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Booster nach 5 Monaten, 3G verschärft, Molnupiravir: So will Frankreich durch die 5. Welle kommen

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Von Alexandra Leistner
Booster nach 5 Monaten, 3G verschärft, Molnupiravir: So will Frankreich durch die 5. Welle kommen
Copyright  AP Photo/Adrienne Surprenant

Auch in Frankreich zieht das Covid-Infektionsgeschehen wieder an. Um der 5. Welle zu begegnen hat Gesundheitsminister Olivier Véran neue Maßnahmen angekündigt. Einen Lockdown, wie er bereits drei Mal in Frankreich verhängt wurde, und auch eine Ausgangssperre soll es nicht geben - dafür aber ein antivirales Medikament.

Den Höhepunkt der aktuellen Pandemie-Welle in Frankreich erwartet Jérôme Salomon, der Generaldirektor der Gesundheitsbehörde, bereits Anfang Dezember. Frankreich sieht sich mit einer "Verdoppelung der Infektionszahlen alle 11 Tage konfrontiert, die 30.000er Marke wird bereits am Montag überschritten werden".

In den vergangenen 24 Stunden waren in Frankreich rund 32.000 Coronavirus-Fälle übermittelt worden.

Ab diesem Samstag kann sich in Frankreich jede Person über 18 Jahren "boostern" lassen: Voraussetzung ist, dass die Zweitimpfung (auch: Grundimmunisierung) fünf Monate zurückliegt. Damit reagiert Frankreich auf neuere wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach eine Auffrischungsimpfung nach sechs Monaten die Gefahr auf Impfdurchbrüche erhöht.

Bis zum 15. Januar haben die Menschen Zeit, sich "boostern" zu lassen, dann läuft der bisherige Gesundheitspass aus. Konkret haben alle in Frankreich lebenden Personen ab fünf Monaten nach der Zweitdosis (oder der Genesung) zwei Monate Zeit, sich ein dritten Mal impfen zu lassen. Impfungen werden bei Ärzt:innen, in Apotheken und in Impfzentren durchgeführt.

Schon wenige Minuten nach der Ankündigung gab es eine 30-minütige Wartezeit, um auf die Plattform, durch die die Impftermine vergeben werden, zuzugreifen.

Der Gesundheitspass ausgeweitet

Für alle Menschen über 65 Jahren läuft der sogenannte "Pass Sanitaire" am 15. Dezember bereits aus. Sie waren seit mehreren Wochen zur Booster-Impfung aufgerufen.

Wer sich nicht impfen lassen will, hat weiter die Option, seinen Gesundheitspass durch einen Test zu validieren. Allerdings wird die Gültigkeit durch negatives Testergebnis aufgrund der hohen Zirkulierung des Virus von 72 Stunden auf 24 Stunden reduziert.

Keine Ausgangssperren, kein Lockdown

Es sei möglich die fünfte Welle zu überwinden, "ohne auf die restriktivsten Instrumente mit den Karten, die wir in der Hand haben, zurückzugreifen", so Véran. Er appellierte aber auch an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen sowie Abstandsregelungen einzuhalten und Innenräume zu belüften.

Molnupiravir - Die Pille gegen Covid kommt

Ab dem nächsten Monat kann in Frankreich zudem das Präparat Molnupiravir verschrieben werden. "In Tablettenform kann es von Allgemeinmedizinern verschrieben werden, wird in Apotheken erhältlich sein und für Risikopersonen (über 65-Jährige oder Menschen, die von chronischen Krankheiten betroffen sind) reserviert sein", erklärte der Gesundheitsminister im Detail.

"Für die betroffenen Menschen, die Symptome aufweisen, kann dieses Medikament das Risiko, ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, um die Hälfte reduzieren", so Véran. Frankreich sei "das erste europäische Land, das seine Mitbürger davon profitieren lässt".

4. Welle oder 5. Welle?

Tatsächlich spricht man in Frankreich im Gegensatz zu Deutschland von der 5. Infektionswelle. Da die Fälle im Sommer bereits einmal stark anstiegen, hatte man zu diesem Zeitpunkt (im August) von einer vierten Welle gesprochen - außer der Einführung des Gesundheitspasses hatte es aber keine anderen Maßnahmen gegeben.

Im nachfolgenden Schaubild sind die Infektionszahlen in Deutschland und Frankreich dargestellt.

Die erste Welle in Frankreich gab es im März 2020, damals wurde der erste - strengste - Lockdown verhängt. Die zweite Welle wurde im November 2020, die dritte im Frühjahr 2021 (April), die vierte im August verzeichnet.

Strategie für Schulen

In Frankreich sind aufgrund von Covid-Fällen momentan 8.500 Klassen geschlossen, wie der Bildungsminister Jean-Michel Blanquer am Donnertag erklärte. Hier will man eine neue Strategie annehmen: "Ab Montag, dem 29. November, werden Kindergarten- und Grundschulklassen nicht mehr systematisch für sieben Tage geschlossen, sobald ein positiver Fall festgestellt wird. Das infizierte Kind muss eine Woche lang isoliert werden, die anderen Schüler werden getestet: Alle mit einem negativen Testergebnis gehen wieder in den Unterricht, während die Positiven zu Hause bleiben müssen.

"Die Eltern können ihre Kinder testen lassen, oder die Tests können in den Schulen selbst durchgeführt werden, da es dort Labore gibt", erklärte Jean-Michel Blanquer.

Das neue Protokoll war bereits seit Anfang Oktober in acht Departements getestet worden.