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"Nee, Freundchen": Warum Lindner auf Twitter für Empörung sorgt

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Von Euronews  mit tagesschau, Twitter
FDP-Chef Christian Lindner
FDP-Chef Christian Lindner   -   Copyright  Michael Sohn/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

FDP-Chef Christian Lindner wird an diesem Wochenende auf Twitter heftig für seine Aussage in den "Tagesthemen" zur Wirksamkeit von Kontabtbeschränkungen im Kampf gegen Covid-19 kritisiert.

Auf die Frage von Ingo Zamparoni, warum mit dem Auslaufen der epidemischen Notlage nationaler Tragweite auf Ausgangs- oder Kontaktbeschränkungen verzichtet werde, hatte Lindner geantwortet: "Weil diese Maßnahmen nach wissenschaftlichen Untersuchungen keine Wirksamkeit haben und weil auch deutsche Gerichte solche Ausgangsbeschränkungen ja bereits verworfen haben".

Damit sorgte der Politiker für heftigen Widerspruch - auch von der Physikerin Viola Priesemann. Sie schreibt: "Klarstellungen: (1) Die Aussage Geimpfte trügen nicht zur Übertragung bei ist und war nie korrekt. (2) Kontaktbeschränkungen haben natürlich eine Wirksamkeit gegen eine Übertragung. (3) Je nach Umsetzung haben auch Ausgangsbeschränkungen eine Wirksamkeit."

Nach dem Aufschrei hat Christian Lindner auf Twitter reagiert: "Wenn ich in den #tagesthemen missverständlich war, bedauere ich das. Denn ich werbe für konsequente und wirksame Maßnahmen! An Kontaktbeschränkungen zweifele ich nicht, sondern nur zum Beispiel an der Verhältnismäßigkeit von Ausgangssperren für Geimpfte. CL"

Anwalt Peter Hense hält die Reaktion des FDP-Chefs für nicht glaubwürdig. Er schreibt: "Nee, Freundchen. Das war kein Missverständnis. Das ist deine Linie, die du mit @MarcoBuschmann @Wissing und Kubicki ausgekaspert hast. Ihr wollt keine Kontaktbeschränkungen. You break it, you own it. Das ist jetzt eure Pandemie."

In den Niederlanden gilt in den kommenden drei Wochen ein Teil-Lockdown - mit Kontaktbeschränkungen. In privaten Treffen sollten nicht mehr als vier Personen zusammenkommen. In Österreich sollte an diesem Montag ein landesweiter Lockdown für Ungeimpfte in Kraft treten.

Appell der Wissenschaft an die Politik

In einem offenen Brief appellieren 35 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an die Politik, mehr im Kampf gegen die vierte Welle der Pandemie in Deutschland zu tun. Darunter ist Prof. Dr. Michael Hallek von der Uniklinik Köln.

Die Expertinnen und Experten schreiben: "Wir halten es für notwendig, dass die Pandemiebekämpfung eine stärkere Sachgrundlage erhält. Unbestritten ist, dass die Entscheidungsgewalt über den grundsätzlichen Kurs in der Pandemiebekämpfung sowie einzelne Maßnahmen viel stärker als bisher beim Parlament liegen muss. Unbestritten ist jedoch auch, dass die Entscheidungen viel stärker als bisher an wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerichtet werden müssen. Es wäre zu überlegen, ob eine solche Sachgrundlage von einem professionellen Krisenstab erarbeitet, öffentlich kommuniziert und nach politischer Abstimmung mit entsprechender Management-Kompetenz umgesetzt wird. Diesem Stab sollten neben Fachexpert*innen aus unterschiedlichen Disziplinen, darunter die Virologie, die Medizin und die Öffentliche Gesundheit, unbedingt auch Personen aus der Praxis angehören, die über extensive operative Leitungs- und Management-Erfahrung – etwa in Kliniken oder in erfolgreichen Unternehmen verfügen."