2020. In der Schweiz erfolgte der offizielle Impfstart am 4. Januar 2021.

Welche Gruppen wurden zuerst geimpft?

Ein weiterer interessanter Indikator ist, welche Personengruppe jedes Land als erste mit dem COVID-19-Impfstoff geimpft hat.

Die hier herangezogenen Länder teilen sich zu gleichen Teilen in medizinisches Fachpersonal und ältere Menschen auf. Während in Deutschland und Österreich Senior:innen in den Genuss der ersten Corona-Impfungen kamen, wurde in der Schweiz mit der Impfung "besonders gefährdeter Personen" begonnen. Dazu gehörten neben Senior:innen auch Pflegepersonal und "Personen mit chronischen Krankheiten mit höchstem Risiko, unabhängig vom Alter".

Die Türkei, Serbien, Tschechien und Bulgarien haben eine andere Strategie gewählt. Sie entschieden sich dafür, den Impfstoff zuerst an Politiker zu verabreichen. Damit sollen offenbar die Ängste einer impfskeptischen Bevölkerung zerstreut werden.

Weitere Quellen • Our World in Data